70 Jahre "Der neue Tag": Chefredakteur Norbert Gottlöber über die Oberpfalz
"Neuer Tag", neue Heimat

Ein Espresso in der guten Stube: Chefredakteur Norbert Gottlöber hat die Altstädte von Weiden und Amberg lieben gelernt. Der gebürtige Westfale, der viele Jahre in Oberbayern lebte, geht gerne auf Entdeckungstour durch die Oberpfalz. Bild: Götz

Das Wichtigste hat Norbert Gottlöber schnell verinnerlicht: Knappe Antworten zu bekommen, ist in der Oberpfalz kein Akt der Unhöflichkeit. Der Chefredakteur unserer Zeitung, der aus München hierher kam, hat den besonderen Charme der Region schätzen gelernt, wie er im Interview schildert.

N icht jeder kommt zurecht mit der oft angeführten verschlossenen Herzlichkeit der Oberpfälzer. Wie ist es Ihnen ergangen?

Norbert Gottlöber: Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Ich möchte von meinem ersten Erlebnis mit einem Oberpfälzer erzählen: Als ich nach Weiden umgezogen bin, stand ich vor einem Möbelgeschäft und brauchte dringend ein Bett. Ich habe die Größe der Matratze unterschätzt. Jetzt stand ich auf dem Parkplatz, brachte das Bettgestell ins Auto, aber die Matratze nicht. Bis nach Weiden waren es noch 60 Kilometer. Dann habe ich jemanden gesehen, der mit einem riesigen Anhänger und NEW-Kennzeichen neben meinem Auto stand. Den Mann habe ich einfach angesprochen - ein Schreiner aus Neustadt/WN. Er musste erst noch nach Regensburg, aber er hat meine Matratze aufgeladen. Nachts um halb zwölf - ich hatte gerade mein Bett zusammengebaut - klingelte es bei mir, und vor der Tür stand der Neustädter und sagte: "Hier ist der Matratzen-Lieferservice." Der gute Mann hat mit mir die Matratze auch noch bis in die Wohnung raufgeschleppt, und mehr als ein Dankeschön wollte er dafür nicht haben. So sind die Oberpfälzer. Letztlich kommt es darauf an, wie man die Menschen anspricht. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.

Wenn man die Menschen denn versteht ...

Alle haben mich vor dem Oberpfälzer Dialekt gewarnt. Auch da war der Schritt von Westfalen nach Oberbayern größer. An den Klang des Oberpfälzer Dialekts muss man sich ein wenig gewöhnen, ich habe aber nie Probleme gehabt, ihn zu verstehen. Mit einer Ausnahme: Bei einem Fußballspiel bin ich mit einem Oberpfälzer ins Gespräch gekommen, der einen oder zwei Zoigl zu viel hatte. Dialekt und Zoigl - diese Kombination wäre nur noch mit Untertiteln gegangen. Mein Traum wäre übrigens von der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" das "Hou, hou - hou, hou - die Oberpfalz woar dou" als Klingelton auf dem Handy.

Sie haben natürlich auch schon Zoigl-Erfahrung gesammelt ...

Ich bin viel unterwegs, gehe essen, mache Ausflüge, um Land und Leute besser kennenzulernen. Es passiert mir immer wieder, dass ich in einem Lokal stehe und jemand vorbeikommt und einfach "Grüß Gott" oder "Servus" sagt. Ich als gebürtiger Westfale finde die Westfalen komplizierter als die Oberpfälzer. Dort sagt man: Man muss mit dem Westfalen einen Sack Salz gegessen haben, um mit ihm auszukommen. Das heißt im Klartext, eine Flasche Schnaps getrunken zu haben. Da mir Schnaps nicht so liegt, komme ich mit den Westfalen gar nicht so gut aus. (lacht)

Sie kennen Bayern von außen und Bayern aus der Sicht der Landeshauptstadt. Nun kam die Oberpfälzer Perspektive dazu. Was ist hier anders?

Vieles ist familiärer. Vieles ist persönlicher. Vieles ist nicht so abgehoben. Das kommt mir sehr entgegen, und ich fühle mich hier sehr wohl. Auch die Landschaft ist anders als in Oberbayern. Ich habe vorher nie gewusst, wie attraktiv die Oberpfalz ist. Das habe ich erst hier kennen- und schätzen gelernt. Ich bin immer wieder erstaunt, auf welche zauberhaften Orte und Fleckchen, in welche Natur man kommt.

Wie zum Beispiel ...?

Ich habe begonnen, mir den Goldsteig anzuschauen. Ich war im Naabtal radeln und spazieren. Ich finde auch die Städte in unserem Verbreitungsgebiet ganz zauberhaft. Ich lebe gerne in Weiden und fühle mich hier wohl. Ich finde Amberg eine ungeheuer tolle Stadt mit einer wahnsinnig schönen Altstadt. Aber da sind noch viele andere Städte, beispielsweise Nabburg, wie es so thront. Auch Parkstein ist toll. Aber wenn ich hier jetzt eine Ortschaft nicht nenne, tue ich anderen fast Unrecht.

Die anfänglichen Wochenend-Besuche in München haben bald nachgelassen ...

Meine Partnerin und ich fühlen uns in Weiden einfach sehr wohl, wir sind gerne in Weiden. Das liegt wohl auch daran, dass man die Hektik der Großstadt nicht immer braucht. Wir gehen wahnsinnig gerne am Samstag über den Wochenmarkt, setzen uns in ein Café und trinken einen Espresso. Man trifft immer irgendjemanden. Es ist für mich in den letzten zweieinhalb Jahren ein Stück Zuhause geworden.

Was wollen Sie als nächstes in der Oberpfalz entdecken?

Was mich reizen würde, wäre eine Stadtführung durch Amberg, um mir die Stadt noch mal von einer anderen Seite erklären zu lassen. Ich bin im ersten Jahr in jeder freien Minute in unserem Verbreitungsgebiet unterwegs gewesen und habe versucht, Eindrücke zu gewinnen und das Lebensgefühl der Menschen hier aufzusaugen. Ich möchte wahnsinnig gerne mit Skiern den Monte Kaolino runterfahren. Oft, wenn ich in der Redaktionskonferenz sitze, höre ich ein Stichwort und sage mir: "Da musst du auch noch hin!"
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