29. Jahrestag - Weißrusslandhilfe bittet um Spenden für Erholungskur für Kinder
Tschernobyl: Folgen bis heute

Dr. Harry Nomayo. Bild: Wilck
(ca) Die Katastrophe von Tschernobyl jährt sich am Sonntag, 26. April, zum 29. Mal. Seit 1996 engagiert sich der Verein Weißrusslandhilfe für die Bewohner der stark kontaminierten Gebiete im Süden Weißrusslands. Sie leiden noch immer gesundheitlich und psychisch unter den Folgen des Super-GAUs, sagt Vorsitzender Dr. Harry Nomayo. Dem Kinderarzt liegen besonders die Kinder am Herzen. Man schätzt, dass 70 Prozent aller weißrussischen Kinder gesundheitlich beeinträchtigt sind. Sollten genug Spenden eingehen, hat der Verein etwas Besonderes vor.

Was planen Sie denn?

Nomayo: Wir möchten für Kinder aus dem Rayon Wetka einen Ferienaufenthalt organisieren. Sie könnten für drei Wochen in das Erholungszentrum "Nadeshda" im Bezirk Wilejka, einem nicht-kontaminierten Gebiet etwa 80 Kilometer von Minsk. Falls unsere derzeit nicht sehr rosigen finanziellen Möglichkeiten durch Geldspenden gebessert werden können, sollen 10 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren aus Wetka teilnehmen.

Was bedeutet das für die Kinder?

Nomayo: Sie sollen im Zentrum medizinisch, psychologisch und pädagogisch betreut werden. Für einen Außenstehenden mögen drei Wochen Abstand vom Alltag nichts besonders sein, aber für die Kinder wäre es sehr wohl etwas besonderes. Die Erfahrungen zeigen, dass sie überglücklich sind, die Not in den verseuchten Gebieten für kurze Zeit hinter sich zu lassen. Die positiven medizinischen Folgen sind messbar.

Mit welchen Spätfolgen des radioaktiven Fallouts müssen Menschen in Belarus heute zurecht kommen?

Nomayo: Sie leiden unter Krankheiten, die mehr oder weniger durch die Strahlenbelastung der langlebigen radioaktiven Substanzen hervorgerufen werden: Schwächung des Immunsystems, Schilddrüsenerkrankungen, Blutarmut und Leukämie.

Kann dort Gemüse und Fleisch unbedenklich gegessen werden?

Nomayo: Es gibt eine staatliche Überwachung für verkaufte Lebensmittel, aber für den Anbau im eigenen Garten nur unzureichend. In den besonders betroffenen Gebieten ist meines Erachtens ein unbedenklicher Verzehr von selbst erzeugtem Gemüse und Fleisch nicht möglich.

Sie sorgen sich 1996 mit viel praktischem Sinn um Opfer der Tschernobyl-Katastrophe. Heute erschüttert das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer. Welcher Weg kann aus dieser Katastrophe führen?

Nomayo: Das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer auf der Flucht von Krieg, Chaos und Elend in ihren Heimatländern ist herzzerreißend und beschämend für die ganze Welt, nicht nur die EU. Es gibt wohl keinen einzigen goldenen Weg aus dieser Katastrophe. Zunächst dringend sind sowohl Rettungseinsätze der EU und der internationalen Gemeinschaft. Aber auch eine geregelte europäische Einwanderungspolitik, die Menschen davon abbringen kann, die tödlichen Risiken einer Mittelmeerüberquerung mit untauglichen Booten auf sich zu nehmen.
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