Aktion zum Weltfrauentag: Sprüche am Oberen Markt
Boden mit Tatsachen

Der Schnee konnte den Botschaften aus Sprühkreide zum Weltfrauentag nichts anhaben. Aufgemalt hat sie der Frauenarbeitskreis der Gewerkschaft IG BCE bereits am Montagabend, um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt und Rassismus zu setzen. Bild: Stefan Schmitt

Nach der Silvesternacht in Köln reicht's. Das fanden die Frauen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Also marschierten sie am Montag, am Vorabend des Weltfrauentags, zum Oberen Markt. In der einen Hand hielten sie Folien. In der anderen Sprühkreide. Die Polizei wartete schon.

Viele Sprüche zieren das Pflaster zwischen Altem Rathaus und Brunnen. Seit Dienstag leuchten sie den Passanten in der Fußgängerzone in grellen Neonfarben entgegen. Einer gefällt der Gewerkschaftssekretärin im Bezirk Ostbayern, Gaby Hübner, besonders gut. Er lautet: "Nicht Ausländer, sondern Arschlöcher belästigen Frauen."

Hübner war eine von 13 Personen - auch vier Männer waren dabei -, die mit Sprühkreide am Montag gegen 18 Uhr vor dem Alten Rathaus Stellung bezogen hatten. Gegen sexuelle Gewalt und Rassismus. Passanten blieben stehen, fragten nach. Und wie gefiel's? "Doppeldaumen: Es gab nur positive Reaktionen", sagt Hübner. Zum Beispiel: "Endlich bringt's mal einer auf den Punkt." Ganz so optimistisch war die Polizei wegen der Reaktionen auf die von der Stadt genehmigte Aktion nicht. Die Beamten sind von Berufs wegen skeptisch, erklärten den Gewerkschaftlern, im Notfall da zu sein. Für die Hilfsbereitschaft will Hübner der Polizei ihren Dank aussprechen.

Doch zurück zur Aktion. "Nein heißt Nein" steht da in Neongelb. Oder "Rassismus, nein danke" in Pink. Was der Frauenarbeitskreis der IG BCE nach der Silvesternacht in Köln damit ausdrücken möchte? "Sexuelle Gewalt kennt keine Nationalität. Wir wollen zeigen, dass wir sexuelle Gewalt ablehnen, ganz egal, von wem sie kommt", sagt Lydia Armer, Vorsitzende des Arbeitskreises. "Zudem wollen wir deutlich machen, dass wir das Thema nicht denen überlassen werden, die für alles Schlechte Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund verantwortlich machen", ergänzt Stellvertreterin Marianne Wopperer. Und Gaby Hübner sagt: "Wir solidarisieren uns mit allen Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren mussten und von ihr bedroht sind. Dabei denken wir auch an die geflüchteten Frauen, die in den Flüchtlingsunterkünften oft keine Rückzugsräume oder abschließbaren Duschen haben." Gegen 20 Uhr standen alle Botschaften auf dem Pflaster, die gebrauchten Folien steckten in den Säcken. Dann deckten dicke Schneeflocken die Botschaften schützend zu. Pünktlich am Morgen des Weltfrauentags waren der Schnee weg und "Stopp Sexismus" und Co. wieder da. Erst ausgiebiger Regen wird die Buchstaben ganz verschwinden lassen.
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