Ärzte beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Thema Zecken
"Der Zeck" lässt Leitungen glühen

Wenn es draußen warm ist, kommen die Zecken. Bei Temperaturen über 8 Grad werden sie aktiv. Das Synlab-Labor in Weiden untersucht diese winzigen Spinnentiere auf Erreger. Bild: Götz

"Das Interesse der Leser ist enorm", stellen die Amberger Ärzte Dr. Frank Huber und Dr. Thorsten Heider bei der Telefonsprechstunde über Zecken fest. "Puh. Das sind viel mehr Anrufer, als ich erwartet habe", bestätigt Dr. Michael Angerer vom Klinikum Weiden. Da klingelt es auch schon wieder.

Die Zecke treibt die Menschen in der Oberpfalz um. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Telefonaktion unserer Zeitung laufen die ersten Anrufe bei den drei Ärzten ein. "Viele Anrufer, die nicht durchgekommen sind, haben es bis zu zwanzig Mal versucht", erzählen der Chefarzt der Neurologie am Amberger Klinikum St. Marien, Dr. Huber, und sein Oberarzt Dr. Heider. Jedes Gespräch dauerte im Schnitt fünf Minuten. Knapp neunzig Personen aus der ganzen Nordoberpfalz konnten die Ärzte zusammen mit Dr. Michael Angerer, Chefarzt der Neurologischen Klinik in Weiden, beraten.

Die beiden Neurologen aus Amberg wissen bereits von dem hohen Beratungsbedarf beim Thema Zecken. Ihr Vortrag "Von Zecken übertragene Erkrankungen: Mythos und Wirklichkeit" im Klinikum St. Marien stieß auf sehr viel Resonanz. Deshalb hatten die Ärzte die Idee, eine Telefonsprechstunde in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung anzubieten. Damit konnten sie viel erreichen. "Danke, Sie haben mich sehr beruhigt", "Wirklich, Herr Doktor, das wusste ich gar nicht" oder "Gut, dann zeige ich den Zeckenstich doch mal meinem Arzt", war nach jedem Gespräch zu hören.



Meine Kinder sind im Wald-Kindergarten und bringen oft Zecken mit nach Hause. Was kann ich tun?

Dr. Frank Huber: Es gibt einige Schutzmaßnahmen, die Sie treffen sollten, wenn ihre Kinder oft draußen unterwegs sind: Lange Hosen und möglichst geschlossene Kleidung tragen, am besten hohe Schuhe oder Stiefel anziehen. Helle Kleidung soll helfen. Auch Repellentien, also Insekten abweisende Mittel aus der Apotheke, gibt es. Das alles ist aber kein hundertprozentiger Schutz gegen Zecken. Deshalb ist es am wichtigsten, sich selbst - und Ihre Kinder - nach jedem Aufenthalt draußen gründlich abzusuchen und die Kleidung anschließend heiß zu waschen. Finden Sie eine Zecke, sollten Sie diese so schnell wie möglich entfernen und die Wunde anschließend desinfizieren.

Ist es gut, mit meinen Kindern ins Krankenhaus zu fahren, um ihnen die Zecke entfernen zu lassen? Ich traue mich das oft nicht, wenn die Zecke so fest sitzt. Ich habe Angst, dass der Kopf drin stecken bleibt.

Dr. Michael Angerer: Sie sollten die Zecke so schnell wie möglich aus dem Körper entfernen. Je länger die Zecke im Körper verbleibt, desto höher ist die Ansteckungsgefahr. Wenn sie nur einige Stunden im Körper steckt, ist die Wahrscheinlichkeit nicht besonders groß, dass sie Borrelien übertragen hat. Ziehen Sie die Zecke ruhig selbst heraus. Falls noch etwas übrig bleibt, ist das nicht der Kopf, sondern der Stechrüssel. Das ist aber nicht schlimm. Packen Sie die Zecke behutsam und entfernen Sie sie mit einer Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte. Sie sollten darauf achten, beim Entfernen den Körper der Zecke nicht zu quetschen, da sie so ihre Körperflüssigkeiten schneller abgibt. Früher wurde gesagt, man kann die Zecke schneller mit Klebstoff, Benzin, Nagellackentferner und Alkohol entfernen. So kann die Zecke sich erbrechen, und auch das erhöht das Infektionsrisiko.

Ich habe Borreliose, und mir wurde eine Antibiotika-Kur empfohlen. Wie sinnvoll ist das?

