Sportlerwahl 2015
Zibi Szlufcik: Vom Hausmeister zum Weltmeister

Zibi Szlufcik nimmt auch heute noch ab und an einen Triathlon in Angriff. Ein leben ohne Sport - undenkbar für den 48-Jährigen aus Freudenberg (Kreis Amberg-Sulzbach). Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
27.12.2015
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Er wollte weiter. "Eigentlich wollte ich in die USA." Er ist geblieben. In Bayern, der Oberpfalz, in Freudenberg. Der Name Zibi Szlufcik ist seit Jahren mit dem Ausdauersport verbunden. Früher als Athlet auf den Strecken dieser Welt, heute organisiert der 48-Jährige Triathlon-Veranstaltungen - überall auf der Welt.

Freudenberg. Zibi Szlufcik weiß noch ganz genau, wie es war, damals, 1988, als er nach einem Biathlon-Wettkampf in Sonthofen nicht nach Polen zurückkehrte. Dafür ließ er auch die Olympiateilnahme 1988 in Calgary sausen. "Die ersten zwei Jahre waren sehr hart", blickt er zurück. In Ruhpolding arbeitet er als Holzbauer, "in einem Hotel war ich dann so etwas wie der Hausmeister". In Hirschau wurde damals beim SC Monte Kaolino ein Nachwuchstrainer gesucht. Zibi kam in die Oberpfalz, machte in Köln den Trainerschein. In Freudenberg gefiel es ihm besonders gut. Dort wohnt er mit Frau Susan und den Kindern Mike (20) und Vanessa (16).

Wenn ich als Zugereister über Heimatverbundenheit spreche, mag es lustig klingen, aber die Oberpfalz, Freudenberg sind meine Heimat.Zibi Szlufcik

Er arbeitet für einen Sporternährungshersteller, managt den Biathleten Andi Birnbacher. Und von Amberg aus zieht Szlufcik, der jahrelang auch das Speedgolf-Turnier mit Sportgrößen in Schwanhof organisierte, die Strippen bei den Triathlons der Challenge-Serie.

Herr Szlufcik, Sie betreiben viele Sportarten. Wissen Sie noch, für welchen Erfolg Sie 2001 von unseren Lesern zum Sportler des Jahres gewählt wurden?

Szlufcik: Ich habe in meinem Leben schon viele Sportarten betrieben. Vom Biathlon über Skilanglauf, Laufen, Triathlon, Wintertriathlon und so weiter. Ich habe immer die Abwechslung gebraucht. Die Wahl zum Sportler des Jahres erfolgte nach meinen zwei Weltmeistertiteln in der Eliteklasse des Wintertriathlons, im Einzel und mit dem Team.

Wintertriathlon ist nicht die gängigste Sportart. Wie haben Sie sich dafür begeistert?

Szlufcik: Wintertriathlon war, als ich noch dabei war, kurz davor, olympisch zu werden. Ein Zwist zwischen der FIS und dem Triathlon-Verband hat dies verhindert.

Zeiten und Platzierungen sind für jeden Sportler sehr wichtig. Wie wichtig ist es, dass andere die Leistungen bei einer Wahl honorieren?

Szlufcik: Von den Lesern und Sportfans gewählt zu werden, bedeutet, denke ich, jedem Sportler besonders viel. So auch bei mir. Es hat mich unheimlich gefreut, dass meine Leistungen anerkannt worden sind.

Sie waren vor Ihrer Ausreise aus Polen Ende der 1980er Jahre ein aufstrebender Biathlet. Sind Sie traurig, dass es in der Sportart nicht für ganz oben gereicht hat?

Szlufcik: Biathlon als meine ursprüngliche Sportart ist weiter bei mir sehr präsent, da ich das Management von Andi Birnbacher mache und mit vielen Biathleten wie Simon Schempp, Ricco Groß, Michi Greis oder Ole Einar Björndalen befreundet bin. Sachen nachzutrauern, ist nicht mein Ding. Es ist alles anders gekommen, als ich es vielleicht geplant habe. Aber ich habe bisher ein unheimlich ausgefülltes Leben geführt: Mit meiner Familie, mit den beruflichen und sportlichen Erfolgen bin ich mehr als happy.

Sie leben seit Jahren mit Ihrer Familie in Freudenberg. Ihre Sport-Agentur sitzt in Amberg, Golf spielen Sie am Schwanhof. Was bedeutet diese Region für Sie?

Szlufcik: Wenn ich als Zugereister über Heimatverbundenheit spreche, mag es lustig klingen, aber die Oberpfalz, Freudenberg sind meine Heimat. Hier sind meine Kinder geboren, hier bin ich glücklich verheiratet. Umso mehr ich in der Weltgeschichte umherreise, umso mehr schätze ich meine Heimat.

Eben, Sie sind als Organisator weltweiter Triathlon-Wettbewerbe viel auf Reisen. Sydney, Südafrika, San Francisco, das ist auch Ihre Welt ...

Szlufcik: Als Geschäftsführer der globalen Triathlon-Serie "Challenge Family" bin ich extrem viel unterwegs. Mit dem Challenge Regensburg haben wir zwar 2016 sozusagen ein Weltklasse-Event vor der Haustür, aber zu reisen war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Und irgendwie brauche ich es auch, so lange es nicht zu viel wird.

Haben Ihre Kinder Mike und Vanessa das Sportler-Gen von Ihnen geerbt? Mike ist ein guter Golfer ...

Szlufcik: Meine Kids haben auch schon viele Sportarten probiert. Mike ist beim Golfen dabei, Vanessa ist eine aufstrebende Reiterin. Ich freue mich riesig, dass beide dem Sport verbunden sind. Sport ist aus meiner Sicht die beste Erziehung für das spätere Leben.

Und was ist mit Ihnen selbst? Machen Sie noch Wintertriathlon-Wettkämpfe? Vielleicht wird's ja noch einmal etwas mit der Wahl zum Sportler des Jahres.

Szlufcik: Ich halte mich nach wie vor fit, und ab und zu mache ich mit ein paar Freunden auch noch Rennen mit. So wie in diesem Jahr den Triathlon auf Sardinien. Das waren 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen. Es geht immer noch erstaunlich gut, aber als Wettkampfsportler sehe ich mich schon lange nicht mehr. Ich genieße den Sport, er wird immer zu meinem Leben gehören.

Seine ErfolgeWintertriathlon

2001: Weltmeister im Einzel und mit dem Team 2000: Bronze im Einzel

Deutscher Meister, Welt- und Europacupsieger

Biathlon

mehrmals polnischer Meister (qualifiziert für die Olympischen Spiele 1988 in Calgary)

Duathlon

Deutscher Meister Ende der 1990er Jahre

Red-Bull-Snowman (Mountainbike-Abfahrt auf Skipiste, Halbmarathon-Langlauf, Halbmarathon-Laufen) 1998: Sieger in Lenzerheide
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