Ab Mittwoch steht ungarisches Ehepaar wegen Schleusung vor Gericht
Firma namens "Siebenmeilenstiefel GbR" transportiert Flüchtlinge

Siebenmeilenstiefel GbR. Diesen Namen gab ein ungarisches Ehepaar seiner Firma. Zweck des Unternehmens: der Personentransport von Deutschland und Ungarn und umgekehrt. Als das Geschäft nicht lief, sollen die beiden Ungarn auf den einsetzenden Flüchtlingsstrom aufgesprungen sein. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft dem Paar die Schleusung von 110 Flüchtlingen vor, großteils Afghanen und Syrer.

Ab Mittwoch, 13. April, müssen sich der Ungar (41) und seine Frau (29) vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Weiden verantworten. Staatsanwalt Christian Härtl erläuterte die Vorgehensweise des Paares, das seinen Wohnsitz zuletzt in einer 5000-Einwohner-Stadt im hessischen Odenwald hatte. Demnach suchten die Angeklagten über Internetinserate - meist per Facebook - nach Fahrern. Per Internetchat wurden Interessierte angeschrieben und nach Hessen zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Im Bewerbungsgespräch wurde eine Festanstellung plus Dienstwohnung in Aussicht gestellt - und außerdem eine Testfahrt vereinbart. Diese Probefahrten wurden laut Staatsanwalt bereits zur Schleusung benutzt. Benutzt wurden ganz normale Pkw: Suzuki Swift, Mercedes Benz, Opel Astra.

Staatsanwalt Härtl macht das Paar für mindestens 30 Schleusungsfahrten von Januar bis Juni 2015 verantwortlich. 17 verschiedene Fahrer, alle aus Ungarn, saßen am Steuer. Die Routen waren ebenfalls äußerst unterschiedlich. Mindestens acht Mal rasselten die Fahrer in Kontrollen, allerdings auch das wieder auf unterschiedlichen Autobahnen. Die Fahrten führten zumeist über die A 6 bei Waidhaus, aber auch über die A 3 bei Passau, A 17 bei Pirna, A 4 und A 10 in Österreich. Das ungarische Paar im Odenwald wurde schließlich als Drahtzieher ermittelt. Im August 2015 klickten die Handschellen.

Ein afrikanischer Komplize soll den angeworbenen Fahrern die Passagiere in Budapest ins Auto gesetzt haben. Dabei wurde bar kassiert, zumeist 600 Euro pro Auto. Einen Teil überwiesen die Fahrer per "Western Union" an das Paar im Odenwald, soweit die Anklage. Alles in allem kommen durch die angeklagten Fahrten Einnahmen in Höhe von rund 16 000 Euro zusammen.

Bei den geschleusten Insassen handelt es sich zum Großteil um junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren. In einem Ford Transit beispielsweise saßen im Januar acht Afghanen im Alter von 15, 16, 17, 18 und 19 Jahren. Dieser Wagen wurde auf der A 1 bei Thalgau gestoppt. Ein Fahrer ging der Polizei gleich zwei Mal ins Netz: Er beteuerte bei seiner Festnahme, nichts Unerlaubtes zu tun. Das Ehepaar ließ vor der Fahrt einen "Personenbeförderungsvertrag" unterzeichnen, der dem Unternehmen einen seriösen Anstrich gab. Der jüngste Passagier war ein zehn Monate alter Bub, der mit seinen syrischen Eltern unterwegs war. Der älteste geschleuste Flüchtling war ein 65-jähriger Afghane. Außer Afghanistan und Syrien sind als Herkunftsländer der Fahrgäste Bangladesch, Irak, Marokko und Nigeria bekannt.

Das Verfahren beginnt am Mittwoch um 9 Uhr. 17 Verhandlungstage sind angesetzt. Die Verteidigung haben der Berliner Anwalt Jörg-Andre Harnisch und der Weidener Franz Schlama übernommen.
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