Lautern-Coach Fünfstück im NT/AZ-Interview
Lehrreiches Jahr in der Oberpfalz

Plötzlich im Rampenlicht: Konrad Fünfstück trainiert seit September die Profitruppe des 1. FC Kaiserslautern und ist an der Außenlinie immer voll bei der Sache. Der Weidenberger leitete vorher das Nachwuchsleistungszentrum des Pfälzer Traditionsclubs. In seiner Jugend spielte der erst 35-Jährige auch beim SV Kulmain. Bild: dpa
Sport
Weiden in der Oberpfalz
13.01.2016
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Manuel Griener vom SV Kulmain. Bild: af

Er war einst der gefürchtetste Berg Deutschlands. Gerade einmal 285 Meter hoch, aber fast uneinnehmbar - der Betzenberg in Kaiserslautern. Ein junger Oberfranke aus Weidenberg (Kreis Bayreuth) soll dafür sorgen, dass wieder alle Gegner vor der Anreise zum "Betze" zittern.

berg/Kaiserslautern. Plötzlich stand er im Rampenlicht. Konrad Fünfstück aus Weidenberg (Kreis Bayreuth) ist seit Ende September 2015 Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Akribisch arbeitet der 35-Jährige daran, den Traditionsclub, der zuletzt 1998 deutscher Meister wurde, wieder richtig auf Vordermann zu bringen. Nach der Ablösung von Kosta Runjaic wurde er, der auch eine Vergangenheit beim SV Kulmain (Kreis Tirschenreuth) hat, Cheftrainer der Profitruppe. Anfang Februar startet er mit dem FCK zu Hause gegen Union Berlin in die Rest-Rückrunde der zweiten Liga.

Hallo Herr Fünfstück, wie hat sich Ihr Leben als Trainer der FCK-Profis verändert?

Fünfstück: Eigentlich gar nicht so sehr. Ich bin schon seit einigen Jahren Fußballtrainer. Wir haben ja auch damals bei der U23 in Fürth unter Vollprofibedingungen trainiert. Da war auch nur Fußball an der Tagesordnung, In dem Sinne hat sich nichts geändert, außer der Ligazugehörigkeit natürlich.

Der FCK, Club von Fritz Walter, ist einer der großen Traditionsvereine in Deutschland. Erschwert dies das Arbeiten zusätzlich?

Fünfstück: Es ist ein Verein mit großer Historie und auch einem sehr anspruchsvollem Umfeld. Das ist schon eine tolle Herausforderung, eine solche Mannschaft auf die Spiele vorzubereiten und auch Teil der Geschichte dieses Klubs zu sein.

Der Druck muss doch gerade in Kaiserslautern enorm sein oder?

Fünfstück: Druck hat man immer als Trainer, egal in welcher Liga. Vorher hatte ich mehr mit der Ausbildung zu tun. Es war meine Aufgabe, Talente heranzuführen. Jetzt geht es für mich einfach darum, mit meiner Mannschaft, die übrigens die zweitjüngste der zweiten Bundesliga ist, erfolgreich zu sein.

Der FCK ist nach 19 Spieltagen Achter, Mittelmaß ...

Fünfstück: Von den Ansprüchen her, die der Verein hat, ist das natürlich zu wenig. Wir haben zwar Tuchfühlung nach oben, aber die zweite Liga ist eine harte und recht ausgeglichene Liga, und so müssen wir auch immer etwas nach unten blicken.

Bayern-Star Paul Breitner sagte einst: "Auf den Betzenberg brauchen wir gar nicht zu fahren, da können wir die Punkte gleich hinschicken." Von der Heimstärke ist nicht viel geblieben. Der FCK ist das heimschwächste Team ...

Fünfstück: Mit der Heimbilanz dieser Saison ist keiner zufrieden. Wir nicht, die Fans nicht. Die Gegner, die hierher kommen, sind immer sehr motiviert, stehen sehr tief, agieren defensiv. Für eine junge Mannschaft, wie die unsere, ist es da nicht so einfach. Da fehlt die Erfahrung. Wir hatten auch einige unglückliche Punktverluste zu Hause, bei denen wir nicht schlechter waren, aber viele Chancen vergeben haben. Wir haben jetzt zum Rückrundenauftakt das Heimspiel gegen Duisburg gewonnen. Ich hoffe, das war der Auftakt zu einer guten Heimserie.

