Aktueller Fall zeigt Trend bei Kriminellen
Betrüger am Telefon

Symbolbild (Foto: dpa)

Per Telefon kamen Kriminelle an Bankdaten eines Weideners. Es entstand zwar kein Schaden. Der Fall ist allerdings in mehrfacher Hinsicht exemplarisch.

Die Frau am anderen Ende der Leitung wirkte freundlich und professionell. Am Telefon gab sie sich am Montag gegenüber einem Weidener als Mitarbeiterin der Sparkasse Oberpfalz Nord aus. Sie erzählte etwas von Systemsicherheit und dass sie Zugangsdaten für Online-Banking samt TAN brauche. Außerdem solle der Mann die Internetdienste der Bank 24 Stunden nicht nutzen, um die Systemumstellung nicht zu gefährden. Sie werde sich dann wieder melden.

Wie Hauptkommissar Karl Gaach weiter berichtet, hielt der Mann das Ganze für plausibel und befolgte die Anweisungen. Als sich die Frau dann aber bis Donnerstag nicht gemeldet hatte, wurde der Weidener misstrauisch und fragte bei der Sparkasse nach. Dort erfuhr er, dass Unbekannte zwei Mal versucht hatten, mit seinen Daten mal 4888, mal 3888 Euro abzuheben. Was aber wegen einer zusätzlichen Sicherung scheiterte.

Der Fall ist in vielerlei Hinsicht exemplarisch. Zum einen, weil Online-Daten von Bankkunden natürlich längst Ziel von Kriminellen sind. Zwar beobachte er nur Einzelfälle, sagt Sparkassen-Chef Ludwig Zitzmann, aber ein, zwei pro Monat würden schon bekannt. Zum anderen, weil die Kriminellen nicht nur diesmal, sondern auch allgemein häufig scheitern. Zitzmann jedenfalls "wüsste keinen erfolgreichen Fall". Was aber kein Grund für weniger Vorsicht ist. Im Gegenteil (Hintergrund ). Oft genug klappt der Betrug eben doch. Und dann ist es für die Polizei häufig nicht mehr möglich, die Spur des Geldes nachzuvollziehen.

Persönliche Kriminelle


Was den Fall schließlich noch beispielhaft macht: Er steht für eine Art Rückkehr ins Persönliche. Immer mehr Menschen mögen mit immer mehr sensiblen Daten im Netz hantieren. Der "klassische" Computerbetrug ist in Weiden dagegen leicht rückläufig. Waren es 2013 noch 23 Fälle, sank die Zahl ein Jahr später auf 20. Heuer setzt sich diese Tendenz laut Gaach fort. Dahinter steckt, dass Betrüger Daten etwas seltener mit Schadprogrammen und Ähnlichem abgreifen. Stattdessen versuchen sie es öfter persönlich. Mal gleich an der Haustür. Und vor allem eben per Telefon. Wobei die Polizei feststellt, dass die Anrufer offenbar geschult sind und deshalb andere so leicht überzeugen.

Über die Gründe für den Trend kann Gaach nur spekulieren. Dass inzwischen mehr Menschen einen Virenschutz haben, mag einer sein. Ein anderer die vielen Vorteile des Telefons für Betrüger. Sie sitzen zu Hause, in sicherer Entfernung. Und eine Personenbeschreibung von ihnen wird es auch nie geben. Außerdem ist so ein Anruf einfacher als das Hantieren mit Schadprogrammen.

Per Telefon wurden jüngst zum Beispiel Weidener Tankstellen ausgenommen: Angebliche Firmenvertreter riefen an und ließen sich Codes für Telefonguthaben oder Internetbezahldienste übermitteln. Ob das Telefon auch langfristig so oft missbraucht wird, ist aber fraglich. Gaachs Erfahrung zumindest ist anders: "Bestimmte Betrugsmaschen werden eine Zeit lang angewandt - und dann kommen wieder andere."
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