Vor Champions-League: Autor Komma-Pöllath über Angriffe von Fans und Kritik
"Ich bin kein Bayern-Hasser"

Thilo Komma-Pöllath moniert, dass rund um den FC Bayern ein Klima der Kritiklosigkeit herrsche. Dafür ist er nun selbst einiger Kritik ausgesetzt. Bild: Hans-Rudolf Schulz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
06.05.2015
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In der Tabelle dessen, was Fans des FC Bayern derzeit so gar nicht mögen, dürfte gleich auf Ausdrücke wie Nasenbeinbruch oder Bauchmuskelriss der Name Thilo Komma-Pöllath folgen. Der Journalist mit Weidener Wurzeln hat im März das Buch "Die Akte Hoeneß" veröffentlicht (wir berichteten). Ein Werk, das sich kritisch mit dem FC Bayern allgemein und dessen einstigem Übervater Uli Hoeneß im Besonderen auseinandersetzt. Seither setzt es reihenweise Beschimpfungen von Bayern-Fans im Internet.

Herr Komma-Pöllath, Sie sind der Fans liebstes Hassobjekt. Am Mittwoch tritt Bayern als Außenseiter in Barcelona an, für die Verhältnisse des Vereins fast schon eine Krise. Genugtuung?

Thilo Komma-Pöllath: Das ist ein Missverständnis. Ich bin kein Bayern-Hasser. Im Rückspiel gegen Porto - das war fantastischer Fußball, große Kunst. Da kann ich mich drüber freuen. Und ich wäre auch begeistert, wenn sie gegen Barcelona gewinnen - wenn sie den besseren Fußball spielen. Was mich stört, ist etwas anderes: das Selbstverständnis des FC Bayern, dass er sich die Welt so formen will, wie es ihm gefällt. Der Glaube, man könne sich seine eigene Regeln machen. Ich würde gerne einen argumentativen Austausch mit den Fans haben. Aber das Problem ist, dass die meisten das Buch gar nicht gelesen haben...

...sondern schimpfen. Warum sind denn die Reaktionen so emotional?

Komma-Pöllath: Zu meiner Lesung in Weiden habe ich eine wüste Mail vom Bayern-Fanclub Wildenau bekommen. Der schreibt von einer "dumpfen und minderwertigen Recherche". Das ist die Emotionalität des Fußballs. Die gibt es überall, aber beim FC Bayern ist das noch deutlich zugespitzter. Das ist dieses "Mia san mia". Das heißt: "Ich bin für diesen Klub, und jeder, der es nicht ist, ist ein Feind. Da empfinde ich jede Kritik als anmaßend." Das muss ich natürlich aushalten, aber es ist auch schade, weil so kein Austausch der Argumente möglich ist. Der Fan sagt nur: "Du bist ein Uli-Hasser." Aber das greift zu kurz.

Hat der Verein selbst eigentlich auch schon reagiert?

Komma-Pöllath: Nicht juristisch. Ich merke natürlich, dass sie stocksauer sind. Da wird einem schon mal der Mittelfinger von einem Mitarbeiter gezeigt. Und man versucht, das Buch hintenrum schlecht zu machen, indem man Kollegen instrumentalisiert und eine unseriöse Recherche beklagt. Dabei könnten sie mich jederzeit direkt anrufen. Ich würde mich darüber freuen. Aber auch hier gibt es keinen offenen Austausch.

Ihre Lieblingsbeschimpfung?

Komma-Pöllath: Da muss ich überlegen. Wahrscheinlich: "Welcher Mann mit Rückgrat trägt schon einen Doppelnamen?" Das sagt eigentlich schon alles über die Qualität der Kritiken...
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