Sportlerwahl 2015
Rekordläufer Tobias Hösl

Tobias Hösl (Zweiter von links) läuft beim Silvesterlauf 1994 in Amberg vorneweg. Matthias Pilhofer (links) und Martin Klöckner (rechts) zählten ebenfalls zur starken Laufgruppe des TSV Detag Wernberg. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
04.01.2016
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Der Landkreislauf Amberg-Sulzbach mit den Ministranten infizierte mich mit dem Läufer-Gen.

Tobias Hösl und die Laufgruppe des TSV Detag Wernberg waren um die Jahrtausendwende Stammgäste bei der Sportlerwahl des Medienhauses. In Erinnerung blieb Hösl vor allem eine Leistung, die auch 16 Jahre später noch maßgebend ist.

Der Lauf um die deutsche Meisterschaft im Halbmarathon 1999 in Xanten - ein kleiner Ort im Ruhrpott nahe Duisburg. Der Weidener Tobias Hösl reist selbstbewusst an. Im Jahr zuvor sicherte er sich bereits den nationalen Titel im Crosslauf über die Langstrecke. Und diese Form hat er gehalten. "Ich war super drauf und rechnete mir schon etwas aus", sagt Hösl rückblickend.

Doch das Rennen beginnt unerwartet schlecht. Während der ersten drei bis vier Kilometer hat Hösl Mühe, den Anschluss an die Spitze zu halten. Der Sichtkontakt zu den Führenden reißt ab. "Wie wenn ein Knoten platzt, kam ich danach richtig in Fahrt." Hösl schließt schnell zur Spitze auf und setzt sich ab. "Nach dem schwierigen Start war es letztendlich ein lockerer und flüssiger Lauf. Mehr Glückseligkeit denn Quälerei", erinnert sich Hösl.

In 1:05:24 Stunden erreicht er nach 21 Kilometern als neuer deutscher Meister das Ziel. Was diese Zeit wert ist, "habe ich damals natürlich nicht realisiert". Noch heute ist Hösls Siegerzeit bayerischer Junioren-Rekord im Halbmarathon. iese Ausnahmeleistung hievt ihn auch bei der Sportlerwahl 1999 des Medienhauses "Der Neue Tag" aufs Treppchen. Am Ende landet Hösl auf Rang drei. Während seiner langen Lauf-Karriere schafft es der weidener immerhin vier Mal unter die Top drei. Zudem gehörte Hösl zur Laufgruppe des TSV Detag Wernberg, die 1995 Dritter und 1998 sogar Mannschaft des Jahres war.

Nachgefragt

Herr Hösl, wer gehörte alles zur erfolgreichen Lauf-Staffel des TSV Detag Wernberg?

Tobias Hösl: Wir waren immer eine Gruppe von zehn bis 15 Läufern, die gemeinsam trainierte. Aber mit Martin Klöckner (Micheldorf), Christian Schraml (Erbendorf) wurde ich 1993 deutscher Meister im Crosslauf. Auch Matthias Pillhofer aus Schwend zählte zu den herausragenden Läufern.

Wie hoch war das Trainingspensum?

Hösl: In der Gruppe gar nicht mal so hoch. Wir trainierten einmal pro Woche in Sulzbach auf der Bahn und am Wochenende in Weiden an der Stadtmauer über 600 Meter oder auf dem alten DJK-Fußballplatz. Ansonsten absolvierte jeder sein Einzel-Training, nach Plänen von Landestrainer Siegfried Balk.

Welchen Anteil hatte Siegfried Balk am Erfolg der Läufer?

Hösl: Siegfried Balk war Landestrainer und wohnte in Wernberg. Er war der Hauptgrund, weswegen wir für den TSV starteten. Er erstellte für jeden Läufer separate Trainingspläne. Wir verbesserten uns so kontinuierlich. Er weckte den Ehrgeiz jeden Läufers, so dass wir unsere Zeiten stets verbessern wollten. Regionale und nationale Titel waren die logische Folge.

