Radsport
Vollgas bergab

Im Normalfall braucht Nico Hennecke nicht selbst an seinen Rennmaschinen rumschrauben. Das macht Vater Lars Hennecke. Aber hin und wieder packt der 16-Jährige selbst mit an. Bilder: Lukas Hennecke
Sport
Weiden in der Oberpfalz
12.04.2016
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Ich habe als Motocrossfahrer viel Erfahrung sammeln können und auch für mehrere Monate in einem Radladen gejobt.

Bisher musste er beim Fourcross in jedem Lauf drei Konkurrenten ausschalten. Und dabei war er als deutscher Juniorenmeister richtig gut. In dieser Saison fährt er nur gegen die Stoppuhr. Und es geht richtig steil bergab. Nico Hennecke will jetzt im Downhill punkten.

Der rote Strich zieht sich über mehrere Zentimeter die Schulter entlang. Die Narbe ist zwar gut verheilt, wird aber Nico Hennecke sicher ein Leben lang begleiten. Passiert ist es im August bei einem Sturz bei der Junioren-WM in Serfaus, beim Downhill-Finallauf. "Es war ein Trümmerbruch. Das Schlüsselbein war komplett hinüber", sagt der 16-Jährige aus dem Dorf Terschnitz bei Mitterteich. Längst sitzt der Schüler wieder auf dem Bike. Beim German- und European-Downhill-Cup möchte er 2016 ins Feld der besten 15 reinfahren.

Das vorige Jahr begann optimal. Mit mehreren guten Platzierungen sicherte sich Nico Hennecke den deutschen Fourcross-Meistertitel in der Klasse U17. Bei der Downhill-Junioren-WM in Serfaus wollte er zeigen, dass auch in dieser Disziplin mit ihm zu rechnen ist. Aber es kam anders. Nach einem Sturz - zudem noch im Finale - musste das Schlüsselbein mit mehreren Metallteilen zusammengeflickt werden. "Zwei Wochen später radelte ich das erste Mal wieder vorsichtig", erinnert sich der Schüler der Fachoberschule Marktredwitz. Fitness, Kraft, Ausdauer standen in den Wintermonaten auf dem Programm. Im Januar kam das Metall wieder aus der Schulter raus. Seitdem bereitet sich der 16-Jährige intensiv auf die Saison vor - mit Schwerpunkt Downhill. Nur drei, vier Fourcross-Rennen werden wohl dabei sein.

"Fourcross ist auf dem absteigenden Ast", weiß Vater Lars Hennecke. Er ist auch Fahrer, Physiotherapeut, Psychologe und dazu Teammanager und Mechaniker des noch kleinen Lifefood-Heraws-Teams. "Ich habe als Motocross-Fahrer viel Erfahrung sammeln können und auch für mehrere Monate in einem Radladen gejobt", sagt der 45-Jährige, "dadurch kenne ich mich schon gut aus."

Nach den Rennen zerlegt er die Bikes des englischen Herstellers Saracen komplett, reinigt sie, überprüft alles, von der Gabel bis hin zu Dämpfer und Bremsen. "An die drei bis vier Stunden brauche ich für ein Rad", sagt Lars Hennecke, zu dessen Team noch der 19-jährige Nationalkaderfahrer Marvin Schaupp aus Ohlsbach in Baden-Württemberg gehört. 38 000 Euro kostet die Saison für die beiden Fahrer und beinhaltet alles, von den Rädern über die Anreise bis hin zu den Übernachtungen. "Wir haben genügend Sponsoren, sind gut aufgestellt und finanziell komplett sorglos", freut sich Lars Hennecke, Sport- und Eventmanager der Mitterteicher Firma Lifefood Rohkost AG, der das Bike-Team ausbauen möchte.

Bis die Saison Mitte Mai losgeht, ist die kleine Mannschaft viel unterwegs. "Wir trainieren in den Bikeparks in der näheren Umgebung", sagt Nico Hennecke, für den die Schule aber trotzdem Vorrang hat. "Ich habe Glück, die sind sehr entgegenkommend und stellen mich für die Rennen auch frei, wenn es sein muss."

Zehn bis zwölf Mal - die meisten Rennen im Downhill - will der 16-Jährige bis Ende Oktober in der U19 angreifen. "Für ganz vorne reicht es sicher noch nicht, aber unter den 15 Besten möchte ich schon sein. Wichtig ist aber, dass ich verletzungsfrei durch die Saison komme", hofft der 16-Jährige. Manchmal träumt er von einer Profikarriere, so wie es der Mitterteicher Johannes Fischbach geschafft hat. "Fischi ist mein großes Vorbild."
Ich habe als Motocrossfahrer viel Erfahrung sammeln können und auch für mehrere Monate in einem Radladen gejobt.Lars Hennecke, Vater des 16-jährigen Nico

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