20-Jähriger gibt Führerschein nur einen Monat ab
Gnade nach Autorennen ab ZOB

Symbolbild: dpa

Äußerst gnädig verfuhren Staatsanwalt Peter Frischholz und Richter Reinhold Ströhle mit einem 20-Jährigen, der sich im August 2015 ein Rennen mit einem Gleichaltrigen geliefert hatte. Die Tatsache, dass der Weidener seit eineinhalb Jahren einen Job hat, für den er den Führerschein unbedingt braucht, bewog die Juristen, vom Regelfall abzuweichen und ihm die Fahrerlaubnis nicht für längere Zeit zu entziehen.

Am Parkplatz beim ZOB hatten der Angeklagte und ein weiterer junger Mann beschlossen, einen Dritten zu verfolgen und zu stellen. Es ging um ein Mädchen, dass bei den Verfolgern im Auto saß. Der Dritte sollte die jugendliche Bekannte geschlagen haben. Kurz vor dem Ortsschild Rothenstadt gelang es dem 20-Jährigen, den Daihatsu-Fahrer zu überholen. Knapp vor ihm scherte er mit seinem Mercedes CLK ein und bremste stark ab, um den Daihatsu zum Anhalten zu zwingen. Dem Verfolgten gelang es zwar, rechtzeitig zu bremsen. Der andere Verfolger - mit vier Mädchen als Beifahrerinnen - prallte aber auf ihn auf und schob seinen Mitsubishi auf das Auto des Angeklagten auf. Zwei junge Frauen im Mitsubishi wurden verletzt. Hohen Sachschaden gab es an allen drei Autos.

Von Richter Otmar Schmid wurden die beiden "Rennfahrer" wegen Straßenverkehrsgefährdung, Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafen und einmonatigen Fahrverboten verurteilt. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Frischholz hielt den Entzug der Fahrerlaubnis für zu kurz und legte Berufung ein, ebenso Verteidiger Franz Schlama.

In der Verhandlung vor der 3. Jugendkammer stellte sich am Donnerstag heraus, dass die Arbeitsstelle des nun knapp 21-Jährigen voll und ganz am Führerschein hängt. Richter Ströhle telefonierte deswegen mit dem Chef des jungen Mannes, der dessen Angaben bestätigte. Um dem Ledigen nicht seine berufliche Zukunft zu verbauen, nahm Frischholz schließlich seine Berufung zurück.

Ströhle machte dem Angeklagten und seiner Mutter im Zuschauerraum unmissverständlich klar, dass man mit Jugendlichen nur deshalb gnädiger umgehe, weil hier der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehe. "Normalerweise, wenn jemand so in Wildwestmanier fährt, kommt sofort der Führerschein für lange Zeit weg." Der Ledige gab daraufhin sofort seinen Führerschein ab und wird die 800 Euro Geldstrafe zugunsten der Verkehrswacht in Raten bezahlen.
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