Hegten Sie jemals einen Gedanken, den Laufsport unter professionellen Bedingungen zu betreiben?

Hösl: Eigentlich nicht. Ich begann 1997 meine Ausbildung zum Werbekaufmann und hatte auch am Wochenende zahlreiche Weiterbildungen zu besuchen. Zudem warf mich 1999 eine langwierige Knochenhautentzündung zurück und brachte mich total aus dem Rhythmus. Und auch die Wernberger Laufgruppe brach wegen des Studien- oder Ausbildungsbeginns meiner Kollegen allmählich auseinander. Martin Beckmann, mein Zimmerkollege im Bundeskader, probierte es als Profi und startete bei Welt- und Europameisterschaften. Aber es ist schon schwierig, mit dem Laufen seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Wie kamen Sie zum Laufsport?

Hösl: Der Landkreislauf Amberg-Sulzbach mit den Ministranten infizierte mich mit dem Läufer-Gen. Ich merkte selbst, dass ich gerne und gut laufe und auch andere wurden auf mein offensichtliches Talent aufmerksam. Ich entwickelte einen eigenen Ansporn, mich ständig verbessern zu wollen. Der Vorstoß in die deutsche Spitze war stets mein Traum und den erfüllte ich mir mit zwei nationalen Meistertiteln.

Der Landkreislauf Amberg-Sulzbach mit den Ministranten infizierte mich mit dem Läufer-Gen.Tobias Hösl

Welchen Stellenwert hatte für Sie die Sportlerwahl?

Hösl: Die Sportlerwahl war für mich immer ein Höhepunkt. Wir fieberten stets darauf hin, ob die gesamte Gruppe oder ein Läufer nominiert ist. Und wenn wir dann unter den Top drei landeten, war die Ehrung eine große Freude. Die gesamte Zeremonie der Verleihung war sehr würdig. Für uns war die Würdigung aus der Region wichtig. Somit rückten auch Sportarten, die sonst eher ein Schattendasein führten, standen einmal im Rampenlicht.

Seine ErfolgeDeutsche Meisterschaften

1. Platz Cross Mannschaft (1994), 3. Platz Cross Einzel (1994), 3. Platz Straßenlauf (7,5 Kilometer) Mannschaft (1994), 1. Platz Cross Mannschaft (1995), 2. Platz Straßenlauf (15 Kilometer) Einzel (1995), 2. Platz Straßenlauf (15 Kilometer) Mannschaft (1995), 1. Platz Cross Einzel (1998), 2. Platz Straßenlauf Halbmarathon Mannschaft (1998), 1. Platz Straßenlauf Halbmarathon Einzel (1999)

Bayerische Meisterschaften

1. Platz Cross Mannschaft (1994), 2. Platz 3x1000-Meter-Staffel Bahn (1994), 1. Platz 2000 Meter Hindernis Einzel (1994), 1. Platz Cross Einzel (1995), 1. Platz Cross Einzel (1996), 1. Platz Bahn 5000 Meter Einzel (1996), 1. Platz Straßenlauf 15 Kilometer Einzel (1996), 1. Platz Straßenlauf 15 Kilometer Mannschaft (1996), 1. Platz Cross Einzel (1998), 1. Platz Cross Mittel- und Langstrecke Einzel (1999), 1. Platz Bahn 5000 Meter Einzel (1999), 1. Platz Straßenlauf 10 Kilometer Einzel (2001), 1. Platz Straßenlauf 10 Kilometer Mannschaft (2001), 1. Platz Cross Einzel (2002), 1. Platz Straßenlauf Halbmarathon Einzel (2003), 1. Platz Cross Mittel- und Langstrecke Einzel (2003), 1. Platz Cross Mittelstrecke Mannschaft (2003)

Sportlerwahl

3. Platz Mannschaft (1995), 1. Platz Mannschaft (1998), 3. Platz Einzel (1998), 3. Platz Einzel (1999), 3. Platz Einzel (2002), 2. Platz Einzel (2003) (fle)

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