Äthiopier gewinnt DJK-Straßenlauf in Weiden und geht am Mittwoch beim Nofi an den Start
Wunderläufer "Wondy"

Seinen Namen muss man sich merken. Wenn es denn so einfach wäre: Wonde Seed Egasso heißt der Äthiopier, der am Sonntag mit über 19 km/h den DJK-Straßenlauf gewann. Wonde ist die Kurzform von Wondemogen oder Wondimogn. Die Schreibweise variiert: Den Orginialnamen gibt es nur in äthiopischen Schriftzeichen. Bild: Büttner

Er hat den Amberger Halbmarathon gewonnen und am Sonntag gleich noch den DJK-Straßenlauf in Weiden. Am Mittwoch geht Wonde Seed Egasso - genannt "Wondy" - beim Nofi an den Start. Weidens Pflaster kennt er gut: Der Äthiopier (20) war im Winter in der Mehrzweckhalle untergebracht.

Die Chefin der Kleiderkammer, Jutta Eger vom "Netzwerk Asyl", erinnert sich noch gut an den stillen Afrikaner und seine Freunde. Die kleine Gruppe belegte die Feldbetten gleich vorne am Halleneingang. "Die Jungs waren sehr schüchtern und stellten sich bei der Kleiderausgabe immer hinten an", fiel Jutta Eger auf. Als sie dann an der Reihe waren, war für sie nichts mehr da. "Irgendwann haben wir sie mal an der Hand genommen und gesagt: Heute seid ihr als erste dran."

Im Geräteraum, der damals als Kleiderkammer diente, habe "Wondy" dann seinen ganzen Mut zusammengenommen und nach Laufschuhen und einer Trainingshose gefragt. Bei der sportlichen Jutta Eger geriet er an die richtige Adresse. Sie packte mit ihrem Mann Gerhard Biebl, Radrennfahrer, und dem befreundeten Marathonläufer Dr. Martin Hofmann (Bestzeit 2:54) eine Tüte mit Laufklamotten. Hofmann holte den jungen Mann im November und Dezember regelmäßig an der Mehrzweckhalle zum DJK-Lauftraining ab. Dann wurde der seit Januar 20-Jährige von heute auf morgen in die Teil-Gemeinschaftsunterkunft nach Vilseck verlegt. Über seine Anerkennung ist noch nicht entschieden. Wonde (Vorname) Seed (Name des Vaters) Egasso (Name des Großvaters) gehört zur verfolgten Volksgruppe der Oromo in Äthiopien.

Der Kontakt nach Weiden riss nie ganz ab. Wonde Seed Egasso, der zwei Mal täglich trainiert, kommt öfter mit dem Zug nach Weiden und zieht seine Bahnen auf der Realschulbahn. Vor kurzem absolvierte er mit Hofmann und anderen DJK-Läufern das sonntägliche Berglauftraining. Mit Angelo Spörl, dem Vorjahressieger beim Freundschaftsmarathon, sprintete er jede Anhöhe hoch. "Das war richtig schön, den beiden zuzusehen", sagt Hofmann, der den 20-Jährigen als absolute Bereicherung des DJK-Laufteams sieht.

Sieger mit Umzugspause


Am Sonntag startete der Äthiopier erstmals offiziell im roten DJK-Trikot. Ohne Antrittsgeld. "Das macht der ganz freiwillig", betont Hofmann, der aber damit rechnet, dass "Wondy" irgendwann abgeworben wird. In Amberg hatte der Äthiopier mit 1:08 Stunden einen neuen Streckenrekord über die Halbmarathondistanz aufgestellt. Und das, obwohl er sich mitten im Rennen umzog: Als ihm zu warm wurde, zog der Afrikaner das T-Shirt aus und lief im ärmellosen Trikot weiter. Dazu musste er aber erst die Startnummer neu mit Sicherheitsnadeln befestigen.

Beim DJK-Straßenlauf nahm er der wirklich starken Konkurrenz über zwei Minuten ab: Wonde Seed Egasso lief die zehn Kilometer in 31:32 Minuten. Hinter ihm kamen die Top-Läufer Andreas Hecht in 33:55 und Michael Lang in 34:56 ins Ziel. "Von einer anderen Welt", kommentierte Hecht. Der Seriensieger der DJK freute sich ausdrücklich über den Neuzugang. Auch für den Regensburger Halbmarathon am Sonntag, 8. Mai, ist "Wondy" gemeldet. Beim Nofi-Lauf am Mittwoch geht er für die 25-köpfige Mannschaft des "Netzwerk Asyl" an den Start. Diakonie-Koordinator Manfred Weiß hofft, dass der Läufer auch rechtzeitig am Start steht. Wonde Seed Egasso kommt mit dem Zug. Favorit beim Nordoberpfälzer Firmenlauf ist der Vorjahressieger, Vor-Vorjahressieger und Vor-Vor-Vorjahressieger Max Zeus, der die flache 5,9-Kilometer-Runde in Weiden 2013 in 18:59 Minuten lief. Er muss sich heuer sputen. (Hintergrund)

Lauf für alle

Von Christine Ascherl

Um Protesten vorzubeugen: Nein, natürlich geht es beim Nordoberpfälzer Firmenlauf nicht in erster Linie um die Zeit. Sondern um das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen. Und ja, aber natürlich werden die Topläufer jeder Firma alles geben, um ganz vorne im Klassement zu landen. Auch die Vertreter der "Firma Flüchtlingsunterkunft". In der Mannschaft des "Netzwerks Asyl" laufen 25 Bewohner, Ehrenamtliche und Beschäftigte der Gemeinschaftsunterkunft im Einheitstrikot mit. Auch das entspricht voll und ganz dem Charakter des Nofi, dem in Firmenteams schon immer auch "friends and family" willkommen waren.

"Geht es gelassen und sportlich an", appellieren die Organisatoren. "Genießt die Laufstrecke und das Gemeinschaftsgefühl!" Wird gemacht. Das Rennen dürfen andere untereinander ausmachen.

E-Mail an den Autor:

christine.ascherl@derneuetag.de

Interviews nur auf OromoInterviews kann der Wunderläufer noch nicht geben. Er ist erst seit November im Land. Sprachlich tut sich Wonde Seed Egasso schwer, sein Englisch ist auch recht spärlich. Das "Netzwerk Asyl" hat jetzt aber einen Übersetzer "an der Angel": Mezgebo, ein FOS-Schüler der Integrationsklasse, der unter der Woche im Haushalt des evangelischen Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler wohnt. Der junge Äthiopier aus Hirschau spricht bereits fließend Deutsch.
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Wolfgang Göldner aus Weiden in der Oberpfalz | 03.05.2016 | 14:24  
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