Alle hatten Urlaub, nur zwei Kameraden nicht
Soldat in Kaserne vergessen

Die Ostmark-Kaserne in Weiden. (Foto: Hartl)

Wegen "eigenmächtiger Abwesenheit" steht ein Soldat (25) vor dem Amtsgericht Weiden. Sehr geknickt, in grauer Ausgehuniform. Er und ein Kamerad waren in der ersten Januarwoche in der Ostmarkkaserne "vergessen" worden. Die ganze Kompanie hatte Urlaub, nur die beiden nicht. Der Angeklagte fuhr daraufhin einfach heim.

Es muss schon eine kuriose Situation gewesen sein, am Montag, 2. Januar, frühmorgens um 6.45 Uhr. Vor den Stuben standen bei der Überprüfung der Vollzähligkeit nur der 25-Jährige aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und ein Thüringer (24). Gemeinsam machten sich die zwei auf die Suche nach anderen Lebewesen auf dem Flur. "Da war keiner da", sagt der Thüringer. "Wir waren zu zweit."

Sie hätten im ganzen Haus gesucht. Sie gingen auch hinüber zu den Verwaltungsgebäuden. "Da war keiner", versichern beide. In der ganzen Kaserne nicht. Richter Hubert Windisch, der es in seiner Wehrpflicht immerhin zum Obergefreiten gebracht hat, hakt nach: "Und wenn jetzt der Russe gekommen wär'?"

Der Angeklagte, ein "Heimschläfer", fuhr nach Hause zurück und blieb dort für den Rest der Woche, was ihm jetzt zum Verhängnis wurde. Anders der Thüringer: Der junge Soldat verharrte in der Kaserne. Man vereinbarte, dass er den Kameraden anruft, sollte sich die Situation klären. Der Thüringer blieb mutterseelenallein auf dem Flur. "Was haben Sie getan?", fragt der Richter. "Nichts. Ich war auf Stube und auf Fitness."

Eine Woche lang. Die Kaserne verfügt über eine Fitnesshalle, in der er sich auch zum Training eintrug. Jeden Morgen sei er zudem pünktlich auf dem Flur angetreten. Staatsanwalt Dr. Christoph Edler macht große Augen: "Wie muss ich mir das vorstellen? Standen Sie da allein?" Der Soldat nickt.

Sieben Tage im Arrest


Als Zeuge wird ein Hauptmann gehört, der an diesem Tag im Verwaltungsgebäude Dienst machte und der richtige Ansprechpartner gewesen wäre. Offenbar gibt es aber auch bei der Bundeswehr Gleitzeit: Er begann an diesem Tag erst um 8.45 Uhr.

Der Zugführer war davon ausgegangen, dass seine Batterie die erste Januar-Woche komplett Urlaub genommen hatte. Dem war nicht so, wie sich am 9. Januar herausstellte. Der 25-Jährige aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach bekam mächtig Ärger. Wie Verteidiger Jürgen Mühl erinnert, hat er bereits sieben Tage in Arrest abgesessen plus 1600 Euro Strafe gezahlt.

Aber: Noch immer ist die eigenmächtige Abwesenheit von der Truppe von über drei Kalendertagen auch eine Straftat, laut Wehrstrafgesetz mit bis zu drei Jahren Haft zu ahnden. Eine alleinige Geldstrafe sieht das Gesetz nicht vor. Richter Windisch regte die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld ohne Geldauflage an, Staatsanwalt und Verteidigung stimmten zu.

Und wenn jetzt der Russe gekommen wär'?Vorsitzender Richter Hubert Windisch
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