Fußball
Rainer Fachtan soll SpVgg SV Weiden aus der Krise führen

Neu-Coach Rainer Fachtan feilt an der taktischen Ausrichtung der SpVgg SV Weiden nach dem Rücktritt von Tomas Galasek. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
19.10.2016
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Er ist bei der SpVgg SV Weiden das Mädchen für alles. Er sitzt im Vorstand, leitet das Nachwuchsleistungszentrum und trainiert die zweite Herrenmannschaft in der Kreisliga. Und nun soll Rainer Fachtan auch noch die Bayernliga-Kicker wieder in die Spur bringen.

Für Rainer Fachtan sind es turbulente Tage. Da die Verantwortlichen der SpVgg SV Weiden vom Rücktritt des Cheftrainers Tomas Galasek überrascht wurden und somit keinen Plan B parat hatten, muss der Schafbrucker (Ortsteil von Waldershof) in die Bresche springen. "Es gab vor drei Wochen schon erste Rücktrittssignale, aber da konnten wir Tomas noch einmal zum Weitermachen überreden", sagt Fachtan im NT-Gespräch. Allerdings habe er sich da keine weiteren Gedanken gemacht, denn "es wird schon irgendwie funktionieren".

Als am Sonntagabend und im Laufe des Montags die Dinge ihren Lauf nahmen, war klar, dass Fachtan gefordert ist. "Trainer kommen, Trainer gehen. Aber die Vereinsphilosophie sollte gleich bleiben. Deswegen kamen für uns weder Feuerwehrmann noch Schnellschuss in Frage." Die Ausbildung und Förderung talentierter Nachwuchsspieler hat sich die SpVgg SV auf die Fahnen geschrieben. Spieler aus der eigenen Schmiede, die das Spielverständnis und das Vereinsdenken von der Pike auf vermittelt bekommen, sollen zeitnah das Gerüst beider Herrenteams bilden. "Ich kenne die Spieler, sie kennen mich. Etliche durchliefen schon unser Nachwuchsleistungszentrum. Beide Seiten wissen, wie sie ticken."

Defensive stärken


Bereits in der ersten Trainingseinheit am Dienstagabend versuchte der Interimscoach, den taktischen Korrektur-Stift anzusetzen. "Wir müssen in einer taktischen Grundordnung agieren, in der sich die Spieler wohlfühlen und in der sie ihr wahres Leistungspotenzial abrufen können", plaudert Fachtan etwas aus dem Nähkästchen, ohne schon zu viele Details verraten zu wollen. Beim Blick auf die Anzahl der Gegentreffer sei es selbsterklärend, dass die Schwarz-Blauen künftig defensiver auftreten werden. "Wir werden nicht mehr ganz so hoch stehen."

Dies sei allerdings das einzige taktische Merkmal, das Fachtan anders als Galasek gestalten will. Wie die komplette SpVgg-SV-Familie findet auch der Neu-Coach nur positive Worte für den tschechischen Ex-Trainer, der ihn nach seinem Rücktritt extra angerufen und viel Erfolg für die anstehenden Aufgaben gewünscht hat. "Tomas ist ein überragender Charakter. Nur hätte ihm ein Schuss mehr Egoismus sicher nicht geschadet. Er dachte zu sehr an den Verein." Es habe am Wasserwerk sogar Überlegungen gegeben, nach Überwinden der aktuellen Durststrecke den Kontrakt mit Galasek zu verlängern. "Aber die derzeitige Misere ging Tomas sehr nah. Man hat ihm seine Zweifel richtig angesehen."

Egeter Co-Trainer


Und so ist es jetzt an Fachtan, den schwarz-blauen Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Dazu holt er die Spieler mit ins Boot. "Die Unterstützung von Ralph Egeter, der als Co-Trainer fungieren wird, Kapitän Thomas Wildenauer, Andreas Wendl oder Dominik Forster ist sehr hilfreich. Die Jungs sind sich aber sowieso ihrer Verantwortung bewusst." Auf die Kicker, die derzeit in der Kritik stehen, lässt Fachtan nichts kommen. "Alle haben sich anständig verhalten. Es gab und gibt keine Probleme bei uns." Personell habe Fachtan derzeit kaum Optionen. Benjamin Werner ist verletzt, Stefan Graf fehlt bei der schwierigen ersten Aufgabe gegen die Zweitliga-Reserve der Würzburger Kickers berufsbedingt und Thomas Schneider ist gesperrt. "Aber jetzt können sich eben andere hervortun, die zuletzt vielleicht eher weniger zum Zug gekommen sind."

Und wenn das SpVgg-SV-Schiff wieder in die richtige Richtung fährt, könnten auch mal Jugendspieler in der Bayernliga zum Einsatz kommen, die bisher nur mittrainieren oder in der zweiten Mannschaft ran durften. Und da ihm die Aus- und Weiterbildung der Talente am Herzen liegt, denkt Fachtan nicht daran, seine anderen Aufgaben im Verein zurückzuschrauben oder gar aufzugeben. Im Gegenteil: "Wir sind schon gut vernetzt und jetzt kann ich das Zusammenwirken von Jugend sowie erster und zweiter Herrenmannschaft noch intensiver gestalten." Wenn jetzt noch die Ergebnisse in der Bayernliga passen, wäre Fachtan nicht der erste Coach, der von der Interims- zur Dauerlösung mutiert.

Trainer kommen, Trainer gehen. Aber die Vereinsphilosophie sollte gleich bleiben.Rainer Fachtan, Interimstrainer SpVgg SV Weiden
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