44-Jährige aus dem Landkreis Neustadt/WN gesteht Betrug von 1633 Geldgebern um über 100000 Euro
Spenden-Betrügerin droht Haft

ARCHIV - Eine Statue der Justitia hält am 09.09.2014 in Bamberg (Bayern) eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa (zu dpa "Fall Böhmermann: Merkel gibt Antrag Ankaras statt - Paragraf soll weg" vom 15.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Selten: Eine Ärztin der Rechtsmedizin misst den Blutdruck der Angeklagten (44), ehe die Verhandlung beginnt. Die Werte sind hoch. Und das ist auch kein Wunder: Die ehemalige Geschäftsführerin eines Callcenters wird aller Voraussicht nach in Haft gehen.

Sie ist geständig. Per Verteidigererklärung räumte sie am Freitag alle Anklagepunkte ein. Sprich: Sie hat Spenden in Höhe von fast 110 000 Euro selbst eingestrichen. Betrug in 1633 Fällen. Nach einem Verständigungsgespräch stellte die 1. große Strafkammer unter Vorsitz von Walter Leupold eine Freiheitsstrafe zwischen 3,5 und 4,5 Jahren in Aussicht. In dieser Höhe ist keine Bewährung möglich.

Der Prozessauftakt am Mittwoch war geplatzt, weil die 44-Jährige überraschend erkrankt war. Am Donnerstag wurde sie aus der Klinik entlassen. Dennoch wackelte auch die Verhandlung am Freitag, weil noch ein Hausarzttermin ausstand. Die Angeklagte kam in letzter Minute.

1633 Spender betrogen


Oberstaatsanwalt Rainer Lehner verlas die Anklage, die vollumfänglich gestanden wurde. Die 44-Jährige hat 1633 Spender betrogen. Weder wurde der caritative Zweck erfüllt, noch die versprochene Werbewirksamkeit. Die Angeklagte habe sich eine "regelmäßige Einnahmequelle verschafft". Die Geldgeber spendeten für drei Aktionen: "Trostbären", ein fränkisches Frauenhaus und eine "Weihnachtsaktion" für bedürftige Kinder in Weiden und im Landkreis, die sich die 44-Jährige selbst ausgedacht hatte.

Die Angeklagte betrieb im Tatzeitraum (September 2014 bis April 2016) ein Callcenter mit etwa zehn Agentinnen, meist auf geringfügiger Basis. Diese warben gutgläubig am Telefon bei Gewerbetreibenden um Sponsorengelder für "Trostbären" zu je 15 Euro. Diese Kuscheltiere für Rettungsdienste und Kinderkrankenhäuser sollten über einen Verein finanziert werden, dessen zweite Vorsitzende aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach kommt. Ihr Mann, Betreiber einer Fundraising-Agentur, ist nächste Woche als Zeuge geladen.

Er hatte die Angeklagte mit der Akquise von Sponsoren beauftragt. Sie bekam Provision, die ihr irgendwann nicht mehr reichte: Die 44-Jährige schrieb Rechnungen mit ihrer eigenen Kontonummer darunter. Auf ihr Konto flossen 68 000 Euro, die 930 Spender eigentlich für Teddys gaben. "Sie behielt das Geld komplett ein", so der Staatsanwalt. "Trösterbären wurden nicht erworben."

Mit Kindern geworben


Großzügig waren die Oberpfälzer auch bei der "Weihnachtsaktion". Dabei wurden in der Vorweihnachtszeit 2014 und 2015 Gewerbetreibende im Großraum Weiden angerufen. Am Telefon warben die Agentinnen mit caritativen Einrichtungen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN, die es tatsächlich gibt. Die Spenden kämen Kindern zugute - ein Umstand, der in der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs als strafverschärfend gelten kann, worauf Richter Markus Fillinger hinwies. Problematisch sei zudem, dass die missbrauchten Institutionen künftig Schwierigkeiten haben können, ihrerseits Spenden einzuwerben.

Im Juli 2015 wurde ein Insolvenzverfahren gegen ihre GmbH eröffnet. Schon ab Januar 2015 hatte die Angeklagte eine Einzelfirma bei der Stadt Weiden angemeldet, die mit den gleichen Mitarbeitern weiterarbeitete. Verteidiger Dominic Kriegel warf in die Waagschale, dass seine Mandantin "von den Verhältnissen überrollt" worden sei. Sie habe versucht, "Löcher in der Finanzdecke ihrer Firma immer wieder zu decken". Das Gericht merkte dazu an, dass "nicht erkennbar ist, für welche dieser Löcher das erzielte Geld verwendet worden ist". Auch Beiträge wurden nicht abgeführt. Dafür ist die 44-Jährige im November schon vom Amtsgericht Regensburg verurteilt worden. Das Urteil fließt in die Strafe ein.

Zeugen sind für Montag und Dienstag, 22. und 23. Mai, geladen, Beginn jeweils 9 Uhr. Mit einem Urteil wird am 30. Mai gerechnet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.