2500 Klagen im letzten Jahr
„Beim Arbeitsgericht geht was“

Über 20 Jahre sind sie ehrenamtliche Richter: Direktor Ulrich Uhlemann (von links) ehrt Werner Hellmich, Alois Gammer, Hans Meier, Josef Utz und Helmut Wendl. Bild: Götz

"Jedes Ehrenamt gibt einem wieder etwas zurück", sagt Siegbert Brüderer, Personalchef bei Seltmann und ehrenamtlicher Arbeitsrichter. "Man darf es nur nicht als Belastung, sondern als Ausgleich sehen." Und Kollege Josef Bock, ehrenamtlicher Richter von der Arbeitnehmerseite, fühlt sich auch noch richtig wohl am Arbeitsgericht Weiden: "Wir haben hier ein sehr offenes Klima. Richter von oben herab - das gibt es in Weiden nicht."

Sie ernten am Donnerstag den Applaus ihrer ehrenamtlichen Kollegen: Aus Cham und Schwandorf, aus Tirschenreuth und Amberg sind sie angereist, um sich zur ersten "Vollversammlung" in der Geschichte des Arbeitsgerichtsbezirks Weiden zu treffen. Die Arbeitsrichter Ferdinand Hagelstein, Jürgen Sturm und Dietmar Striegan geben einen Überblick über arbeitsgerichtliche Verfahren und die Rolle der ehrenamtlichen Richter. Auch die Geschäftsstelle mit Geschäftsleiter Bernhard Bierner, Franziska Hösl und Hans Prem informiert. Dazu gibt's Wasser und kein Brot. "Nicht einmal Kaffee. Wir haben nämlich keine 90 Tassen", scherzt Direktor Ulrich Uhlemann, der überwältigt ist von der Resonanz: "Ich hatte einen Raum für 40 gebucht." Am Ende kamen fast 80.

Was Arbeit ist, braucht man einem Arbeitsrichter nicht zu erzählen. "Ein ewiges Massengeschäft ist das bei uns", sagt Richter Ferdinand Hagelstein. Aber derzeit rückläufig. 2013 gingen 3058 Klagen ein. 2015 waren es etwa 2500. Woran das liege, sei nicht ganz klar. "Zurzeit brummt die Wirtschaft." Betriebsbedingte Kündigungen etwa - vor 15 Jahren ein großes Thema - kämen aktuell fast nicht mehr vor. "Hoffen wir, dass das so bleibt." Noch eine interessante Zahl: 96 Prozent der Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern konnten beim Güte-, spätestens beim Kammertermin per Vergleich abgeschlossen werden. "Und eine Einigung bedeutet: Da ist Ruhe im Karton. Jeder beißt kurz in den sauren Apfel, und es ist vorbei." Die Verfahrensdauer liege in Weiden bei 2,1 Monaten. "Eine Top-Zeit."

Selbst bei Verfahren, die durch ein streitiges Urteil entschieden werden, liege man zu 66 Prozent unter 6 Monaten. Resümee Hagelstein: "Beim Arbeitsgericht geht was."
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