40-Jähriger erfindet Straftaten und täuscht Unfall vor
Erpresser muss in Haft

Ein 40-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth muss ins Gefängnis, weil er Straftaten erfunden hat. Außerdem wollte er in Wiesau von Eltern eines jungen Autofahrers Schmerzensgeld erpressen. Gegen den Angeklagten standen noch zwei Bewährungsstrafen offen.

Weiden/Wiesau. Schon vor dem Amtsgericht Tirschenreuth war der Frührentner verurteilt worden: zu neun Monaten Haft ohne Bewährung wegen versuchter Erpressung, Vortäuschens einer Straftat, Bedrohung, Beleidigung und versuchter Sachbeschädigung. Dagegen legte der seit wenigen Tagen verheiratete Mann Berufung ein, die jetzt vor Landgerichtsvizepräsident Georg Grüner verhandelt wurde. Zwar kam der 40-Jährige drei Monate günstiger davon. "Einrücken" muss er trotzdem.

Im November 2014 hatte der Mann vom Wiesauer Bahnhof aus die Polizei benachrichtigt. Er habe jemanden zusammengeschlagen. Grund für die unwahre Selbstbeschuldigung war, dass er mit dem Eintreffen der Polizei seine Freundin an einer Drogenbeschaffungsfahrt nach Tschechien hindern wollte. Dies gelang ihm zwar, brachte ihm jedoch die Anklage ein. Die damalige Freundin ist übrigens jetzt seine Frau.

Fünf Wochen später lief der Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth schwer angetrunken gegen Mitternacht einem Auto hinterher, das auf glatter Straße in Wiesau ins Schleudern geraten war. Er trat gegen den hinteren Kotflügel und schlug auf die Windschutzscheibe. Da sich der junge Fahrer vor Angst nicht auszusteigen traute und davon fuhr, begab sich der Betrunkene zusammen mit einem Kumpan zu den Eltern des Mannes. Er sei von ihrem Sohn angefahren worden. Man könne die Sache mit der Zahlung eines Schmerzensgeldes jedoch ohne Polizei regeln.

Als die Eltern dies ablehnten und die Polizei riefen, drohte ihnen der Wüterich mit "Erschießen" und "Abstechen". Auch die Polizeibeamten beleidigte er ("Tirschenreuther Deppen"). In der Berufungsverhandlung forderte der gelernte Metallarbeiter über Verteidiger Ulrich Sanner, sämtliche 13 Zeugen abermals zu vernehmen und außerdem ein Sachverständigengutachten über seine "erheblich eingeschränkte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt" einzuholen.

Richter Grüner machte ihm die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens klar. In der ersten Instanz habe er gestanden. Und die eingeschränkte Schuldfähigkeit habe der erste Richter zu seinen Gunsten bereits unterstellt. "Wozu also diese Veranstaltung?" Die Verurteilung wegen der versuchten Sachbeschädigung am Pkw wurde mit Einverständnis von Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl eingestellt. Für die übrigen Straftaten kam Grüner auf sechs Monate. Zugute gehalten wurde dem Erwerbsunfähigen, dass er Reue zeige sowie seine erheblichen Gesundheitsprobleme.
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