Ganz schön schräg
Jonas Geitner startet in Motorrad-Saison

Auf seiner Kawasaki hatte Jonas Geitner in der IDM-Moto3 vorige Saison keine Konkurrenz. Schon nach sechs von acht Läufen hatte der Wernberger die deutsche Meisterschaft perfekt gemacht. Bild: dpa
Sport
Weiden in der Oberpfalz
26.02.2016
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Ich bin hart im Nehmen, aber nach dem dritten Mal habe ich zu meiner Mama gesagt, dass es mir langsam weh tut.

Fünf Start-Ziel-Siege: Jonas Geitner lässt alle hinter sich. So hat der 19-Jährige in der vorigen Saison bereits nach dem sechsten Rennen die deutsche Meisterschaft im Sack. Ob das dem Wernberger Motorradfahrer in diesem Jahr wieder gelingt? Fraglich. Versuchen will er es aber.

Wernberg. Gefeiert hat das Freudenberger-Racing-Team 2015 schon lange vor Saisonende. Beim sechsten von acht Rennen kam Jonas Geitner mit seiner Kawasaki RC 250 R zwar nur als Zweiter ins Ziel, aber in den fünf Läufen vorher hatte er die Konkurrenz jeweils mit einem Start-Ziel-Sieg deklassiert. Das reichte - und die deutsche Meisterschaft in der IDM-Moto3 war damit frühzeitig unter Dach und Fach. "Es lief alles perfekt", blickt der 19-jährige Wernberger zurück. Und es kam noch besser. Mit einer Wild-Card durfte er sich beim WM-Lauf am Sachsenring mit der Elite messen. "Es ging da drunter und drüber", sagt der Motorrad-Pilot. Fünf Stürze an dem Wochenende waren selbst für ihn zu viel. "Ich bin hart im Nehmen. Aber nach dem dritten Mal habe ich zu meiner Mama gesagt, dass es mir langsam weh tut." Das Problem seien die Reifen und die Fahrwerkeinstellung gewesen, die einfach nicht gepasst hätten.

Kein Überflieger


"Jeder Abgang war ein Highsider. Das Hinterrad bricht aus, hat plötzlich wieder Grip - und dann geht's dahin", beschreibt Geitner die spektakulären Stürze. Der Sachsenring wird dem 19-Jährigen also in Erinnerung bleiben, zudem auch wegen der über 100 000 Zuschauer an der Strecke. "Ich habe gesehen, wie es in der Weltspitze zugeht. Viele haben gedacht, ich fahre gleich vorne mit, ich sei ein Überflieger, aber das bin ich nicht", analysiert Geitner realistisch nach Platz 27.

Aber das ist abgehakt. Momentan steht die Berufsausbildung im Vordergrund. "Im Winter habe ich zwei Teile für die Meisterschule gemacht", sagt der angehende Schreinermeister. Im nächsten Jahr soll alles unter Dach und Fach gebracht werden.

Ende April geht's los


Jetzt aber kommt das Rennfieber wieder. Auftakt ist Ende April am Lausitzring. Noch steht die Vertragsunterzeichnung beim neuen Kawasaki-Team aus. Aber das sei nur noch Formsache, meint Geitner, wenngleich die Sponsorensuche nicht einfach gewesen sei. Von den acht Läufen in der IDM Super Stock 600 sind die sechs Rennen in Deutschland so gut wie finanziell gesichert.

Ich bin hart im Nehmen, aber nach dem dritten Mal habe ich zu meiner Mama gesagt, dass es mir langsam weh tut.Jonas Geitner nach seinem dritten von fünf Stürzen beim WM-Lauf am Sachsenring

"Ich muss natürlich jetzt sehen, dass ich bis zu den Tests, die unmittelbar vor dem ersten Lauf sind, fit bin", sagt der 19-Jährige. Mit Fitnessstudio, Joggen und Motocross-Fahren will er das erreichen. In einigen Wochen stehen die Eltern an den Rennstrecken und drücken Jonas die Daumen, wenn er mit Höchstgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern in extremer Schräglage um das Oval rast. "Die machen sich natürlich Sorgen, aber sie unterstützen mich immer." Angst kennt Jonas Geitner bei den Rennen nicht. "Da bin ich voll bei der Sache und konzentriert. Da denke ich an sonst nichts." Er hofft, dass er eine gute Saison fährt und wieder auf sich aufmerksam macht.

"Die Chancen, dass ich ein Angebot in einer höheren Klasse, wie der Moto2 bekomme, wären dann natürlich größer." Der Traum, so eine Karriere wie sein Vorbild Valentino Rossi einzuschlagen, lebt weiter.

HintergrundHighsider
Bei seinem ersten WM-Einsatz hatte Jonas Geitner fünf Stürze, sogenannte Highsider.

Beim Highsider überschlägt sich das Motorrad zur kurvenäußeren Seite. Er entsteht, wenn ein Motorrad in Schräglage nach einer Rutschphase wieder Grip bekommt und sich dadurch ruckartig aufrichtet. In einigen Fällen wirkt das Motorrad dabei, ähnlich dem Stab im Stabhochsprung, als Hebel auf den Fahrer und katapultiert diesen aus dem Sitz. Der Name Highsider leitet sich von der Tatsache ab, dass das Motorrad auf seine "high side", also der in der Kurve nach oben gerichteten Seite fällt.

Renntermine IDM Super Stock 600

Lausitzring: 29. April bis 1. Mai Nürburgring: 6. bis 8. Mai Lausitzring: 3. bis 5. Juni Circuit Zolder: 8. bis 10. Juli Schleizer Dreieck: 29. bis 31. Juli Circuit Assen: 12. bis 14. August Lausitzring: 16. bis 18. September Hockenheimring: 23. bis 25. September
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