Huber: Bei vielen Anrufern ist die Verunsicherung vor allem beim Thema "Borreliose" extrem hoch. Gründe dafür sind unter anderem, dass sie sich viel im Internet informieren und dort zum Teil stark verunsichert werden. Oder dass sie sich bei Ärzten vorstellen, die sogenannte Antibiotika-Kuren propagieren beziehungsweise verschiedene Untersuchungsmethoden anbieten, die die Patienten zum Teil selbst bezahlen müssen. Anrufer haben erzählt, dass sie bis zu 800 Euro für Antibiotika-Kuren aus der eigenen Tasche zahlen und diese Medikamente über mehrere Wochen nehmen sollen. Solche Heilmethoden sind aus schulmedizinischer Sicht nicht seriös! Sie sollten da sehr vorsichtig sein.

Vor einem Jahr hatte ich eine Zecke. Da ich dann einen roten Fleck um den Biss hatte, der immer größer wurde, bekam ich Antibiotika. In letzter Zeit verspüre ich Kopfschmerzen. Kann das von der Borreliose kommen?

Angerer: Eine zweiwöchige Therapie mit Antibiotika ist die übliche Behandlung. Der rote Fleck ist die charakteristische Wanderröte (Erythema migrans). Das ist ein ziemlich sicheres Anzeichen für Borreliose. Ihr Arzt hat also richtig gehandelt. Dass nun nach einem Jahr und dazu noch nach einer Antibiotika-Behandlung die Borreliose auftritt, ist sehr, sehr unwahrscheinlich.

Ich habe letztens eine ganz normale Stubenfliege erschlagen. Da kamen dann Viecher herausgekrochen. Sie sahen aus wie Zecken, nur viel, viel kleiner. Können das welche gewesen sein?

Angerer: Das ist ja ungewöhnlich, das habe ich noch nie gehört. Darüber habe ich auch nie etwas in der Fachliteratur gelesen. Zudem verstehen sich Fliegen und Zecken nicht gut. Es könnte sein, dass die Fliege Milben, Maden oder anderes Ungeziefer mit sich trägt. Aber dass das Zecken sind, halte ich für ausgeschlossen.

Hilft eine Impfung auch nach dem Zeckenstich noch?

Huber: Nachträglich impfen hilft nicht. Wir können nur vorsorglich impfen. Und da wir in einem Hochrisikogebiet für FSME liegen, raten wir dringend zur Impfung.

Dr. Thorsten Heider: Ein ganz klares Ja zur FSME-Impfung! FSME wird durch Viren ausgelöst, gegen die kein Antibiotikum hilft. Wenn die Erkrankung erst einmal ausgebrochen ist, muss sie durchgestanden werden. Bis Sie dann wieder richtig fit sind, kann es sehr lange dauern, ähnlich wie bei einer Grippe.



Mein elfjähriger Sohn hatte eine Zecke, an der Wange direkt unterm Haaransatz. Ich fuhr dann ins Klinikum, um die Zecke entfernen zu lassen. Antibiotika haben sie ihm keines gegeben. Einen roten Punkt sieht man nicht mehr. Soll ich jetzt noch einen Bluttest machen?

Angerer: Ein Bluttest ist wirklich wenig aussagekräftig. Wenn der Test positiv ausfällt, heißt das lediglich, dass das Immunsystem irgendwann Antikörper gegen Borrelien ausgebildet hat. Das ist bei 25 Prozent der Erwachsenen der Fall. Der Bluttest sagt aber nichts darüber aus, ob gerade aktive Borrelien im Körper sind. Da die Rötung bei Ihrem Sohn schnell abgeklungen ist und auch nichts mehr wiederkam, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ihr Sohn Borreliose hat. Wenn nach sechs Wochen keine Symptome auftreten, wird ziemlich wahrscheinlich nichts mehr passieren. Generell ist es ohne weitere Anzeichen nicht empfehlenswert, nach jedem Zeckenstich Antibiotika zu verabreichen.

Ich hatte heuer schon mehrere Zecken - soll ich mich in diesem Fall vorbeugend untersuchen lassen?

Huber: Wenn Sie keine Krankheitssymptome haben, müssen Sie sich nicht vorsorglich untersuchen lassen. Treten nach einem Zeckenstich Anzeichen auf wie beispielsweise die Wanderröte, starke Grippesymptome oder Gelenkschmerzen, die vor allem nachts unerträglich sind, sollten Sie zum Arzt gehen.

