Fußball
Thomas Binner wirft hin

Thomas Binner ist bei der SpVgg SV Weiden ein Mann der ersten Stunde. Dass es mit dem 2010 neu gegründeten Verein sportlich so schnell aufwärts ging, ist auch auf seine Arbeit zurückzuführen. Jetzt zieht Binner einen Schlussstrich, da er keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit Sportvorstand Philipp Kaufmann sieht. Bild: Eger
Sport
Weiden in der Oberpfalz
31.03.2016
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"Das ist ein Kompetenzgerangel. Da sind zwei Alpha-Tierchen unterwegs." Kurt Haas, Vorsitzender der SpVgg SV Weiden

Paukenschlag am Wasserwerk: Thomas Binner gibt sein Amt als Technischer Leiter beim Fußball-Bayernligisten SpVgg SV Weiden auf. Das Verhältnis zu Sportvorstand Philipp Kaufmann ist zerrüttet.

Ursprünglich hatte Binner den Schlussstrich nach dem letzten Saisonspiel am 21. Mai ziehen wollen. Dies hatte er der Mannschaft nach dem Training am vergangenen Samstag auch so mitgeteilt. Wenige Tage später ist diese Information nur noch Makulatur. "Mit diesem Mann gibt es keine weitere Zusammenarbeit. Definitiv nicht", sagte Binner am Donnerstagvormittag. Wer mit dieser Aussage gemeint ist, ist eindeutig: Philipp Kaufmann. Gleichzeitig ließ er die Bombe platzen: "Es tut im Herzen weh. Aber ich ziehe mich ab sofort zurück."

"Unterste Gürtellinie"


Die Gründe für seine Ad-hoc-Entscheidung wollte Binner in der Öffentlichkeit zunächst nicht breittreten. Nur so viel: Was ihm unterstellt werde, sei "unterste Gürtellinie". Der ehrenamtliche Funktionär spricht von "Intrigen" und "dass plötzlich alles im Verein auseinander dividiert und in Frage gestellt wird". Und dies, obwohl der nach der Insolvenz im Jahr 2010 neu gegründete Verein eine "tolle Entwicklung" genommen habe: "Da kann nicht so viel falsch gemacht worden sein. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich daran einen großen Anteil hatte." Klartext wollte Binner am Donnerstagabend reden - bei einer Vorstandssitzung und im Beisein von Philipp Kaufmann. "Ich werde Punkte, die mir zur Last gelegt werden, widerlegen", kündigte er an.

"Das ist sicher ein Verlust", kommentierte Philipp Kaufmann den Rücktritt von Binner. Es gehe aber nicht um eine Person, sondern "um Aufgabenteilung, um neue Strukturen im Verein". Kaufmann vermutet, dass Binner mit der neu geschaffenen Stellenbeschreibung für seine Position nicht einverstanden gewesen sei: "Wenn er dann sagt, er möchte das so nicht machen, dann muss man das akzeptieren." Kaufmann betont: "Ein Rauswurf durch den Verein war das nicht." Wie die entstandene Lücke nunmehr geschlossen werden kann, ließ der erst zu Saisonbeginn 2015/16 installierte Sportvorstand offen: "Wir müssen sehen, ob sich das intern lösen lässt, oder von außen jemand neu dazu kommt."

Es ist das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass die SpVgg SV Weiden wegen einer Personalentscheidung in die Schlagzeilen gerät. Erst vor wenigen Wochen erfolgte die Trennung von Ex-Trainer und Sportlichem Leiter Christian Stadler vor dem Arbeitsgericht Weiden. "Natürlich sieht es doof aus, wenn ein Neuer wie ich kommt und erst hört ein Stadler auf, dann ein Binner", räumt Kaufmann ein.

Unbedingt "größere Kollateralschäden" vermeiden will Kurt Haas. "Das ist ein Kompetenzgerangel. Da sind zwei Alpha-Tierchen unterwegs", beschreibt der SpVgg-SV-Vorsitzende die verfahrene Situation und sieht sich "irgendwo dazwischen". Haas hält Kaufmann und dessen Ideen jedoch die Stange: "Man muss Sachen delegieren, hier die technische Administration, dort die sportliche Verantwortung."

Zeit noch nicht reif


Gleichzeitig hat Haas aber auch erkannt, dass die Zeit noch nicht reif ist für einen Führungswechsel. Bei der Generalversammlung am 20. April wird er sich für weitere zwei Jahre als Vorsitzender zur Wahl stellen. Auch deshalb, weil der designierte Nachfolger noch nicht richtig im Verein angekommen ist. "Philipp Kaufmann muss natürlich aufpassen, die richtigen Worte und Taten zu finden. Das ist halt so, wenn man noch etwas unerfahren ist." Auf keinen Fall will Haas, dass das über Jahre geschaffene Werk "in Rauch und Asche aufgeht".

Das ist ein Kompetenzgerangel. Da sind zwei Alpha-Tierchen unterwegs.Kurt Haas, Vorsitzender der SpVgg SV Weiden


Ein Rauswurf durch den Verein war das nicht.Philipp Kaufmann, Sportvorstand der SpVgg SV Weiden
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