Alkohol gestohlen und mit Ladendetektiv gerungen
Ex-Fußballprofi im Abseits

Einst kickte er für den FC Schalke 04. Das ist lange her. Schon zum wiederholten Mal verurteilt ein Gericht den einstigen Fußballprofi als Langfinger.

In einem Verbrauchermarkt leistete er sich den nächsten einer Reihe von Fehltritte. Wegen Diebstahls, Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl den 59-Jährigen zu 14 Monaten Freiheitsstrafe.

Der in Tschechien geborene und aufgewachsene Deutsche hatte in einem Einkaufsmarkt in der Neustädter Straße sieben Flaschen hochprozentiger Spirituosen unter seiner Jacke versteckt und war mit leerem Einkaufswagen durch die Kasse gegangen. Ein Ladendetektiv, der den Weidener ein Jahr zuvor schon einmal bei einem Ladendiebstahl in Wernberg erwischt und ihn nun sofort erkannt hatte, sprach den Mann daraufhin an. Dieser stieß den 31-Jährigen jedoch zur Seite und ergriff die Flucht.

Der Detektiv setzte ihm nach und brachte ihn nach wenigen Metern zu Boden, wobei sich der Langfinger immer noch heftig wehrte. Drei Flaschen gingen zu Bruch. Zusammen mit dem Marktleiter gelang es, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Während des Gerangels, bei dem der Detektiv Prellungen und Abschürfungen davontrug, verlor dieser sein Handy und der 59-Jährige ein Goldkettchen. Beides legte eine Kundin auf einen Warenstapel. Beim Eintreffen der Polizei waren die Sachen verschwunden. Ein anderer Dieb hatte die Gelegenheit genutzt.

Der Arbeitslose, der einst als erster tschechischer Fußballprofi beim FC Schalke 04 gekickt hatte, schilderte Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder seinen Lebenslauf. Nach der beendeten Fußball-Karriere sei es bergab gegangen. Zwar habe er als Spielervermittler und zeitweise als Trainer noch einigermaßen leben können, jedoch hätten ihm Unterhaltsforderungen zugesetzt, und es sei zu ersten Straftaten gekommen: Benzindiebstähle, mehrmals Fahren unversicherter Autos, kleine Betrügereien und Zigarettenschmuggel. Insgesamt seien 25 Verurteilungen in Nordrhein-Westfalen und in der Oberpfalz angefallen.

Detektiv kritisiert


Auch zurzeit sitzt der Geschiedene in Strafhaft in der JVA Weiden ein. Dr. Rieder machte die Alkoholkrankheit verantwortlich für die Straftaten, obgleich er ihn zur Tatzeit für voll schuldfähig hielt. Staatsanwältin Claudia Stingl kreidete dem Angeklagten besonders an, dass er zur Tatzeit unter Bewährung aus einer Verurteilung in Tschechien gestanden hatte. Sie forderte - unter Einbeziehung von vier Monaten aus der letzten Verurteilung in Amberg - zwei Jahre und zwei Monate Haft. Rechtsanwalt Christoph Clanget (Saarbrücken) verstieg sich zur Behauptung, dass "das unangemessene Verhalten" des Ladendetektivs mitverantwortlich für die Körperverletzung gewesen sei. Eine zwangsweise Einweisung in eine Therapieanstalt wegen einer Alkoholkrankheit, wie sie der Landgerichtsarzt empfohlen hatte, lehnte der Verteidiger ab. Dr. Rieders Feststellungen seien allesamt nur "Vermutungen".

Richter Heindl sah die Voraussetzungen für eine Einweisung in den Maßregelvollzug nicht erfüllt. Dem Verteidiger schrieb er jedoch ins Stammbuch, dass es "kühn" sei, dem Detektiv Mitschuld zuzuschreiben. Sei es doch der 59-Jährige gewesen, der gestohlen und sich dem Zugriff mit Gewalt widersetzt hatte.
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