Hoffen auf den großen Wurf
Handballclub lädt Nachwuchs zum Schnuppertraining

Sport
Weiden in der Oberpfalz
07.02.2016
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Europameister! 13 Millionen TV-Zuschauer jubelten, als der deutschen Nobody-Truppe der große Wurf gelang. 13 Millionen neue Handball-Fans. Und vielleicht auch viele neue Spieler.

Kinder und Jugendliche, die sich jetzt für den Sport interessieren, lädt der Handballclub Weiden zu sich ein: Ab Montag, 15. Februar, bietet er verstärkt Schnuppertraining an. Nicht zuletzt Vorsitzender Thomas Wachsmann (46) hofft auf den EM-Effekt.

Spüren Sie schon so was wie eine Handball-Euphorie?

Wachsmann: Bei uns Handballern selbst sowieso. Ansonsten braucht es wohl eine gewisse Zeit, bis sich das richtig auswirkt. Wie nach der WM 2007. Da hat's auch ein paar Wochen gedauert. Dann war der Effekt aber immens: Auf einen Schlag hatten wir 40 bis 50 Kinder mehr.

Das hat Sie sicher auch vor Herausforderungen gestellt.

Wachsmann: Nein, wir sind ja ein relativ großer Verein mit 280 Mitgliedern, 130 davon im Nachwuchsbereich. Wir haben sieben Kinder- und Jugendmannschaften - und eine Reihe von Ehemaligen, die sich als Trainer oder Betreuer engagieren können. Über mehr Nachwuchs würden wir uns auf jeden Fall freuen. Die Arbeit ist in dem Bereich sehr schwer geworden. Es ist ein harter Kampf, die Kinder in ihrer Freizeit in Vereine zu bringen. Und viele sind auch nur ein, zwei Jahre dabei. Nicht in jedem Team sieht's so aus wie in unserer Mädchentruppe: 16 Mädchen bilden einen eingeschworenen Haufen. Die gehen durch dick und dünn. Da lacht das Vorsitzendenherz.

Aber 130 Aktive im Nachwuchsbereich - das klingt doch nicht schlecht.

Wachsmann: Durch Aktionen zu unserem 30. Jubiläum im vergangenen Jahr haben wir wieder einige Neue gewinnen können. Wir fangen bei der F-Jugend an (bis 8 Jahre. d. Red.) und gehen rauf bis zur C-Jugend (13 und 14 Jahre) weiblich und zur B-Jugend männlich (15 und 16 Jahre). Die weibliche A-Jugend mussten wir leider auflösen. Die Mädchen spielen jetzt bei den Damen mit.

Wie populär ist Handball bei den Kindern?

Wachsmann: Einer unserer Nachwuchsspieler aus der D-Jugend hat mir erzählt, er wäre unter lauter Fußballern in seiner Schulklasse der einzige Handballer. Und er werde schräg angesehen. Um ehrlich zu sein: In Bayern geht halt kaum etwas über Feuerwehr, Kirche und Fußballverein.

Fördern die Schulen den Handball im Sportunterricht?

Wachsmann: Ja. Wir haben auch zwei Trainer in Sportarbeitsgemeinschaften (SAG), die in die Rehbühlschule und ins Elly-Heuss-Gymnasium gehen. Dafür braucht man mindestens den C-Schein. Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr erstmals einen großen Trainerlehrgang bekommen, bei dem wir unsere Leute entsprechend schulen lassen können. Seit ein paar Jahren verlagert der Bayerische Handball-Verband solche Lehrgänge in die Region, vorher musste man immer nach München. SAG ist eine tolle Möglichkeit, den Schülern zu zeigen, wie Handball funktioniert. Den Erfolg sieht man beispielsweise in Oberviechtach: Dort wurde ein Mädchenteam bayerischer Schulmeister.

Vom bayerischen Schulmeister zum Europameister: Hätten Sie als Handball-Experte den Erfolg vorher für möglich gehalten?

Wachsmann: Nein. Aber ich war schon überrascht, wie die Mannschaft selbst bei der Niederlage gegen Spanien aufgetreten ist. Trotz des großen Verletzungspechs. Trainer Dagur Sigurðsson hat relativ unbekannte Spieler mitgenommen und es geschafft, eine funktionierende Mannschaft zu formen. Den Superstar, der Tore wie am Fließband wirft, braucht es gar nicht. Mir gefällt das auch besser.

Dabei taugt doch ein Superstar für einen 14-, 15-Jährigen eher als Identifikationsfigur. Bekommen Sie jetzt das Problem, dass alle Handball-Kids ins Tor wollen?

Wachsmann: Das glaube ich nicht. Sicher, Andreas Wolff hat mit seinen jungen Jahren eine extraklasse Leistung hingelegt, über die jeder mit dem Kopf geschüttelt hat. Aber ich lade Sie gerne ein: Stellen Sie sich mal ins Handballtor, und ich werfe ein paar Mal auf Sie. Und dann frage ich Sie, ob Sie immer noch gerne Torhüter werden wollen.
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