Was macht eigentlich
Petra Horneber: Auch Silber macht glücklich

Kurz nach der Siegerehrung 1996: Petra Horneber zeigt ihre olympische Silbermedaille. Bild: dpa
Sport
Weiden in der Oberpfalz
22.12.2015
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Atlanta, 20. Juli 1996: Petra Horneber hat gerade den letzten Finalschuss abgegeben. Ein kurzer Moment des Wartens, dann die Riesenfreude: Olympia-Zweite mit dem Luftgewehr, ein Traum ist wahr geworden.

Kranzberg/Floß. Der Moment des innigen Glücks hielt aber nur wenige Augenblicke an. Vor der 1,56 Meter großen Sportschützin aus Floß (Landkreis Neustadt/WN) baute sich noch am Schießstand ein Reporter auf. Flankiert von Riesenkameras, hielt er seinem Interviewpartner das Mikrofon ins Gesicht. "Was sagen Sie zu dem verlorenen Gold?", wollte der TV-Mann wissen. Die Oberpfälzerin war fassungslos, einfach nur baff. "Ich habe gedacht: Ja spinnt denn der? Ich hab' doch nicht verloren, sondern Silber gewonnen."

Auch 19 Jahre nach dem größten Erfolg ihrer Karriere kann sich Horneber noch in Rage reden. Der Fernsehreporter war damals nicht der einzige, der ihr Silber madig machte. "Mir haben viele gratuliert", erzählt sie. "Aber immer wieder kam der Nachsatz: Wenn du nur am Schluss ..." Natürlich habe sie im Finalkampf bis zum letzten Schuss geführt, gibt Horneber zu, aber der Fehlschuss, ein Achter statt ein Zehner, "das hätte auch schon vorher passieren können". Die damals 31-Jährige war nahe dran, eine Riesenenttäuschung mit nach Hause zu nehmen. "Ich war beim Rückflug total deprimiert", erzählt sie. Ein besseres Gefühl stellte sich erst bei der Landung ein. Familie, Bekannte und Schützenfreunde empfingen die Rückkehrerin mit Blumen, Sekt, Transparenten: "Da war alles wieder gut."

Gut ist vieles im Leben von Petra Horneber. Seit 25 Jahren lebt die 14-fache Weltmeisterin im oberbayerischen Kranzberg, ist dort mit ihrem Mann und der 17-jährigen Tochter im Gemeindeleben integriert. Als Sachbearbeiterin beim Bayerischen Sportschützenbund ist sie für Lizenzerteilungen zuständig. "Ein Glücksfall", erklärt die fünffache Siegerin unserer Sportlerwahl. "Ich bin viel unterwegs. Es ist schön, regelmäßig Weggefährten aus früheren Zeiten zu treffen." Ihr Olympia-Silber hat sie innerlich längst vergoldet.

Ich habe gedacht: Ja spinnt denn der? Ich hab' doch nicht verloren, sondern Silber gewonnen.Petra Horneber über die Frage eines Fernsehreporters

Nachgefragt

Frau Horneber, wie lebendig ist die Erinnerung an 1996, als Sie in Atlanta Olympia-Silber gewannen?

Horneber: Manchmal gibt es so Momente, da frage ich mich: Ist das wirklich passiert? Oder war das nur ein Traum? Wenn ich aber die Medaille in der Hand halte, dann erinnere ich mich an viele Dinge. Der Wettkampf ist so präsent, als wäre er erst wenige Tage her. Ich war damals angespannt, unter Strom. Als ich im Vorkampf olympischen Rekord geschossen habe und als Erste ins Finale ging, habe ich mir gedacht: Wenn ich mit einer Medaille nach Hause gehe, dann ist die Welt in Ordnung.

Sie haben viele herausragende Ergebnisse erzielt. Werden Sie noch oft auf ihre Erfolge angesprochen?

Horneber: Wenig. Ich bin als Schützin ja noch aktiv. Man kennt mich und das, was ich erreicht habe. Wenn jemand etwas wissen will, dann erzähle ich natürlich von früher. Ab und zu habe ich in der Post noch Autogrammwünsche, das lässt mich dann schon schmunzeln.

Was war das Geheimnis ihres Erfolg? Was haben Sie besser gemacht als andere Sportschützen?

Horneber: Vielleicht habe ich mehr als andere mit allerletzter Konsequenz den Sport betrieben. Feiern habe ich oft ausgelassen, das hätte mir zu viel Zeit und Energie geraubt. Zudem besitze ich eine Fähigkeit, die beim Schießen wichtig ist. Ich kann mich in Stresssituationen total auf eine Sache fokussieren.

Sie waren 37 Jahre alt und Mutter einer vierjährigen Tochter, als Sie 2002 den WM-Titel mit dem Kleinkaliber geholt haben. Die Fachwelt hat gestaunt. Und Sie?

Horneber: Ich auch. Ich hatte wegen meiner Tochter weniger Zeit zum Training, aber viel Erfahrung. Und die habe ich bei der WM in Lahti voll ausspielen können. Wir haben dort auf einem Fußballfeld geschossen. Der Schießstand war auf allen Seiten offen, die Windbedingungen brutal. Viele Jüngere konnten mit der Situation nicht umgehen. Das war ein bisschen mein Glück.

Sie schießen immer noch bei Rundenwettkämpfen und Altersklasse-Meisterschaften. Ist die Liebe zu ihrem Sport ungebrochen?

Horneber: Ich würde sagen, die Liebe zum Umfeld. Man trifft so viele Leute, die das gleiche Hobby haben. Es ist wie eine große Familie.

Fünf Mal haben unsere Leser Sie zur Sportlerin des Jahres gewählt. Wie haben Sie das eingeordnet?

Horneber: Ich war jedes Mal überrascht, irgendwie auch ein bisschen ehrfürchtig, wenn ich das Ergebnis erfahren habe. Ich hatte gar nicht damit gerechnet.

Sie sind in Floß aufgewachsen, leben aber seit 25 Jahren in Kranzberg. Fühlen Sie sich als Oberpfälzerin? Oder sind Sie schon mehr eine Oberbayerin?

Horneber: Ich bin immer noch eine waschechte Flosserin. Aber eine, die sich in Kranzberg mittlerweile zu Hause fühlt.

Ihre Einzel-ErfolgeOlympische Spiele

1996 in Atlanta: Silber mit dem Luftgewehr, 9. Platz im Kleinkaliber-Dreistellungskampf

2000 in Sydney: 9. Platz mit dem Luftgewehr

Weltmeisterschaften

1991/93: Weltmeisterin mit der Armbrust

1994: Weltmeisterin im Kleinkaliber liegend

2002: Weltmeisterin im Kleinkaliber-Dreistellungskampf

Europameisterschaften

1996: 2. Platz mit Luftgewehr

2000: 3. Platz mit Luftgewehr

Sportlerwahl

1. Platz: 1991/1992/1993/1995/1996

2. Platz: 1994/2000

3. Platz: 2002
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