25 Jahre danach: Dieter E. Neuhaus über das Stadtschauspiel
"Eine verrückte, einmalige Sache"

Dieter E. Neuhaus inszenierte das Stadtschauspiel zur 750-Jahr-Feier von Weiden. Repro: ske
 

775 Jahre Weiden. Zurückhaltend, fast still beging die Stadt heuer dieses Jubiläum. Ganz anders die Feiern vor einem Vierteljahrhundert. Einer, der damals im Mittelpunkt stand, blickt zurück.

(ske) Was war das für ein Jubiläumsjahr, das Weiden vor 25 Jahren beging. Unvergessen ist das Stadtschauspiel zum 750. Geburtstag. Zahlreiche Bürger waren vor und hinter den Kulissen eingebunden. Inszeniert hat das Spektakel der Regisseur, Autor, Dramaturg und Schauspieler Dieter E. Neuhaus.

Sie leben in Emmendingen in Südbaden, sind beruflich sehr aktiv, gestalten Jubiläen, Festspiele, Schauspiele oder Kunst-Begegnungen, gastieren als Rezitator im gesamten deutschsprachigen Europa. Wie ging es nach dem "Weidener Jahr" weiter?

Dieter E. Neuhaus: Es ist eine weite Fahrt von Emmendingen bis in die Oberpfalz. Wie oft bin ich damals hin- und hergereist, als ich mit dabei war, wie Weiden vom Sommer 1991 bis zum Sommer 1992 sein Jubiläum "750 Jahre" feierte! Und danach ging es gleich weiter mit dem Reisen, doch jetzt vor allem in Orte im Rheinland, im Schwabenland und natürlich im heimischen Baden, wo ich eine Vielzahl weiterer großer Theaterprojekte und Jubiläumsfeste inszenierte und gestaltete.

Gibt es heute noch Kontakte nach Weiden?

Nach Ende des Jubiläumsjahres war es leider unvermeidlich, dass meine Kontakte in und nach Weiden immer seltener wurden. Doch wie sehr ich mich dieser schönen Stadt und ihrer Menschen bis heute verbunden fühle, wurde mir bewusst, als ich jetzt auf die Tatsache aufmerksam gemacht wurde, dass seit dem "Stadtschauspiel" 25 Jahre vergangen sind.

Und heute?

Da bereitet es mir jedes Mal eine große Freude, wenn hin und wieder eine Ansichtskarte oder ein Brief mit Weidener Absender in Emmendingen eintrifft oder ich in Facebook mir vertraute Gesichter wieder sehe. Und ganz besonders: wenn immer wieder - zuletzt vor zwei Jahren bei einem von mir inszenierten Jubiläums-Freilichttheater im Schwarzwälder Kinzigtal - nach einer Vorstellung plötzlich das Ehepaar Babsi und Gerhard Huber aus Weiden in der Oberpfalz vor mir steht... In diesen 25 Jahren hat sich die Welt verändert. Und wie! Und die Art und Weise, sich mit der eigenen Region und ihrer Vergangenheit zu beschäftigen, ebenso.

Was verbinden Sie heute mit Weiden?

Es ist, als sei dies erst gestern gewesen: das Leben in der zauberhaften Altstadt mit ihren Kneipen. Unser "Stadtschauspiel-Hauptquartier" in der Oberen Bachgasse. Und dann das phantastische Freilichttheater auf dem Oberen Markt mit dem Alten Rathaus als Kulisse. Die vor Vorstellungs-Beginn auf dem Unteren Markt auf den Einlass wartende, schier endlose Schlange der Zuschauer. Die musikalische Einstimmung mit Dudelsack und Teufelsgeige. Die über der Tribüne kreisenden Störche. Schließlich die Aufführungen. Vor allem aber die Menschen, die ich in Weiden kennenlernen durfte in vielen Begegnungen und bei zahllosen Theaterproben. Das war schon eine verrückte, eine einmalige Sache, dieses "Weidener Stadtschauspiel".

Wäre das 775-jährige Jubiläum nicht ein Anlass gewesen, den Erfolg von damals zu wiederholen?

Wie das Theater die Kunst des Augenblicks ist und in diesem Sinn einmalig, ist auch ein historisches Jubiläumsfest immer an seine Zeit und die Menschen, die es feiern und gestalten, gebunden und ebenfalls einmalig und nicht wiederholbar. Und irgendwann später, wie jetzt nach 25 Jahren, eine Erinnerung für diejenigen, die dabei waren - hoffentlich eine schöne Erinnerung. Der Theatermensch, der seine Arbeit getan hat, zieht weiter zum nächsten Theater- oder Jubiläumsort, ist dankbar für alles, was er erleben und neu lernen durfte und freut sich, wenn diese Arbeit noch eine kleine Weile nachwirkt. Das passierte in Weiden durch vier Opern-Projekte und einige Auftritte als Schauspieler in für mich geradezu beglückender und ebenfalls einmaliger Weise.

Noch eine Botschaft zum Abschluss?

775 Jahre Weiden: Da gratuliere ich und wünsche allen, die dort leben, dort Verantwortung tragen, besonders aber den Stadtschauspielern, von Herzen Glück und alles Gute.
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