Paralympics
Scheil: "Jetzt kann es losgehen"

Daniel Scheil will bei den Paralympics in Rio seine Medaillensammlung noch erweitern. Sein Ziel ist Edelmetall. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
31.08.2016
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Daniel Scheil will bei den Paralympics in Rio seine Medaillensammlung noch erweitern. Sein Ziel ist Edelmetall. Bild: hfz

Für Daniel Scheil zählt es jetzt. Nach der erfolgreichen Europameisterschaft 2014 und WM-Bronze im letzten Jahr will er seine sportliche Karriere krönen. Bereits heute sitzt er im Flugzeug nach Rio.

In London 2012 wollte Scheil schon an den Paralympischen Spielen teilnehmen, war sich seiner Nominierung sicher. Die blieb dann aus, obwohl der 43-jährige Kugelstoßer die Norm erfüllt hatte und in der Klasse 33 die Weltrangliste anführte. Die Kommission berücksichtigte ihn aber nicht. Jetzt startet er in Rio.

Ein herber Schlag damals, aber Scheil, der wegen des Trainings am Olympiastützpunkt von Altensteinreuth (Landkreis Tirschenreuth) nach Chemnitz zog, nahm und nimmt es auch heute noch gelassen. "Ich war noch nicht so weit. Der Zeitraum zwischen meinen ersten Erfolgen und den Paralympics war zu kurz." Seine Gelassenheit ist kein Wunder: Der Sportler hat viel Schlimmeres hinter sich, kämpfte sich vor acht Jahren nach einem Hinterwandinfarkt und anschließendem Koma ins Leben zurück. Seitdem ist er auf den Rollstuhl angewiesen, leidet an spastischer Tetraparese und Myopathie.

Erst seit 2010 im Training


2010 begann Scheil mit dem Leichtathletik-Training in den Wurfdisziplinen Speerwurf, Kugelstoßen und Diskuswurf. Ein Jahr später startete er bereits bei der deutschen Meisterschaft, 2012 gab es dort die erste Medaille. Bei der Europameisterschaft 2014 holte er Titel im Speer- und Diskuswerfen und 2015 gewann er WM-Bronze im Kugelstoß.

Jetzt ist eine Goldmedaille bei den Paralympics im Kugelstoßen sein großes Ziel. Seine beiden anderen Disziplinen sind in Rio nicht vertreten. Die Normen erfüllte er bereits im Februar, bestätigte sie im Sommer erneut. Zu 90 Prozent war er sich seiner Nominierung sicher. "Man ist im Kopf dann freier, wenn man die Norm geschafft hat." Am 1. August erfuhr er schließlich von seiner Teilnahme. Zu dieser Zeit war er bereits in Berlin im Trainingslager, bereitete sich intensiv auf den Wettkampf vor. Dazwischen war er Mitte August beim Einkleiden in Hannover, bekam zwei Koffer voll Kleidung und Schuhe. Danach ging es für ihn wieder ins Trainingslager. Scheil fühlt sich fit: "Ich habe sehr gut trainiert, bin optimal vorbereitet, auch mental. Jetzt kann es losgehen."

Auf seinem Plan steht Edelmetall. "Dabeisein ist alles - das zählt für mich nicht. Ich will Gold." Im Moment ist er dabei, die Belastung herunterzufahren. Alles läuft nach einem strikten Trainingsplan ab. Er absolviert kurze Einheiten mit weniger Gewicht, damit er zu dem Zeitpunkt spritzig und topfit ist, wenn es darauf ankommt. "Beim wichtigsten Event des Jahres will ich alles geben." Eine Woche hat er in Rio dann Zeit, sich einzugewöhnen und auf den Wettkampf am 10. September um 17.30 Uhr Ortszeit (in Deutschland um 22.30 Uhr) einzustimmen. "Wir fliegen extra so früh runter, damit wir wegen der Zeitumstellung und dem Jetlag eine Woche Zeit haben, um auf Touren zu kommen."

In Rio macht er dann bis zum Wettkampf täglich Sport, Zeit für etwas anderes bleibt da nicht. Auf die Eröffnungsfeier am 7. September freut er sich schon: "Da werde ich mir ein schönes Gefühl holen, damit bis zum alles entscheidenden Moment die Spannung bleibt." Seine Familie verfolgt die Spiele von Teneriffa aus, wo Scheils Bruder lebt. "Ich halte den Kontakt übers Internet, wir sprechen uns per Videotelefonie." Nach seinem großen Tag will er erst einmal feiern. "Wenn es denn gut ausgeht. Aber ich glaube schon." Dann schaut er sich die anderen Leichtathletik-Wettkämpfe an, er interessiert sich auch für die Triathleten und das Kanuteam. Am 20. September tritt er die Heimreise an. "Dann erst mal Urlaub", lacht er. Mindestens vier Wochen lang will er sich erholen und nicht trainieren. Aber für den Kugelstoßer Scheil ist nach dem Wettkampf vor dem Wettkampf. Er beginnt die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft in London, die nächstes Jahr stattfindet. Scheil ist sich sicher: "Da will ich auf jeden Fall Weltmeister werden."

Dabeisein ist alles - das zählt für mich nicht. Ich will Gold.Daniel Scheil
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