Vor vier Wochen hatte ich meine erste Zecke. Nach über 70 Jahren! Da ich einen roten Fleck hatte, hat mir mein Arzt Antibiotika gegeben. Gestern war ich draußen in der Sonne und plötzlich sind meine Arme und meine Nase ganz stark angeschwollen und haben höllisch gebrannt! Soll ich die Tabletten vielleicht absetzen?

Angerer: Ja, das betonen wir immer wieder gegenüber unseren Patienten, besonders wenn es heiß wird: Bei der Antibiotikaeinnahme sollten Sie die Sonne meiden. Das kann zuweilen starke Hautirritationen hervorrufen. Da bei Ihnen nur die Körperstellen, die der Sonne ausgesetzt waren, geschwollen sind, ist das eine normale Reaktion, die auch wieder vorbeigeht. Sollten Sie auch an Körperstellen, die bedeckt waren, Rötungen und Schwellungen haben, würde das auf eine Antibiotika-Allergie hinweisen. Aber so machen Sie sich keine Sorgen, nehmen Sie unbedingt die Antibiotika-Packung zu Ende und meiden Sie in dieser Zeit die Sonne.

Was mache ich mit der Zecke, nachdem ich sie aus dem Körper gezogen habe?

Heider: Sie sollten die Zecke nach dem Entfernen nicht wieder in die freie Natur lassen, sonst sucht sie sich gleich den nächsten Wirt und sticht wieder. Deshalb wird empfohlen, die Zecke zu zerdrücken. Wenn Sie gerade draußen unterwegs sind, können Sie das zum Beispiel mit einem Stein tun, zu Hause eignet sich ein Küchenmesser. Ziel ist es, die Zecke so abzutöten, dass man selbst nicht mit der Körperflüssigkeit in Berührung kommt. Denn dadurch könnten die Krankheitserreger, die die Zecke vielleicht in sich trägt, ähnlich wie bei einem Stich in den menschlichen Körper gelangen - durch eine kleine Wunde etwa.

Wann sollte ich meine Kinder impfen?

Heider: Es gibt eine Impfempfehlung für Kinder ab drei Jahren. Dazu raten wir auch.



Vor zwei Jahren hatte ich Borreliose. Jetzt wollte ich mich gegen Zecken impfen lassen, aber mein Hausarzt sagt, das ist nicht möglich. Obwohl ich so viel im Wald unterwegs bin.

Angerer: Wie Sie bestimmt wissen, kann man gegen Borreliose nicht impfen. Wohl aber gegen FSME. Hat man einmal Borreliose gehabt, kann man jederzeit wieder daran erkranken. Nicht so bei FSME. Hat man diese Krankheit einmal überstanden, bricht sie nicht mehr aus. Fragen Sie ihren Hausarzt doch mal, ob Sie bereits FSME hatten. Dann sind Sie immun gegen die Krankheit und müssen Sie nicht mehr impfen lassen.


Mein Sohn war vor zwei Wochen im Urlaub beim Wandern in Franken und hatte gleich zwei Zecken. Er ist leider nicht gegen FSME geimpft, kann man das noch nachholen?

Angerer: Nachträglich ist es nicht möglich, gegen FSME zu impfen. So eine Nachimpfung gab es mal, doch die brachte mehr Schaden als Nutzen und wird deshalb auch nicht mehr hergestellt. Ich empfehle trotzdem eine Impfung, wenn Ihr Sohn viel im Wald unterwegs ist.

Ich bin gegen FSME geimpft und suche mich und meine Kleidung nach Aufenthalten in der Natur ab. Was kann ich sonst noch beachten?

Heider: Das ist ganz wichtig. Wer sich impfen lässt und genau absucht, macht schon sehr viel richtig. Der Schutz gegen FSME ist durch die Impfung gegeben und je schneller eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose-Infektion. Denn die Borreliose wird – anders als die FSME, die sofort nach dem Stich übertragen wird – in der Regel etwa 12 bis 16 Stunden nach dem Zeckenstich erst von der Zecke auf den Menschen übertragen.

Ich bin Jäger. Wenn ich einen Hirsch oder ein Reh ausnehme, sind da viele Zecken dran. Wenn ich das Fleisch esse, infiziere ich mich dann?

Angerer: Wenn das Fleisch gebraten wird, werden durch die Hitze definitiv alle Erreger getötet. Selbst wenn sie das Fleisch roh essen, können Borreliose- und FSME-Erreger nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden.



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