Scharf und amüsant
Ex-Club-Coach Hans Meyer redet in Falkenberg Klartext

Sie hatten jede Menge Spaß auf der Falkenberger Burg: Ex-Club-Coach Hans Meyer (links) und Tomas Galasek, sein einstiger Lieblingsspieler beim Club, der die SpVgg SV Weiden trainiert. Bild: kro
Sport
Weiden in der Oberpfalz
07.10.2016
4599
0

Moderator Thomas Bärthlein spielte die Bälle zu, Hans Meyer schoss zurück: Mal scharf, mal raffiniert, mal pointiert, immer total offen und unterhaltsam. Ein Abend mit dem ehemaligen Club-Trainer auf Burg Falkenberg.

Falkenberg. Hans Meyer steht für die letzte herausragende Zeit beim 1. Nürnberg. Ende Mai 2007 holte er mit dem Club den DFB-Pokal, im Februar 2008 wurde er entlassen. Sein alter Freund aus Club-Tagen, Albert Üblacker, hatte den 73-Jährigen in den Landkreis Tirschenreuth gelotst. Viele Vereinsvertreter amüsierten sich bei den Worten des scharfzüngigen Traineroldies, der jetzt bei Gladbach im Präsidium sitzt, aber in Nürnberg wohnt, beim ersten "Sport-Forum" auf der Burg. Und Meyer hatte einiges zu sagen, ließ in seiner gewohnten Art kaum ein Thema aus. Ein Auszug ...

Hans Meyer über seine Entlassung im Februar 2008 beim Club:

Es war ein Rauswurf, den ich nicht verstanden habe. Wir hatten beim Club eine so leistungsstarke Mannschaft wie lange nicht mehr. Wir hätten eine gute Basis schaffen können. Der Wechsel war einer dummen Panik geschuldet. Ich habe damals an die Mannschaft geglaubt.

Über die Folgen des Rauswurfs:

Ich glaube, daran knabbert der Club heute noch. Es war einfach eine überflüssige Aktion.

Über die derzeitige Situation beim Club:

Ihnen steht das Wasser ja wieder bis hier. Heute Abend sitzen Sie ja wieder beieinander (am Donnerstag war Mitgliederversammlung; die Red.) Mittlerweile ist das Verhältnis wieder ganz normal. Ich gehe aber derzeit nicht ins Stadion. Da würden auf der Tribüne zehn rufen "Hans, komm zurück" und acht von diesen zehn haben damals geschrien: Meyer raus."

Über Tomas Galasek, den derzeitigen Trainer der SpVgg SV Weiden, den er einst zum Club und nach Gladbach holte:

(schmunzelt) Ihm geht es als Trainer derzeit ein wenig wie mir damals beim Club. Tomas ist einer meiner Lieblingsspieler. Er konnte eine Menge und hat sehr viel daraus gemacht. Solche Spieler sind viel wichtiger für eine Mannschaft als die, die ihre Eitelkeiten pflegen.

Über die mögliche Einführung des Videobeweises:

Das Einzige, was ich akzeptiere, ist eine Torkamera. Alles andere ist sinnlos. Man sollte den Fußball so lassen, wie er ist.

Über Weltmeister Deutschland und die mögliche Titelverteidigung:

Das wird schwierig, ist aber durchaus möglich. Allerdings schätze ich uns nicht so stabil ein, wie die Spanier es vor fünf, sechs Jahren waren. Aber man muss über acht Jahre dominieren, wenn man den Titel verteidigen will. Uns fehlen ein bisschen die Außenspieler, die sich durchsetzen, aber wir haben überragende Leute im Mittelfeld. Um den deutschen Fußball braucht man sich da überhaupt keine Sorgen zu machen.

Über den finanzstarken Aufsteiger RB Leipzig:

Für den Osten ist die Entwicklung wunderbar. Was ist so schlimm daran sein, wenn jemand sein Geld in den Fußball des Ostens steckt? Ist doch besser, als wenn er es irgendwo anders reinsteckt. Die haben in Leipzig ein Konzept und machen das herzerfrischend.

Über die Dominanz der Bayern:

Sie haben einfach viel richtig gemacht. Denen ist diese Position nicht geschenkt worden, das haben sie sich hart erarbeitet. Nun können sie sich natürlich immer einen Kader zusammenbauen, der stimmig ist.

Über das viele Geld aus England, das derzeit den Fußballmarkt überschwemmt:

England macht doch den Fußball nicht kaputt. Es ist doch auch hier besser, wenn sie das Geld für Ablösesummen ausgeben, als dass sie was anderes damit machen. Das ist doch alles ein Streit um Teufels Bart. Ich glaube, das Ende bei diesen Summen ist noch nicht erreicht.

Über die Statistikvernarrtheit im modernen Fußball und den neuesten Trend, überspielte Spieler zu zählen:

Wer Ahnung vom Fußball hat, sieht nach zehn Minuten, ob einer einen Pass spielen kann, der gefährlich ist. Vieles ist doch Firlefanz.

Über die Medien, mit denen er sich immer gerne anlegt:

Vielleicht fünf von hundert Journalisten haben Ahnung von Fußball. Ich kenne Leute von der "Süddeutschen", mit denen kann man gut über Fußball sprechen. Aber ansonsten: Was die für Fragen stellen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.