Rost-Interview
Ambergs Trainer glaubt an die Rettung

Timo Rost treibt seine Jungs an: Der Coach ist vom Klassenerhalt des FC Amberg überzeugt. Bild: ref
Sport
Weiden in der Oberpfalz
28.04.2016
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Amberg. Die Situation ist prekär: Die erste Mannschaft des FC Amberg hat in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen, kein Tor geschossen - und steht deswegen auf einem Abstiegs-Relegationsplatz. Ist der Traum nach einem Jahr Regionalliga bald wieder zu Ende?

Nein, sagt Trainer Timo Rost. Denn die Ziele des FC Amberg sind auf Dauer und in die Zukunft gerichtet. Dazu gehört unter anderem, dass die zweite Mannschaft - derzeit Tabellenführer der Bezirksliga Nord - in die Landesliga aufsteigt und dort auch bleibt. "Wir brauchen langfristig einen Unterbau zur ersten Mannschaft", erklärt Rost. Ein Interview mit dem Trainer über die Zukunft, die restlichen und entscheidenden Spiele der Saison 2015/16 - die womöglich in die Verlängerung geht.

Vier Spiele stehen noch aus, zwei zu Hause gegen die Top-Mannschaften Wacker Burghausen und FC Bayern München II, zwei gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf, in Rain am Lech und in Schalding-Heining. Ist der direkte Klassenerhalt noch zu schaffen?

Timo Rost: Absolut. Dafür werden wir alles bis zum Schluss reinhauen. Wir wollen ganz klar die Klasse erhalten. In den letzten vier Spielen ist alles möglich. Und wenn es sein muss, über die Relegation.

Besteht nicht wieder die Gefahr, dass die Mannschaft, wenn sie durchspielt wie vergangene Saison, Ende Oktober erneut platt ist?

Rost: Das war ja klar. Wir waren total überspielt. Wir hatten ja überhaupt keine Pause. Das ist jetzt nicht der Fall, denn wir hatten eine mega-lange Winterpause.

Das Ziel vor der Saison war ja mit "Klassenerhalt" klar definiert. Haben Sie damit gerechnet, dass es so schlimm kommt, wie es jetzt gekommen ist? Kein Sieg nach der Winterpause, kein Tor, nur zwei Punkte?

Rost: Wir wussten, dass wir vier Mannschaften hinter uns lassen müssen. Dass alle drei Aufsteiger und alle die Mannschaften - bis auf Illertissen - die nicht professionell trainieren können, und bei denen alle Spieler noch nebenbei arbeiten gehen, Probleme bekommen können, war uns klar. Aber dass wir in neun Spielen kein Tor schießen, damit hat keiner gerechnet. Weil wir auch beste Chancen haben liegen lassen. In jedem Spiel. Dass wir bis zum Schluss unten drinhängen, damit haben wir schon gerechnet.

Haben Sie jemals erlebt, dass eine Mannschaft so lange kein Tor geschossen hat?

Rost: Das habe ich überhaupt noch nicht erlebt, zumal wir ja in jedem Spiel mindestens zwei "Hundertprozentige" hatten. Sei es ein Elfmeter, eine Eins-gegen-eins-Situation mit dem Torwart, oder Torchancen aus fünf Metern. Das ist für eine Mannschaft, die unten drin steht, ein Wahnsinnswert. Aber wir schaffen es nicht, die Chancen zu verwerten. In neun Spielen. Damit hat wirklich keiner gerechnet.

Haben Sie im Training das Torschießen geübt? Aufs leere Tor zum Beispiel?

Rost: Wir haben in jeder Woche Abschlüsse aus verschiedenen Positionen. Das wird gezielt trainiert. Ich glaube auch nicht, dass es am Können liegt. Den Spielern fehlt einfach die Lockerheit und Unbefangenheit. Sie wollen es zu gut machen und schließen zu hektisch ab. Da müssen wir den Jungs die Sicherheit im Kopf geben. Der Kopf ist enorm wichtig.

War deswegen am Mittwoch ein Testspiel gegen den Kreisligisten ASV Haselmühl anberaumt?

Rost: Ja. Das war ein Spiel für uns, damit die Jungs wieder ein Erfolgserlebnis haben. Dass sie nicht nur Torchancen herausspielen, sondern sie auch verwerten. Da gilt mein Dank dem ASV Haselmühl, dass er bereit war, so kurzfristig einzuspringen.

In der Relegation könnte die Auslosung als Gegner die SpVgg SV Weiden erbringen. Freuen Sie sich darauf?

Rost: Wir würden uns riesig freuen. Das wäre eine Mega-Sache. Wir sind eine Mannschaft, die in solchen Spielen absolut präsent sein kann.

Wäre es ein gewaltiger Prestigeverlust, wenn die SpVgg SV Weiden auf- und der FC Amberg absteigen sollte?

Rost: Das wage ich zu bezweifeln, weil wir im Verein Strukturen schaffen, mit denen wir auf Dauer Regionalliga spielen können. Ich weiß nicht, ob es für Weiden ein Prestigeverlust war, als wir aufgestiegen sind.

Thema Abstieg: Was wäre, wenn der Fall tatsächlich eintritt, und der FC Amberg in die Bayernliga muss?

Rost: Selbst wenn wir runtergehen werden, ist das kein Beinbruch. Es laufen schon längst die Vorbereitungen, dass wir in der nächsten Saison wieder eine Mannschaft haben, die dann auch vorne in der Bayernliga mitspielen könnte. Unser Ziel ist aber ganz klar: Wir wollen langfristig in der Regionalliga spielen.

Bleibt im Falle eines Abstieges
Timo Rost Trainer des FC Amberg?


Rost: Ich habe einen Vertrag unterschrieben für beide Ligen, für Regionalliga und Bayernliga, auch mit dem Ziel, uns in der Regionalliga zu etablieren. Wir werden - egal welche Liga - eine tolle Mannschaft haben. Die im Falle eines Falles ganz sicher um den Aufstieg mitspielen wird. Aber, das sage ich deutlich, vorrangiges Ziel ist, dass wir jetzt den Klassenerhalt schaffen. Direkt oder wenn es sein muss, über die Relegation.

Thema Prestige: Am letzten Spieltag kommt der FC Bayern München II mit dem "kleinen" Ribéry nach Amberg ...

Rost: Das ist ein Wahnsinnsgegner für uns. FC Amberg gegen Bayern, das ist unfassbar geil. Ein absoluter Höhepunkt für uns. Das ist wie ein Fest. Die kommen mit Heiko Vogel, einem Trainer, der schon beim FC Basel in der Champions-League auf der Bank gesessen hat. Und mit Julian Green, einem US-Nationalspieler. Deswegen werden wir alles tun, um womöglich am letzten Spieltag die Relegation oder sogar den Klassenerhalt zu sichern. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidungen erst am letzten Spieltag fallen.
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