Ärger um neue Öffnungszeiten der Weidener Thermenwelt
Frühschwimmer verärgert

(Foto: htl)
 
Ab 1. Dezember gilt: Von 10 bis 10.

Helga Reiß wohnt in der Lessingstraße. Nicht ohne Grund. So hat sie nur wenige Minuten zur Thermenwelt. Als begeisterte Schwimmerin geht sie (fast) täglich hin und trifft dort ihre "Zweitfamilie". Um 9 Uhr. Diese Gemeinschaft sieht die 69-Jährige nun bedroht. Durch neue Öffnungszeiten.

Ab Donnerstag, 1. Dezember, wird die Weidener Thermenwelt erst ab 10 Uhr ihre Pforten öffnen. Und damit eine ganze Reihe von Stammkunden verlieren. Davon ist Helga Reiß jedenfalls überzeugt. Sie hat bei den anderen frühen Besuchern der Thermenwelt bisher nur negative Reaktionen erlebt. Und auch ihr geht die nach hinten verschobene Öffnungszeit gewaltig gegen den Strich. "Das trifft vor allem Menschen mit Handicap und Senioren. Denn für die ist von 9 bis 11 Uhr die ideale Zeit. Viele der Frauen sollen außerdem um 12 Uhr das Mittagessen auf den Tisch bringen", weiß Helga Reiß. "Wenn sie erst um 10 Uhr schwimmen gehen, ist das nicht zu schaffen." Ebenfalls betroffen seien junge Mütter. Die müssten oft um 11.30 Uhr die Kleinen aus der Kita holen. Und: "Zwischen 9 und 12 Uhr gibt es oft zwei Schichten", hat die 69-Jährige festgestellt. "Zum Beispiel um 9 Uhr die Aquajogger und um halb elf die Rückenschwimmer. Die kommen sich so nicht in die Quere."

Sieben Monate lang war Helga Reiß heuer durch Brustkrebs außer Gefecht gesetzt, durfte nicht schwimmen. Eine schlimme Zeit für sie, nicht nur wegen der Erkrankung. "Schwimmen ist mein einziges Hobby. Das mache ich seit 40 Jahren jeden Morgen." Seit 1989, ihrem Umzug nach Weiden, zunächst im Schätzlerbad. Dort gehörte sie zu den "Morgenschwimmern". Sie hatten protestiert, als die Öffnungszeit von 8 auf 9 Uhr verschoben werden sollte. Vergeblich. "Die Gemeinschaft wurde zerstört."

Angst um die Gemeinschaft


Helga Reiß wechselte in die WTW, fand dort eine neue Gemeinschaft. Seit 5. November darf sie wieder ins Wasser und wurde von ihrer "Zweitfamilie" in der Thermenwelt herzlich willkommen geheißen. Jetzt hat sie Angst, dass diese Gemeinschaft wieder zerstört wird. Und sie führt noch einen Grund für die frühen Öffnungszeiten ins Feld: "10 Uhr ist für mich zu spät. Ich schwimme immer im Außenbecken, sommers wie winters. Aber weil ich schon einmal Hautkrebs hatte, steht die Sonne da für mich schon zu hoch."

Ein Ehepaar aus Trausnitz habe ihr gesagt, es würde dann eben nach Regensburg ins Westbad fahren. Dort sei ab 9 Uhr geöffnet. Manche Frühschwimmer könnten gar nicht mehr kommen. "Öffnungszeiten von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends sind vielleicht in München oder Stuttgart gefragt, bei uns sind die Bedürfnisse anders", ist Reiß überzeugt. Selbst ein Mitarbeiter der WTW habe ihr gesagt, er rechne bei späterer Öffnung mit weniger Publikum und befürchte deshalb auf lange Sicht noch größere Probleme für die WTW.

Schützenhilfe erhält die 69-Jährige von dem Weidener Kurt Zienert. "Wir sind halt Rentner und gehen gerne in der Früh schwimmen", ärgert er sich über die spätere Öffnung. Ihm als jahrelangem Thermenbesucher, der täglich ins Wasser steigt, stößt das sauer auf. "Amberg öffnet um 9, manchmal sogar um 8 Uhr." In der WTW dagegen befürchtet er starkes Gedränge, wenn Schulen und Wasserballer auch noch zu ihrem Recht kommen wollen. Helga Reiß' Prognose fällt noch düsterer aus: "Die Thermenwelt wird den Bach runtergehen, wenn das Volk nicht beachtet wird." (Reaktionen)

ReaktionenStadtwerke: Eine Frage des Geldes

Sie kann die Argumente von Helga Reiß und den anderen Frühschwimmern durchaus verstehen, sagt Christine Melischko. Doch leider seien die Wünsche der Bürger nicht einheitlich. "Wir haben auch Beschwerden von Saunagästen, die erst um 19 Uhr kommen können und zum Abschluss der drei Stunden gerne noch ins Bad gehen würden, aber das schließt sonntags schon früher", erklärt die stellvertretende Leiterin der Stadtwerke. "Welche Gruppe größer ist, kann ich nicht sagen."

Aufgabe der Stadtwerke sei es, die Wirtschaftlichkeit der WTW zu verbessern. "Bisher zahlen wir für jeden Besucher 6,50 Euro drauf." Deshalb sei ein Beratungsunternehmen aus Nürnberg eingeschaltet worden. "Ein großer Ansatzpunkt waren die Öffnungszeiten. Empfohlen werden täglich gleiche Zeiten, wie eben von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends." Diese Änderung habe der Verwaltungsrat beschlossen. Unterm Strich wäre die Thermenwelt dadurch pro Woche sogar eine Stunde länger offen als vorher. Vereine und Schulen sollen möglichst außerhalb der Öffnungszeiten in die WTW. "Die haben eigene Aufsichtskräfte." Dadurch fielen für das WTW-Personal weniger Stunden an. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betont: "Der Verwaltungsrat hat die neuen Öffnungszeiten einstimmig beschlossen, damit der Bürger sich auskennt." Christine Melischko gesteht allerdings zu: "Wenn wir merken, das passt nicht, müssen wir wieder an der Stellschraube drehen."
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