Volleyball
Schmettern wie die Großen

Ein gewohntes Bild: In der heimischen Sebaldhalle gab es nach den Partien (fast) immer Grund zu ausgelassenem Jubel. Joschi Liebscher, Paul Soderer, Philipp Weiß, Janek und Jonas Lindner, Jan Forst und Kapitän Jan Liebscher (von links) landeten auf einem starken dritten Rang in der dritten Liga. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
23.03.2016
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Als die Teenager Philipp Weiß (16), Paul Soderer (16), Janek (17) und Jonas Lindner (18) aus Weiden zur VGF Marktredwitz wechselten, wollten sie beim Volleyball-Drittligisten reinschnuppern. Welch rasante Entwicklung das Quartett hinlegte, hatte vorher niemand zu träumen gewagt. Das Saisonende war an Spannung kaum zu überbieten.

Weiden/Marktredwitz. Für Volleyball-Laien ist eine derartige Konstellation schwer nachzuvollziehen. Am vorletzten Spieltag lag die VGF Marktredwitz auf dem dritten Tabellenplatz in Deutschlands dritthöchster Volleyball-Liga. Dennoch schwebten die Oberfranken vor dem finalen Heimspiel gegen den TSV Niederviehbach in akuter Abstiegsgefahr. Ein Zähler musste mindestens noch her. Den gibt's im Volleyball bei Erreichen des fünften Satzes. Und so konnte trotz der 2:3-Heimpleite gefeiert werden. Der klare 3:0-Sieg zum Saisonfinale in Freising war noch das berühmte Tüpfelchen auf dem i.

Eine personell völlig neuformierte Truppe landete in der Abschlusstabelle auf einem nie für möglich gehaltenen dritten Rang. Mittendrin als Stammkräfte: die Weidener Teenager Weiß, Soderer sowie die Lindner-Brüder. Im Redaktionsgespräch blickten sie mit Kapitän Jan Liebscher und Teamkollege Max Schwinger, der aus Hirschau stammt, auf ihre erste Saison in Marktredwitz zurück.

Heimspiele als Events


"Die Liga spielte in dieser Saison vollkommen verrückt. An der Spitze eine Übermannschaft des VC Dresden und am Ende abgeschlagen das Volleyball-Internat des VCO Kempfenhausen, das nicht absteigen kann. Dazwischen völlig gleichwertige Mannschaften, von denen jeder jeden schlagen konnte", fasst Liebscher die ungewöhnliche Konstellation zusammen. Hinzu gesellte sich die eigene durchwachsenere Rückserie, die gegenüber der bärenstarken Vorrunde deutlich abfiel. In der Heimstärke lag die Zitterpartie um den Klassenverbleib nicht begründet. "Alle Heimspiele glichen Events. Sensationelle Stimmung, viele Zuschauer - das war vor allem für uns Junge absolutes Neuland", schwärmt Soderer.

Besonders der Weidener Anteil unter den Fans stieg durch die Verpflichtung der Youngster deutlich an. "Eltern, Großeltern, Onkel, Tante, Freunde - die mussten wir nicht mal einladen, die planten die Fahrt am Samstagabend nach Marktredwitz immer selbstständig", klärt Weiß auf, der mit 16 Jahren das VGF-Küken darstellt. Durchschnittlich 350 Zuschauer strömten zu den Heimauftritten und verwandelten die Sebaldhalle in eine Festung. "Gegen Deggendorf zählten wir über 450 Fans, da platzte die Hütte aus allen Nähten", erinnert sich Schwinger.

Bis auf Weiß probierten sich die Weidener Youngster zuvor als Fußballer. "Meine Mutter fragte mich, ob ich nicht mal Volleyball ausprobieren möchte", sagt Soderer. Schulisch hält sich die sportliche Förderung in Grenzen. "Wir haben derzeit eine Sportlehrerin am Augustinus-Gymnasium in Weiden, die selbst in der Regionalliga spielt und vermehrt Volleyball in den Unterricht integriert", freut sich Jonas Lindner. Am Kepler-Gymnasium, wo die anderen drei in Richtung Abitur streben, finden die sportlichen Ambitionen derzeit noch keine gesonderte Beachtung.

Nicht ins Exil


Neben dem geregelten Training im Verein, bleiben somit die Einheiten und Spiele mit der Auswahl. "Natürlich wurden wir angesprochen, ob Interesse an einem Wechsel in ein Volleyball-Internat besteht, aber das ist für keinen von uns eine ernsthafte Alternative. Wir fühlen uns wohl in Marktredwitz und die VGF bietet weit mehr als nur Volleyball", blickt Janek Lindner über die sportlichen Beziehungen nach Oberfranken hinaus. Soderer schätzt die Möglichkeit, Auswahl-Mitspieler nach Marktredwitz locken zu können, als begrenzt ein: "Rawetz liegt schon sehr am Rand von Bayern und die Spitzenvereine konzentrieren sich rund um München. Das hat eine ganz andere Anziehungskraft für Volleyball-Talente." Trotzdem schwören die begehrten Talente der VGF die Treue. "Ich versuche einen Studienplatz in Bayreuth zu erlangen. Das wäre von der Entfernung her dann problemlos machbar", plant Jonas Lindner schon die Zeit nach seinem Abitur, das kurz bevorsteht.

Nach dem gewagten, aber letztlich erfolgreichen Umbruch, sollen weitere Nachwuchskräfte bei der VGF integriert werden. "Noch ist nichts spruchreif, aber zwei bis drei Neue sollen es für die Serie 2016/17 schon sein", gewährt Liebscher einen kleinen Einblick in die Personalplanung. Zudem stünden zwei 15-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs vor dem Sprung zu den Herren und sollen zumindest in der Vorbereitung mit einbezogen werden. Aber wer weiß: Schon bei den vier Weidenern war eine derartige Leistungsexplosion nicht vorherzusehen.
Rawetz liegt schon sehr am Rand von Bayern und die Spitzenvereine konzentrieren sich rund um München.Paul Soderer über die Möglichkeit, Auswahl-Kollegen nach Marktredwitz zu locken
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