Vier große Weidener Sportvereine: Kein Vorsitzender unter 60 - Mit Beruf kaum vereinbar
Wo bleibt die nächste Generation?

Josefa Salomon kann am Telefon nicht weiterhelfen: "Meinen Mann wollen Sie sprechen? Von meinem Mann weiß ich seit 40 Jahren nicht, wo er gerade ist." Die Ehefrau des langjährigen DJK-Vorsitzenden Georg Salomon nimmt's mit Humor. In den 39 Jahren seiner Amtszeit hat sie selbst kräftig mit angepackt. "Es war auch schön. Langweilig - das Wort kennen wir nicht. Wir hätten auch 30 Jahre lang jedes Wochenende spazieren gehen können."

Spazieren gehen - das ist für die Vorsitzenden der großen Weidener Sportvereine höchstens der Weg bis zur Turnhalle. Dabei hätten die Chefs allesamt etwas Freizeit verdient. Georg Salomon (DJK, 2500 Mitglieder) nahm jetzt mit 72 Jahren den Hut. Herbert Tischler (Turnerbund, 2250 Mitglieder), Günther Zwick (SpVgg, 1600 Mitglieder) sind 63. Ulla Albert (Schwimmverein, 5000 Mitglieder) feiert den 60. Geburtstag noch heuer. Ihre Vorstandskollegen zählen größtenteils schon über 70 Lenze. Zumindest der Spielvereinigung könnte der Brückenschlag zur nächsten Generation schon bald gelingen: mit Gerhard Hegner (34) als Vize-Chef.

Bezahlung keine Lösung



Was ist los mit der Nachfolge-Generation? Georg Salomon hat Verständnis: "Die Leute zwischen 40 und 50, die wir brauchen, sind gerade im Beruf sehr eingespannt." Salomon selbst war 17 Jahre hauptamtlicher Sportreferent der Diözese. "Da war das leichter vereinbar." Ulla Albert arbeitet Teilzeit. Im Sommer gar nicht anders möglich: "Da lebst du bloß noch für das Bad."

In einem Punkt sind sich die Vereinschefs einig: "Wenn es kein Ehrenamt mehr gibt, bricht unser gesamtes, gesellschaftliches Leben zusammen", so Ulla Albert. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer für einen Sportverein - für Herbert Tischler keine Lösung. Der Turnerbund hat im Jahr ein Beitragsaufkommen von 140000 Mark. "Wie wollen sie da eine hauptamtliche Fachkraft hinsetzen?" Dazu kommt, dass Abteilungsleiter, die ebenso viel Freizeit opfern, dies weiterhin umsonst erledigen müssten.

Georg Salomon, Ulla Albert, Herbert Tischler, Günther Zwick - eine Generation, wie es sie nicht mehr geben wird? Kein Wochenende ist frei von Terminen, kaum ein Abend gehört ganz der Familie. "Jeder will bloß mehr genießen, keiner will mehr etwas tun", befürchtet Ulla Albert. Eher noch im Gegenteil: "Manchmal könntest schreien vor Zorn", wenn sich Badegäste wegen "einem Fetzerl Papier" in den Freibadtoiletten beschweren. Kollege Tischler fordert ein Umdenken: "Sonst steuern wir in eine trostlose Zeit."

Dabei kann Ehrenamt Lebensfreude und Sinn geben, wie die Vorsitzenden versichern. "Ich habe viel erlebt", sagt Salomon. Und Gutes getan: Salomon hat zum Beispiel ein Hilfsprojekt für Straßenkinder in Uganda ins Leben gerufen. "Ich möchte das alles nicht missen." Auch den Sport nicht: Salomon steigt um. Auf die Zuschauertribüne. "Ich freu' mich drauf."
Weitere Beiträge zu den Themen: Sportverein (143)Vorsitzender (45)