Lesung mit Jochen Busse
„Ich musste Schauspieler werden!“

Jochen Busse begeisterte mit der Lesung aus seiner Autobiographie in der Weidener Buchhandlung Rupprecht. Bild: stg
Sport
Weiden in der Oberpfalz
02.06.2016
100
0

Er gilt als Grandseigneur, als Gentleman des deutschen Kabaretts - auch wenn er sich mittlerweile davon verabschiedet hat. Sein Leben hat Jochen Busse nun in einem Buch zusammengefasst, aus dem er in der Weidener Buchhandlung Rupprecht liest.

Als "Komödie meines Lebens" hat Busse seine Autobiografie untertitelt. Ein Eindruck, der nahe liegt, bei einem Titel wie "Wo wir gerade von belegten Brötchen reden". Doch es ist nicht alles nur Komödie, was Busse den zahlreichen Zuhörern in der Buchhandlung Rupprecht am Dienstagabend präsentiert. Gerade in seiner Kindheit und Jugend - das legen die von Busse ausgewählten Passagen dar - herrschte nicht nur Eitel Sonnenschein. Und trotzdem hält er fest, so etwas wie ein ideales Leben gehabt zu haben.

"Ich habe keine schrecklichen Krankheiten gehabt, keine Pleite erfahren und musste in kein Dschungelcamp. Ich habe Helmut Kohl und vier Ehen überstanden. Wie kann man nur so verdammt viel Glück haben?", stellt Busse fest. Die Zuhörer in Weiden erfahren Einschneidendes und Persönliches aus der Kindheit Busses, der im Sauerland aufgewachsen ist.

Satirischer Unterton


Er erzählt vom Vater, der mit einem Metall verarbeitenden Betrieb pleite gegangen ist, von der Mutter, die bis zur Selbstverleugnung versuchte, den wirtschaftlichen Misserfolg nicht öffentlich zu machen, von den eigenen Begegnungen mit dem Obergerichtsvollzieher Koch, der im elterlichen Haus pfändete. Und immer schwingt dabei - wie in der Geschichte von dem mit einem "Kuckuck" versehenen art-deco-kaukasischen Nussbaumschrank - auch der satirisch-humoreske Unterton mit, der Busse über viele Jahrzehnte so populär gemacht hat.

Eindringlich berichtet der 75-Jährige von den "paramilitärischen Erfahrungen" im Internat mit der Prügelstrafe - aber zugleich von der Strategie, wie er sich bereits im Vorfeld gegen drohende Schläge verbal erfolgreich zur Wehr setzte. Bereits mit 14 Jahren steht für ihn fest, dass er Mime werden will. "Ich konnte nichts anders, ich musste Schauspieler werden", blickt er zurück. Los ging es als Statist bei den Münchener Kammerspielen, ein durchaus mühsamer und steiniger Weg lag vor ihm. Er erzählt Anekdoten von Begegnungen mit Größen wie Paul Dahlke, August Everding, Carl-Heinz Schroth, Fritz Kortner und Friedrich Hollaender. Und natürlich von Sammy Drechsel, der für "die schönsten Jahre meines Lebens" bei der Lach- und Schießgesellschaft gesorgt hat.

Uneitel spricht Jochen Busse auch über seine vier Ehen, er habe bei jeder seiner Partnerinnen "wirklich geglaubt, sie sei die richtige Frau fürs ganze Leben". Er schiebt Erläuterungen über München ein, über jene Stadt, die in den 60er Jahren ein ganz besonderes Flair hatte. "München ist nicht mehr das, was es einmal war", weiß Busse. Spätestens im zweiten Satz über die bayerische Landeshauptstadt heiße es heute, wie unbezahlbar dort das Leben geworden sei.

Kein Kabarettist mehr


Nur angedeutet wird in der Lesung die Entwicklung Busses zum - nach eigener Aussage - "beliebtesten Arschloch im deutschen Fernsehen" durch seine Rolle in der Sitcom "Das Amt". Im Fernsehen und auf der Bühne sieht man Busse auch heute noch - erst vor wenigen Monaten in der Max-Reger-Halle mit der Komödie "Der Kurschattenmann". Sein Kabarettisten-Dasein hat Busse allerdings im Dezember 2015 beendet, wie er freimütig einräumt. "Mein Stil von Kabarett, die Menschen und die Politik zu durchleuchten, ist vorbei", stellt Busse fest. Formal habe er mit der Satire eines Jan Böhmermann nichts mehr zu tun.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.