34-Jähriger wegen Totschlags an Nachbarsbuben vor der Strafkammer des Landgerichts Weiden
Stiller Tod mit neun Jahren

(Foto: gsb)
 
Tatort Wohnung: Maximilian K. lebte mit seiner Mutter Tür an Tür mit Oliver H. und dessen Sohn im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses für Alleinerziehende. Schon in den acht Wochen vor seinem Tod soll der Angeklagte unbarmherzige Erziehungsmethoden angewandt haben. Am Abend des 4. August 2014 eskalierte die Situation. Der 34-Jährige soll den Buben im Bad derart verprügelt haben, dass er in der Nacht verstarb. Am Morgen wurde der Neunjährige tot auf der Couch gefunden. Bild: dob

Als Maximilian K. im Alter von neun Jahren starb, war das in der Zeitung nicht einmal eine Notiz. Zwar war eine Berichterstatterin am Vormittag des 5. August 2014 zum Notfalleinsatz mit Hubschrauberlandung in die Vohenstraußer Stadtmitte gefahren. Aber sie zog sich auf Bitten der Helfer zurück. Ein totes Kind, ein Unglücksfall, tragisch genug. So hieß es damals.

Weiden/Vohenstrauß. Es ist der Weidener Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft zu verdanken, dass jetzt, über zwei Jahre später, ein Mann vor der Strafkammer des Landgerichts Weiden steht, der womöglich für den Tod des Buben verantwortlich ist. Am Dienstag, 11. Oktober, 9 Uhr beginnt der Prozess gegen Oliver H. (34). Er war der Nachbar des Jungen, ein Frührentner und ebenfalls alleinerziehender Elternteil eines etwa gleichaltrigen Kindes. Maximilian und seine Mutter wohnten nebenan im Appartementhaus für Alleinerziehende, das der Evangelische Hilfsverein unter besten Absichten 2014 eröffnet hatte.

Mutter auf Kur


Im Frühjahr waren sie alle eingezogen. Der Angeklagte, der aus Ostdeutschland stammt, und die Mutter des Opfers, eine Oberbayerin, kannten sich schon länger. Als die chronisch kranke 32-Jährige im Juni 2014 zu einer zweimonatigen Kur aufbrach, lag es offenbar nahe, den Sohn dem Nachbarn anzuvertrauen. Diese acht Wochen waren, so die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft, bereits die Hölle für den Neunjährigen.

Der 34-Jährige soll die Abwesenheit der Mutter genutzt haben, auf eigene Faust seine Erziehungsmethoden durchzusetzen. Laut Staatsanwalt gab er dem Jungen die Medikamente nicht mehr, die dieser aufgrund von Entwicklungsstörungen einnehmen sollte. Stattdessen wurden Sanktionen nach Plan eingeführt. In der achtwöchigen Abwesenheit der Mutter habe der Förderschüler oft und lange in der Ecke stehen und umfangreiche Strafarbeiten schreiben müssen. Ihm sei Essen verweigert worden. Fortwährend soll es Schläge gesetzt haben.

In diesen acht Wochen, so haben die Ermittlungen ergeben, veränderte sich das Kind völlig, sei verängstigt und gramgebeugt durch die Tage geschlichen. Als die Mutter zurückkehrte, habe der Angeklagte versucht, sein Fehlverhalten zu vertuschen. Am Abend seiner Todesnacht war Maxi K. von Oliver H. laut Anklage wieder zu seitenweisem Abschreiben gezwungen und dazu ins fensterlose Bad geschickt worden. Auf die Türklinke soll der Mann ein Glas gestellt haben, um die Flucht zu verhindern.

An diesem Abend soll es daraufhin zum Streit mit der Kindsmutter gekommen sein, der er den Zutritt zum Bad verwehrte. Im Streit soll Oliver H. der 32-Jährigen eine Pfanne auf den Kopf geschlagen haben. Folge des Angriffs auf die Mutter war laut Ermittlungsergebnis, dass das Kind das Bad verlassen wollte. Als das Glas fiel und zerbrach, soll der Angeklagte den Buben im Bad so verprügelt haben, dass sich das Kind später erbrach und über Kopfschmerzen klagte. Maximilian K. verbrachte seine letzte Nacht auf der Couch in der Wohnung des Angeklagten, wo er am Morgen leblos gefunden wurde. Er starb acht Tage nach seinem 9. Geburtstag.

Hinweis: Mord möglich


Die Anklage lautet auf Totschlag, Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährliche Körperverletzung. Die Strafkammer unter Vorsitz von Walter Leupold hat den Hinweis erteilt, dass für sie auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommt. Es sind neun Verhandlungstage angesetzt und rund 50 Zeugen geladen, darunter auch mehrere Kinder, außerdem Erzieher, Lehrer, ein Rektor und ein Pfarrer, Verwandte, Polizisten, Kriminalbeamte, Ärzte und mehrere Rechtsmediziner. Die Obduktion im rechtsmedizinischen Institut in Erlangen hatte eine Hirnblutung aufgrund der Schädelverletzungen ergeben.
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