19-Jährige steht wegen Vortäuschens einer Straftat vor Gericht
Angriff durch "Dunkelhäutige" frei erfunden

Symbolbild: dpa

Die Story entsprang ihrer Fantasie. Eine 19-Jährige zeigte im Dezember bei der Polizeiinspektion Eschenbach ein Sexualdelikt an. Drei dunkelhäutige Männer im Alter von 17 oder 18 Jahren hätten sie auf dem Schulweg verfolgt. Einer habe sie festgehalten, der andere habe ihr den Mund zugehalten, der Dritte habe sie an Brüsten, Gesäß und Geschlecht angefasst.

Das Motiv der damaligen Schülerin für die Lügengeschichte: "Ich wollte, dass mir einfach mal wer zuhört." Als Mittlere von drei Geschwistern habe sie die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich ziehen wollen. Nach dem Tod der Oma (der zwei Jahre zurückliegt) habe ihr eine wichtige Vertrauensperson gefehlt,

Die ungeteilte Aufmerksamkeit galt der 19-Jährigen aus dem Altlandkreis Eschenbach am Mittwoch am Amtsgericht Weiden. Jugendrichter Otmar Schmid verurteilte die Heranwachsende wegen Vortäuschens einer Straftat. Sie muss 40 Arbeitsstunden beim Allgemeinen Sozialverband Neustadt/WN ableisten. Schmid versuchte erfolglos, etwas mehr über das Motiv zu erfahren, ausgerechnet diese Geschichte zu erfinden: "Haben Sie sich gedacht: Da muss ich mal ein Geschütz auffahren?"

Schon am Morgen in der Schule erzählte die Abschlussschülerin zwei Lehrern vom angeblichen Überfall kurz nach 8 Uhr. Am Nachmittag tischte sie ihren Eltern die gleiche Geschichte auf. "Die haben gesagt: Damit müssen wir zur Polizei." Dort schilderte die Tochter die Attacke noch einmal. Erst als sie einen der Männer in die Hand gebissen habe, habe sie fliehen können. Die drei Täter beschrieb sie als "dunkelhäutig, keine Afroamerikaner, eher so südländisch-braun". Sie hätten dunkle Kapuzenpullover und weiße Nike-Turnschuhe getragen.

Wir erleben hier immer häufiger, dass junge Frauen völlig grundlos Strafanzeigen erstatten.Staatsanwalt Peter Frischholz

Die Polizei nahm die Ermittlungen auf, auch in der Schule. Schon am nächsten Tag hielten die Polizisten der Anzeigeerstatterin Widersprüche vor. Die 19-Jährige gestand den Schwindel: "Da hatte ich schon so ein schlechtes Gewissen, dass ich nachts nicht mehr schlafen konnte." Laut Kreisjugendamt kommt die Angeklagte aus einem geordnetem Elternhaus, betreibt Sport und Musik: "in intaktem Umfeld gut integriert."

Staatsanwalt Peter Frischholz zeigte auf, was die 19-Jährige mit der falschen Bezichtigung angerichtet habe. Sie habe Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte beschäftigt, "obgleich diese Behörden mit anderen Dingen zu tun hätten". Zugleich schade sie der Glaubwürdigkeit tatsächlicher Opfer: "Wir erleben immer häufiger, dass junge Frauen völlig grundlos Strafanzeigen erstatten, aus welchen Gründen auf immer. "

Zum Dritten wies Frischholz auf die "öffentliche Stimmung" hin: "Hier werden drei Dunkelhäutige beschrieben. Kommt so etwas in die Presse, ist was los. Dann wird Stimmung gemacht gegen Flüchtlinge." Verteidigerin Luzia Söllner betonte, dass ihre Mandantin keine Gesellschaftsgruppe in Misskredit habe bringen wollen. "Sie wollte einen Hilfeschrei an ihr Umfeld setzen." Die junge Frau schloss im Sommer die Schule ab und wartet jetzt auf den Ausbildungsbeginn. Ihre Probleme löse sie in einer Psychotherapie.
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