23-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
Kostet SMS ein Menschenleben?

Auf diesen Traktor fuhr der 23-Jährige mit seinem Wagen ungebremst auf. Der 47-jährige Landwirt erlitt tödliche Verletzungen. Archivbild: dob

Führte Unaufmerksamkeit oder gar SMS-Tippen zum Tod eines 47-Jährigen? Oder war der Unfallverursacher wirklich eingeschlafen? Das behauptet er vor Gericht.

Fast genau ein Jahr ist es her: Auf der Staatsstraße bei Waldau knallt der junge Mann mit seinem Daimler-Chrysler auf das Heck eines Traktors. Dessen Fahrer wird durch den heftigen Aufprall aus seinem Sitz geschleudert. Tags darauf erliegt der Landwirt aus Rückersrieth (Moosbach) in der Uni-Klinik Regensburg seinen schweren Schädel-Hirn- und Thorax-Verletzungen. Er wurde 47 Jahre alt.

Seit Dienstag steht der Unfallfahrer vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl. Staatsanwältin Franziska Paintner klagt den heute 23-jährigen Weidener der fahrlässiger Tötung an. Zeugen schilderten, was sie kurz nach dem tragischen Unfall erlebt hatten.

Smartphone im Fußraum


Ein 44-jähriger Sicherheitsdienst-Mitarbeiter berichtete, dass er bei seiner Heimfahrt von der Arbeit in der Dämmerung die Lichter des Traktors entgegenkommen gesehen hatte. Später habe er am Unfallort entgegenkommende Fahrzeuge angehalten und Erste Hilfe geleistet. Dabei habe der Schwerverletzte nur noch gestöhnt. Der sichtlich unter Schock stehende Unfallverursacher habe mehrfach gesagt, er sei eingeschlafen. Im Fußraum des Autos habe er ein Smartphone liegen sehen, sagte der Vohenstraußer. Dass der Autofahrer gesagt habe, er sei eingeschlafen, bestätigte auch ein 50-Jähriger, der ihn später in Schocklage gebracht und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes betreut hatte. Über die aufwendige Untersuchung von zwei Handys berichtete ein Hauptkommissar der Kripo Weiden. Während bei einem davon die letzte Aktivität weit zurück lag, ergab die Auswertung des zweiten, dass zwei Minuten vor dem Unfall um 19:25 Uhr eine Nachricht gesendet worden war: "21 Uhr, vier bis sechs Personen".

Rechtsanwalt Werner Buckenleib, der den Angeklagten vertritt, teilte dem Gericht schriftlich mit, dass sich sein Mandant an nichts mehr erinnern könne. Der Gastronom habe am Unfalltag bis 3 Uhr morgens gearbeitet, aber dann bis 15 Uhr bei seiner Freundin in Weiden geschlafen. Er könne sich den Unfall nur dadurch erklären, dass er eingeschlafen sei.

Nicht zu übersehen


Auch Dipl.-Ing. (FH) Ralf Piller gab das Ergebnis seiner Recherchen bekannt: Das Auto des Angeklagten sei beim Aufprall zwischen 79 und 98 Stundenkilometer schnell gewesen, habe er berechnet. Der korrekt beleuchtete Traktor mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h sei auf der übersichtlichen Strecke mindestens elf Sekunden zuvor zu sehen gewesen. Bei aufmerksamer Fahrweise wäre der Unfall vermeidbar gewesen, meinte der Sachverständige.

Im Strafregister ist der 23-Jährige kein ungeschriebenes Blatt. Drei Mal ist er wegen - allerdings jugendtypischer - Delikte vorbestraft. Das Fahreignungsregister weist ebenfalls drei Ahndungen in den letzten Jahren auf: wegen Handy-Gebrauchs beim Fahren, wegen einer Fahrt, bei der er in geschlossener Ortschaft 24 km/h zu schnell unterwegs war, und wegen zu geringen Abstands bei 118 km/h. Da der sachbearbeitende Polizist des Unfalls zurzeit im Ausland weilt, wird die Verhandlung am 14. Oktober um 9 Uhr fortgesetzt.
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