Leerungszeiten von Briefkästen
Wenn die Post plötzlich später abgeht

Erst gucken, dann einwerfen: Die Post hat die Leerungszeiten etlicher Briefkästen geändert. Wurden sie bisher am Nachmittag geleert, passiert das jetzt erst am Morgen. Schlecht für den, der eilige Briefe hat. Archivbild: dpa

Andrea Walta ist sauer. Ihre dingende Geschäftspost, die sie täglich nach der Arbeit einwirft, kommt nicht mehr pünktlich bei den Empfängern an. Der Grund: Die Post hat die Leerungszeiten der Briefkästen geändert. Heimlich, still und leise, findet sie.

Weiden/Wiesau. Die Weidenerin arbeitet bei einer Firma in Wiesau (Kreis Tirschenreuth). Seit 30 Jahren kümmert sie sich nach Dienstschluss gegen 17 Uhr um den Einwurf der Firmenpost - und war bisher voll des Lobes für den ehemaligen Staatsbetrieb: "Ein Großteil der Briefe kam zuverlässig immer am nächsten Tag dort an, wo sie hin gehören", sagt sie. Bis jetzt. "In Mitterteich, wo ich auf dem Heimweg oft Post einwerfe, wird der Briefkasten plötzlich nicht mehr um 17 Uhr, sondern um 8 Uhr morgens geleert." Somit hätten die Briefe ihrer Firma keine Chance mehr, am nächsten Werktag ihr Ziel zu erreichen. Auch in Weiden seien die Leerungszeiten einiger Briefkästen vom Nachmittag auf den frühen Morgen verlegt worden.

"Nicht kundenfreundlich"


Andrea Walta findet das "nicht unbedingt kundenfreundlich, zumal die Post ja immer behauptet, dass der Großteil bereits am nächsten Tag ausgeliefert wird". Vor allem ärgert sie, dass die Deutsche Post auf die Änderung der Leerungszeiten nicht deutlich hingewiesen hat. "Ich habe jedenfalls davon nichts gelesen." Viele Postkunden, so meint sie, hätten die Umstellung wahrscheinlich bislang nicht einmal bemerkt, weil sie nicht regelmäßig auf die Hinweistäfelchen der Briefkästen schauen.

Angekündigt hat der "Gelbe Riese" die Umstellung der Zeiten tatsächlich nicht, räumt Gerold Beck, Leiter der Post-Regional-Pressestelle in München, auf Nachfrage der Redaktion ein. Die Änderung der Leerungen habe aber auch nicht flächendeckend zu einem bestimmten Termin stattgefunden, sondern selektiv. "Nach und nach haben wir Briefkästen, die relativ schlecht frequentiert werden, umgestellt - sie werden jetzt morgens vom Zusteller geleert." Im Februar dieses Jahres sei nach diesem Prinzip auch die Sonntagsleerung unter die Lupe genommen und für manche Standorte eingestellt worden.

Die Zahl der verschickten Briefe gehe insgesamt stetig zurück, daher prüfe die Post immer wieder bei einzelnen Kästen stichprobenartig: "Wie viele Briefe sind da noch drin?" Sei das nur "eine Handvoll" und werde eine gewisse Quote nicht mehr erreicht, lohne sich eine Leerung am Nachmittag nicht mehr. "Andere Briefkästen in Ballungsgebieten werden hingegen zwei- bis dreimal am Tag geleert", so Beck.

Nach und nach haben wir Briefkästen, die relativ schlecht frequentiert werden, umgestellt - sie werden jetzt morgens vom Zusteller geleert.Gerold Beck, Post-Sprecher

1000 Meter bis zum Kasten


"Es kommen aber auch auf dem Land immer wieder neue Kästen dazu, etwa, wenn irgendwo ein Neubaugebiet oder ein Ladenzentrum entsteht." Komplett abmontiert würden die gelben Boxen allerdings nur, wenn sie an Privathäusern hingen, deren Besitzer sie loswerden wollen. "Manchmal werden auch nur die Standorte der Kästen verlegt, weil sich beispielsweise die Verkehrsführung geändert hat." Grundsätzlich gelte immer noch eine Regel, die noch aus den Zeiten stammt, als die Post eine Behörde war: "Kein Bürger darf mehr als 1000 Meter zum nächsten Briefkasten haben", sagt der Sprecher, "lediglich bei Einsiedlerhöfen lässt sich das natürlich nicht einhalten." Und damit jeder weiß, wo der nächste Briefkasten ist und wann er geleert wird, verweist Beck auf die Website "Postfinder.de": Hier bekomme man die Standorte mit Leerungszeiten auf einer Karte angezeigt - Routenplaner inklusive.

Für Andrea Walta nur ein schwacher Trost: "Es ist trotzdem ein Verlust an Service. Gerade ältere Menschen haben oft auch gar keinen Zugang zum Internet." In jedem Fall gilt - ob online oder am Kasten: Erst nach den Leerungszeiten gucken, dann einwerfen.

Hintergrund„Auch aus ökologischen Gründen macht es wenig Sinn, jeden Tag mehrere Kilometer für lediglich ein paar wenige Briefe zu fahren, wenn der Briefträger eh – allerdings am Vormittag – am Briefkasten vorbeikommt“, sagt Post-Sprecher Gerold Beck auf Anfrage.

Zur konkreten Kritik von NT/AZ-Leserin Andrea Walta ergänzt er: In Weiden werden seit Anfang August 19 der insgesamt 52 Briefkästen vormittags vom Postboten geleert. 14 der Briefkästen in der Max-Reger-Stadt würden um 18 Uhr und später geleert.

In Mitterteich wurde lediglich der „schwach genutzte“ Briefkasten in der Fritz-Seebach-Straße zum 1. Juli 2016 in die Vormittagsleerung genommen. Die anderen fünf Briefkästen würden um 17 Uhr und später geleert. „Die durchschnittliche Entfernung zum nächsten Briefkasten in Mitterteich beträgt aktuell 263 Meter.“


Briefkästen und Leerungszeiten online:

www.postfinder.de
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