Sportlerwahl 2015
Markus Dippold: Der Wahnsinn auf Hawaii

Markus Dippold (links) maß sich nicht nur beim Ironman Hawaii mit den ganz Großen des Triathlonsports: Beim Kurztriathlon in Regensburg 2001 stand der Weidener als Dritter zusammen mit den Hawaii-Siegern Thomas Hellriegl (Mitte/1.) und Faris Al-Sultan (rechts/2.) auf dem Treppchen. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
31.12.2015
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Ein Ironman war für mich immer eine Kopfsache, eine Quälerei. Erst auf den letzten Kilometern kam dann dieser besondere Kick.

Vor knapp 20 Jahren holte Markus Dippold in Kona den Hammer raus. Beim Ironman Hawaii 1996 absolvierte der Weidener das Rennen seines Lebens, katapultierte sich unter die Top 20 der Triathlon-Weltelite: 19. Platz, 8:46 Stunden. "Das war Wahnsinn", sagt der heute 47-Jährige.

Es war nicht der einzige Wahnsinns-Wettkampf, den Markus Dippold absolvierte. Beim Iron-Mönch in Kulmbach kam er 1998 humpelnd ins Ziel - als deutscher Meister. Beim Ironman Roth, dem deutschen Klassiker, landete er zwischen 1994 und 1999 sechs Mal in Folge immer unter den Top 50. "Ein Ironman war für mich immer eine Kopfsache, eine Quälerei", erinnert sich Dippold. "Erst auf den letzten Kilometern kam dann dieser besondere Kick."

Den"Kick" erlebt Dippold heute in anderen Bereichen. Als zweifacher Familienvater, oder auch in seinem Job bei der Stadtverwaltung Weiden. "Man wird älter und ruhiger", sagt er. "15 bis 20 Stunden Training in der Woche muss ich nicht mehr haben." Natürlich treibt er noch Sport. Ein bisschen Fahrrad fahren, etwas Schwimmen, manchmal auch Wandern. Laufen ist aber gestrichen. "Ich habe einen Knorpelschaden im Knie", berichtet er. Was ihn nicht hindert, auch heute noch beim Ironman Hawaii mitzufiebern. "Den habe ich vor ein paar Wochen live im Internet verfolgt, die ganze Nacht durch", gibt er zu. Mit Wehmut? "Nicht viel, höchstens ein bisschen."

Nachgefragt

Herr Dippold, Kulmbach, Roth, Hawaii - das waren ihre Ironman-Stationen. Auf welcher Strecke haben Sie sich am wohlsten gefühlt?

Dippold: Jede hatte ihren Reiz. Kulmbach war die schnellste Strecke. In Roth war immer eine unschlagbare Stimmung und Hawaii etwas ganz Besonderes. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann Hawaii. Weil man nach der Anstrengung dort immer so gut Urlaub machen konnte.

Wie war das 1996, als sie auf Hawaii als Gesamt-19. in 8:46 Stunden sogar viele Profis hinter sich gelassen haben?

Dippold: Ich kam auf Hawaii mit der Hitze und den Windverhältnissen immer gut zurecht. Viele Europäer haben da ihre Schwierigkeiten. An diesem Tag lief es einfach optimal. Es war ein tolles Gefühl, viele Profis zu schlagen. Die Zeit war Wahnsinn. Aber man muss das realistisch einordnen. Ich war immer noch rund 40 Minuten hinter dem damaligen Sieger Luc van Lierde zurück.

Haben Sie nicht mal kurz überlegt, aus ihrem Körper das Letzte herauszuholen und Profi zu werden?

Dippold: Überlegt schon, aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Um vom Triathlon leben zu können, muss man in Hawaii aufs Podest. Das gilt damals wie heute. Der Weg dorthin ist entbehrungsreich. Meine Schwäche war das Radfahren. Da hätte ich rund 20 Minuten auf die Weltspitze gutmachen müssen. Das ist, wenn es überhaupt zu schaffen ist, ein Riesentrainingsaufwand. Und ich war damals bereits Ende 20.

Gab es mal auch einen Wettkampf, bei dem Sie gedacht haben: Die Ziellinie sehe ich nicht ...

Dippold: 1998, Kulmbach. Das Schwimmen lief super, das Radfahren auch. Als ich dann beim Marathon loslief, machte die Wade zu. Ich bin quasi 42 Kilometer auf einem Bein gelaufen. Wie das funktionierte, weiß ich heute noch nicht. Ich lag dennoch in Führung und wollte keinesfalls aufgeben. Ich habe versucht, den Schmerz auszuschalten, bin ins Ziel gehumpelt. Und war dann plötzlich deutscher Meister.

Nach 2000 haben Sie nur noch an Kurztriathlons teilgenommen. Warum diese Entscheidung?

Dippold: Mir war der Aufwand für die Langstrecke zu viel. Deshalb bin ich auf die Kurzdistanz umgestiegen. Das habe ich bis 2005 durchgezogen, dann war Schluss. Sechs Jahre lang war ich danach noch Vorsitzender im Triathlonbezirk Oberpfalz. Ich wollte dem Triathlonsport auf diese Weise etwas zurückgeben.

Sie waren oft dran, unsere Sportlerwahl zu gewinnen. Drei Mal wurden Sie Zweiter, einmal Dritter. Ein Sieg wäre doch toll gewesen?

Dippold: Für mich war der Sieg überhaupt nicht entscheidend. Ich habe mich über die Ergebnisse bei der Sportlerwahl auch so sehr gefreut. So eine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit tut einem Sportler gut.

Wenn Sie nochmals 25 Jahre alt wären: Würden Sie die Strapazen erneut auf sich nehmen? Fußball oder Tischtennis wären weniger anstrengend ...

Dippold: Fußball habe ich nie richtig gekonnt und beim Tischtennis habe ich mir mal die Hand gebrochen. Nein, Triathlon war genau das Richtige für mich, auch weil ich in den drei Disziplinen nirgends so gut war, um ganz vorne dabei zu sein. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, ich würde es wieder so machen.

Seine ErfolgeIronman Hawaii

1995: 30. Platz/9:08 Stunden 1996 : 19. Platz/8:46 Stunden 1997: 47. Platz/9:21 Stunden 1999: 31. Platz/9:03 Stunden

Ironman Roth

1994: 49. Platz/9:01 Stunden 1995: 29. Platz/9:05 Stunden 1996: 16. Platz/8:47 Stunden 1997: 13. Platz/8:34 Stunden 1998: 8. Platz/8:36 Stunden 1999: 9. Platz/8:34 Stunden

Iron-Mönch Kulmbach

1996: 2. Platz/8:27 Stunden 1998: 1. Platz/8:22 Stunden (deutscher Meister) 1999: 2. Platz/8:29 Stunden

Sportlerwahl

2. Platz: 1996, 1998 und 1999 3. Platz: 1997
Ein Ironman war für mich immer eine Kopfsache, eine Quälerei. Erst auf den letzten Kilometern kam dann dieser besondere Kick.Markus Dippold
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