Ärger: Ablöse weit unter Wert
SpVGG SV fordert mehr Geld für altes Sportheim

Keine Schönheit, aber funktional und ausgerichtet an den Bedürfnisse der Sportler und Gäste. 100 000 Euro als Ablöse für das SV Sportheim Stockerhut erscheint den Altmitgliedern viel zu wenig. Bild: Götz

Die Idee hat durchaus etwas Faszinierendes. Die Realschulen neu bauen - hinaus in den Stadtteil Stockerhut, aufs Areal der SpVgg SV. Auch neue Wohnbebauung wäre möglich. Doch beides geht nicht zu den Bedingungen, die bisher die Stadt Weiden nennt.

Nicht nur für die Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsausschusses des Vereins war es geradezu ein Schock, als in den Unterlagen der Stadt nur eine Ablöse von 100 000 Euro für das Sportheim auftauchte. Die Weidener, die seit Jahrzehnten der Spielvereinigung bzw. dem SV verbunden sind, hatten erst im Sommer 2012 stattliche Gelder aus ihrer Privatschatulle aufgebracht, um die Fusion zu ermöglichen. Aufnehmender Verein war übrigens der SV Detag.

Uralte Rechte berührt


"Wir können die Stadt nicht begreifen. Offenbar ist man dort überhaupt nicht informiert", entrüstet sich ein Sprecher der Gruppe, der ungenannt bleiben will. Will die Stadt auf Sportflächen des Vereins zugreifen, müsse sie nicht nur das Sportheim ablösen, sondern auch uralte Rechte, die bis ins Jahr 1953 zurückreichen. Andere gelten bis zum Dezember 2041.

Das Haus sei sicherlich nicht mehr neu. Aber es gebe keinen großen Sanierungsstau. Es erfülle alle Anforderungen: Gaststätte, Saal, Umkleiden, Duschen, Aufenthaltsräume, Küche und Kegelbahn. Könnte eine 100 000-Euro-Hütte all das vorweisen? Die reelle Ablöse dürfte wohl bei über 400 000 Euro liegen.

Nach dem Krieg erhielt der einstige Arbeitersportverein 1903 als Entschädigung für seine von den Nazis eingezogenen Liegenschaften von der Stadt 22 800 Quadratmeter zur dauernden sportlichen Nutzung. Mit der finanziellen Entschädigung von 2500 Mark erwarb der SV die nach Süden anschließenden 3604 Quadratmeter, auf denen das Sportheim entstand. Im Jahr 2001 half die Stadt dem SV über einen finanziellen Engpass hinweg, indem sie diese Fläche erwarb und zugleich dem Verein ein Erbbaurecht bis 2041 einräumte.

Werde das Erbbaurecht nicht mehr verlängert, müsse die Stadt das Sportheim zu "zwei Dritteln des gemeinen Wertes" erwerben, heißt es im Vertrag. Im beiderseitigen Einvernehmen könne das Erbbaurecht auch früher aufgelöst werden. Allerdings dürfe die Stadt nicht ohne Gegenleistung das sportliche Nutzungsrecht auf dem 22 800 Quadratmeter messenden Sportplatz einziehen. "Schon 1954 wurde hier ein Quadratmeterpreis von 60 Mark angesetzt", erinnern die Finanzexperten. Wer das verbriefte sportliche Nutzungsrecht des Vereins im der Stockerhut beenden wolle, müsse für Flächenersatz sorgen.

Die großen Grundstücke seien nicht nur als neuer Realschul-Standort für die Stadt interessant, sondern auch für eine intensivere Wohnbebauung. In Weiden fehle Bauland. Die Flächen des Vereins gebe es aber nicht zum Nulltarif. Schließlich mache die Stadt mit der Bebauung des SpVgg-SV-Sportplatzes auf jeden Fall ein Millionen-Geschäft. Ein Deal sei erst dann gut, wenn alle Beteiligten profitierten, meint der Senior.

Hilfe beim Neubau


Dabei fühlen sich die Granden des Vereins keineswegs im Stadtteil Stockerhut "festgetackert". Von dort kommen inzwischen nur noch wenige Mitglieder. Wenn die Bedingungen stimmen, würden sie sogar dafür votieren, das Feld zu räumen. Bedingung bleibt, dass die Stadt dem Verein ein neues Areal anbietet und auch beim Bau eines Sportparks hilft.In privaten Gesprächen mit Vertretern der Stadt ist zwischen Wasserwerk und Ostmarkstraße ein nahezu perfektes Grundstück gefunden worden, hochwasserfrei und bereits im Besitz der Stadt. Die Fläche liegt in nordöstlicher Verlängerung des Wasserwerks. "Besser geht's nicht." In den Zirkeln des Vereins sind bereits Pläne einzusehen. Die Vorschläge, wo Funktionsgebäude, A- und B-Platz sowie das Kleinfeld liegen sollen, werden heiß diskutiert.

"100 000 Euro sind nur eine Hausnummer"Verwundert reagiert die Stadtverwaltung auf die Verärgerung und die Forderungen aus dem "Seniorenkreis" der SpVgg SV. "Diese 100 000 Euro sind nur eine Hausnummer", versichert Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm.

Sie diente lediglich dazu, bei der Abwägung über das weitere Vorgehen bei den Realschulen (Sanierung oder Neubau und dann wo) deutlich zu machen, dass die Vereinsfläche im Stockerhut nicht umsonst genutzt werden könne.

"Es gibt noch keine politische Willensbildung. Die Kämmerei war bisher außen vor", betonte Stadtkämmerin Cornelia Taubmann gegenüber dem NT. Das Sportheim sei von der Liegenschaftsabteilung nicht begutachtet worden. "Wir haben noch nichts gerechnet." Entscheidend sei die Einschätzung des Immobilienpreises durch den Gutachterausschuss. Der Dreh- und Angelpunkt sei die Entscheidung über die Zukunft der Realschulen. "Dann wird sich das Thema von selbst forcieren." (wd)
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