Zu Gast bei Zumba für Senioren
Sexy, aber nicht zu wild

Bayerische Texte auf lateinamerikanische Rhythmen: Das ergibt Salsa im Wechsel mit Polka. Das Ergebnis? "Zumba für Senioren" mit Trainerin Annette Huber (rechts).
Sport
Weiden in der Oberpfalz
22.10.2016
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Merenge ist die beste Prophylaxe gegen Herbstdepressionen, meint Zumba-Trainerin Annette Huber. So wie Heidi Hößl (rechts) lacht, scheint da was dran zu sein.

Salsa-Rhythmen bringen das Blut der Damen im Maria-Seltmann-Haus in Wallung. Sexy lassen sie beim ersten Zumba-Kurs für Senioren die Hüften kreisen, lasziv führen sie die Arme um den Kopf. "Und schneller", fordert Trainerin Annette Huber: "Aber wenn's ziept, Ladys, macht's a bisserl sanfter."

Von wegen sanfter. Heidi Hößl schwingt zu Merengue-Rhythmen übers Parkett im Saal des Seltmann-Hauses, probiert sich aus im Grundschritt, kombiniert die Bein- mit den Armbewegungen - und fertig ist die erste Einheit im Kurs "Zumba für Senioren". "Auf Sport mit Musik hatte ich einfach Lust", verrät die 62-Jährige in einer Trinkpause ihr Motiv für die Teilnahme am Kurs. Zumba sei da optimal, Zumba im Maria-Seltmann-Haus sei gar die Krönung. Warum? "Da gibt's keine Jungen, die einem im Zumba-Kurs davongaloppieren."

Genau, finden auch die anderen Teilnehmer. Besonders eine nickt heftig. Sie hat augenscheinlich noch viel Zeit, sich auf ihren 60. Geburtstag vorzubereiten. "Zumba für Senioren" macht sie trotzdem: "Im Fitnessstudio geht alles viel zu schnell." Beine, Arme, Drehung, Sprung. "Da heißt es, friss oder stirb." Hier gehe es langsamer, aber mit genauso viel Pep voran, habe Kursleiterin Annette Huber im Vorfeld erklärt. "Das klang gut. Deshalb bin ich heute hier."

Fünf Einheiten Zumba gibt Annette Huber ab sofort immer dienstags im Maria-Seltmann-Haus. Jede dauert eine Stunde. In der ersten erklärt sie den "Ladys", wie sie die Teilnehmerinnen liebevoll nennt, dass es pfeffrig, aber nicht zu wild zugehen werde bei Merengue, Salsa, Cumbia und Bachata. "Ich bin selbst schon weit über 50", schiebt sie verständig hinterher. Nur, glauben will das der Frau mit der Figur und dem Feuer einer Mittzwanzigerin niemand so recht. "Tanzen hält eben jung", sagt die 57-Jährige lachend, klatscht motivierend in die Hände und bemüht Erich Kästner: "Los geht's, Ladys. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Zu tun, gibt es viel: für die Beine stets etwas anderes als für die Arme. Nicht zu vergessen: "Körperspannung halten, Ladys", mahnt Annette. Und das alles bitte im typischen Zack-Zack-Zumba. Da geraten die Beine der Teilnehmer schon mal durcheinander. "Die Synapsen zur Choreographie bilden sich nachts", tröstet die Trainerin. Heidi Hößl nimmt's mit Humor: "Sonst gehe ich ja eher in die Rheuma-Liga", ruft sie lachend der Seniorin neben sich zu. "Zumba ist ja auch noch Gehirnjogging", schallt es zurück.

Annette Huber, seit 2011 Zumba-Trainerin, formuliert es so: Zumba ist eine Kombination aus Tanz und Fitness zu lateinamerikanischen Rhythmen - und auf alle Altersgruppen abstimmbar. Kurzum: Bei "Zumba für Senioren", auch "Zumba Gold" genannt, ist die Musik eben einen Ticken langsamer, die Titel etwas kürzer. Laune macht's trotzdem. Oder vielmehr gerade deshalb.

Zum Schluss "Rehragout"


So dröhnt auch kein Chart-Hit sondern "Rehragout" aus der Musikanlage. Lateinamerikanische Klänge auf Bayerisch. 3:53 Minuten tanzen die "Ladys" dazu Salsa und Polka im Wechsel, während in den anderen Räumen des Seltmann-Hauses Italienisch gelernt, mit Ton gewerkelt oder die Wirbelsäule trainiert wird.

"Das Maria-Seltmann-Haus ist einfach ein Segen für Weiden", findet Heidi Hößl, schnappt sich ihre Sporttasche und Freundin Regina Gebert (69). "Und?", fragt Heidi. "Mir hat's gut gefallen", antwortet Regina. Die beiden machen sonst gemeinsam Aquajogging. Nun eben Zumba. "Mir auch. Man muss sich nur trauen", sagt Heidi und freut sich schon auf den nächsten Dienstag, 10 Uhr. "Servus, Ladys!", ruft Trainerin Annette hinterher. (Leute)
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