Sie arbeiteten zehn Jahre in Fürth. Warum der Wechsel 2013 nach Kaiserslautern?

Fünfstück: Ich wollte mich nach zehn Jahren einfach mal verändern. Es gab verschiedene Möglichkeiten. Bei den Gesprächen mit dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz hatte ich das Gefühl, dass ich hier die beste Perspektive habe.

Auch hinter den Kulissen gibt es in Lautern immer wieder Trubel. Wie wichtig ist 1996-er Europameister Stefan Kuntz für diesen Klub?

Fünfstück: Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr vertrauensvoll - aber auch kritisch-konstruktiv von beiden Seiten. Wir tauschen uns viel aus. Er hat seine Vorstellungen, ich habe meine Vorstellungen, die legen wir übereinander und gucken, dass wir eine Lösung finden. Er ist das Gesicht des Vereins, ohne ihn wäre der FCK in einer ganz anderen Situation.

Jetzt sind sie Fußball-Lehrer, studiert haben sie Hauptschul-Lehrer. Könnten Sie unterrichten?

Fünfstück: Ich habe in Bamberg studiert und das 1. Staatsexamen abgeschlossen. Dann kam das Angebot von Greuther Fürth, dort als hauptamtlicher Fußballtrainer zu arbeiten.

Die Bild-Zeitung titelte nach ihrem Einstieg als FCK-Coach: "Ein Religionslehrer soll Lautern retten." Mit solchen Schlagzeilen muss man als Trainer leben ...

Fünfstück: Naja, die haben geschrieben, dass ich katholische Religionslehre studiert hätte, dabei bin ich evangelisch. Das hat schöne Wellen geschlagen. Außerdem studierte ich in meiner Fächerverbindung für das Lehramt nicht nur Religion, sondern auch Sport, Psychologie, Pädagogik, Deutsch und Sozialkunde.

Sie mussten wegen mehrerer Verletzungen mit 19 Jahren Ihre Karriere beenden. War Ihnen da schon klar, dass Sie Trainer werden?

Fünfstück: Ich habe von klein auf schon viel in diesem Bereich geholfen. Mein Papa war Vorsitzender des SV Weidenberg, da habe ich schon Erfahrungen gesammelt. Ich wollte immer mit jungen Menschen im Fußballsport arbeiten.

In Ihrer aktiven Karriere spielten Sie auch beim SV Kulmain. Wie kam's zum Ausflug in die nördliche Oberpfalz?

Fünfstück: Das war eine ganz schöne Zeit, die hatten damals in Kulmain eine super Jugendarbeit. In Weidenberg wurde oft alles mit meinem Papa verbunden, deswegen wollte ich mal etwas anderes machen und Kulmain hatte einfach eine vorbildliche Nachwuchsarbeit.

"Konny" und die langen WegeEs ist schon fast 20 Jahre her, doch die Erinnerungen sind noch da, "Klar weiß ich, dass er damals bei uns gespielt hat", sagt Manuel Griener. Der 32-Jährige stürmt seit Jahren für seinen Heimatverein, den Bezirksligisten SV Kulmain. Und in der Jugend kickte er auch neben Konrad "Konny" Fünfstück, dem Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. "Ich war etwas jünger, aber wir haben zusammengespielt." Locker sei Fünfstück in seinem Jahr bei den Kulmainer A-Junioren gewesen. "Ein umgänglicher Typ. Ganz offen." Und einer, der sich für nichts zu schade war. "Konny war einer, der immer die langen Wege gegangen ist." Als Mittelfeldmann hatte Fünfstück schon damals strategische Fähigkeiten. In Kulmain steht er unter Beobachtung, wie Griener lachend sagt: "Klar, verfolgen wir, was Konny macht."
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