Thilo Komma-Pöllath liest aus seiner umstrittenen Hoeneß-Biografie in Buchhandlung Stangl und Taubald
Genug der "Lob-Ulilei"

Sport
Weiden in der Oberpfalz
04.04.2015
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Nein, der Weidener Autor Thilo Komma-Pöllath macht keinen Hehl daraus, dass seine Biografie über Uli Hoeneß "Die Akte Hoeneß - Porträt eines Potentaten" einseitig ist. "Seine Erfolge und positiven Seiten beleuchteten bereits mehrere Biografen. Es ist an der Zeit, auch die schlechteren Momente des ehemaligen Managers und Präsidenten des FC Bayern München zu betrachten. Und derer gibt es genug", sagt er am Mittwochabend in der Buchhandlung Stangl und Taubald. Etwa 60 Zuhörer lauschen seinen Textpassagen und Anmerkungen, die er nicht selten mit einem Hauch Sarkasmus und Ironie garniert.

Kein Wohltäter

"Wer 30 Jahre einen Erfolg nach dem anderen einfährt, hat mindestens eine Leiche im Keller - oder eben ein Konto in der Schweiz." Komma-Pöllath versteht die Hoeneß-Anhänger nicht, die den "guten Menschen von Bad Wiessee" stets als Wohltäter anhimmeln. "Ein Wohltäter hilft anderen bedingungslos. Hoeneß knüpft Unterstützung dagegen immer an Bedingungen. Nach dem Motto: Ich gebe Ihnen ihr Eintrittsgeld zurück, dafür kaufen Sie aber mein Buch." Der Autor positioniert sich gleich zu Beginn. Sein Buch sei ein SPD-Buch. Das wird schnell deutlich, da er nicht nur mit Uli Hoeneß, sondern auch dem "konservativen FC Bayern" und der CSU abrechnet. Dazu schildert er seine Beobachtungen während des Steuerprozesses im vergangenen Jahr gegen Hoeneß. Das Urteil fiel nach Ansicht des Autors viel zu milde aus. "Weder Hoeneß noch sein Anwalt, dessen Ego mindestens genauso groß ist wie das seines Mandanten, wussten zu Prozessbeginn die genaue Summe, die 'Papa Uli' am Fiskus vorbeischleuste."

Bis zum Tag der Urteilsverkündung dachten Bayern-Verantwortliche und der Angeklagte, "dass das richtig gut gelaufen" sei. Dagegen diskutierten Fachpresse und Hoeneß-Kenner, zu denen sich der Autor zählt, nur noch über die Höhe der Haftstrafe. Als der Richter Hoeneß für drei Jahre und acht Monate nach Landsberg am Lech schickte, sei für Karl-Heinz Rummenigge eine Welt zusammen-gebrochen. "Schwebt der FC Bayern wirklich so über den Dingen, oder sind die so naiv?" Rummenigges Verhalten nach dem "Drei-Affen-Prinzip: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen" koste jedem Verantwortlichen in der freien Wirtschaft den Job - nicht so im Millionen-Geschäft Fußball.

Zwei Pole der Reaktion

Den Vorwurf eines Journalisten während eines Interviews, er trample auf jemanden ein, der am Boden liegt, kontert Thilo Komma-Pöllath: "Uli Hoeneß hat über 40 Millionen Euro Steuern zurückgezahlt. So viel müssen Sie erst einmal haben. So jemand liegt nicht am Boden." Insgesamt gebe es beim Feedback auf sein Buch keine Mitte. "Entweder werde ich als Arschloch beschimpft, oder man steckt mir neue Geschichten, die ich noch nicht kannte."

Einmal in Fahrt, weitet er seinen kritischen Rundumschlag aus. "Unter ihrer Käseglocke entfernen sich die Fußballer immer weiter von der Realität." Will der FC Bayern kurzfristig seine Meisterschaft im Restaurant von Alfons Schuhbeck feiern, müssten die "Normalbürger" für einen Gutschein weichen. Im Vorfeld der EM 2012 in Polen und der Ukraine besuchte eine DFB-Abordnung das Konzentrationslager in Auschwitz. "Während die Italiener mit dem kompletten Tross während der regulären Öffnungszeiten kamen, wurde die Erinnerungsstätte für 'Normalos' für die Zeit des DFB-Besuchs komplett geschlossen. Der Tross bestand aus Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski - sowie einer Abordnung Politiker."

Foto in der Kabine

Die Politik unternehme keinen Versuch, die Bedingungen im Fußball auf ein Normalmaß zurückzuführen. Angie und Joachim (Merkel und Gauck, Anm. d. Red.) flögen viel lieber zum WM-Finale nach Rio de Janeiro und ließen sich mit den verschwitzten Spielern in der Kabine fotografieren. "Kein deutscher Spitzenpolitiker wird je etwas gegen den Fußball, des Deutschen liebstes Kind, sagen, weil jeder um die Wählergunst fürchtet. Das ist ähnlich wie in der Kommunalpolitik. Jedes Dorf leistet sich heutzutage eine Feuerwehr - völlig unsinnig. Doch kein Bürgermeister oder Gemeinderat wird sich dagegen wehren, weil alle wiedergewählt werden wollen", sagt Komma-Pöllath.

Zum Bedauern des Autors will sich keine rechte Diskussion ergeben. "Sie können doch nicht alle meiner Meinung sein. Wo sind denn die Hoeneß-Fans?", fragt er mehrmals. Aus dem Publikum kommt nichts - außer etwas Gemurmel, das Komma-Pöllath als Zustimmung seiner Thesen wertet. (Angemerkt)

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Thilo Komma-Pöllath: Die Akte Hoeneß - Porträt eines Potentaten, cbx-Verlag, 287 Seiten, 19,95 Euro.
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