25-Jähriger steht wegen Drogenanbaus vor Gericht
Marihuana auf dem Balkon

Kurz vor der vierten Ernte flog ein Marihuana-Anbauer in Weiden auf. Er hatte die Pflanzen auf seinem Balkon stehen.

(rns) Zugute kam einem 25-jährigen Rauschgifthändler vor Gericht, dass er ein gutes Dutzend seiner Abnehmer, die vorher nicht polizeibekannt waren, an die Ermittler verraten hatte. "Zur Belohnung" verurteilten ihn Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die Schöffen nur zu 21 Monaten auf Bewährung.

Der Weidener hatte im Zeitraum von Herbst 2013 bis Mitte Oktober 2015 auf dem Balkon seiner Wohnung in einem Zelt Marihuana-Pflanzen gezüchtet. Als ein Arbeitskollege der Polizei den Tipp gab, der Produktionshelfer würde im Betrieb an Kollegen Rauschgift verkaufen, setzte diese einen verdeckten Ermittler auf ihn an. Der Ermittler kaufte zwei Mal Mengen von 34 und 60 Gramm für je 500 Euro bei dem Mann ein. Man vereinbarte auch ein größeres Geschäft über 5000 Euro. Beim dritten Einkauf ließ der "nicht öffentlich ermittelnde Polizeibeamte" die Sache auffliegen.

Rege Nachfrage


Bei der Durchsuchung der Wohnung des Vaters eines Kindes fanden die Kriminalbeamten zehn Marihuana-Pflanzen, Rauschgiftutensilien, das Gewächshaus samt Heizanlage und Licht sowie Marihuana-Reste. Die Pflanzen waren 30 Zentimeter hoch. Es wäre die vierte Ernte gewesen. Der Ertappte gab zu, in Eisenach von einem Dealer 120 Gramm zugekauft zu haben, um die rege Nachfrage auch befriedigen zu können.

In der Verhandlung vor dem Schöffengericht gestand der derzeit Arbeitslose die Taten. Wegen der erheblichen Kosten für seinen Eigenkonsum habe er mit dem Anbau begonnen. Seit seinem 15 Lebensjahr habe er "Gras" geraucht und später "herum experimentiert". Jetzt würde er nur noch selten konsumieren, sagte er. Die Polizeibeamten sagten im Zeugenstand aus, dass die Angaben des Angeklagten weitgehend Bestätigung fanden. Gegen mehrere der Beschuldigten sei inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet oder sie seien schon verurteilt.

Staatsanwältin Carina Spörl anerkannte die Mithilfe bei der Aufklärung anderer Straftaten, forderte aber trotzdem zweieinhalb Jahre "ohne". Rechtsanwalt Dominic Kriegel hielt diesen Antrag für "völlig unverständlich". Ein großer Teil der angeklagten Erwerbsgeschäfte beruhten nur auf den Angaben seines Mandanten. Unter diesen Umständen könne er in Zukunft den Angeklagten nur mehr zum Schweigen raten, so Kriegel. Der Verteidiger plädierte auf ein Jahr auf Bewährung.

Regelmäßig Urinproben


Richter Heindl versah die Bewährung mit zahlreichen Auflagen. Der Verurteilte muss durch Urinproben nachweisen, dass er drogenfrei lebt. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt und muss zusätzlich 100 Arbeitsstunden ableisten. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen und 4000 Euro Gewinn aus seinen Drogengeschäften abliefern. Heindl ging davon aus, dass zwei Drittel der zugekauften Großmenge verkauft worden waren und der 25-Jährige höchstens ein Drittel selbst konsumiert hatte.
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