Alle zwei Jahre wieder: Verzögerungen bei Fußballübertragung am Unteren Markt
Zu spät gefreut

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Gute Laune gibt's beim Freiluft-Fußballschauen - wie hier am Bürgerfest - fast immer. Manchmal stört aber, dass einige früher wissen, wann ein Tor fällt. Bild: Götz

Fußball ist ungerecht. Manchmal, wenn ein Tor fällt. Und manchmal auch schon davor: Wenn der Nachbar vor dem Fernseher jubelt, während man selbst noch gar keine Chance sieht. Das hat teils banale Gründe - und am Unteren Markt Wanderungen beim Elfmeterschießen zur Folge.

Gut, Thomas Müller hatte den Ball nicht gerade mit Überschallgeschwindigkeit getreten. Aber so langsam war der Schuss des deutschen Nationalspielers beim Elfmeterschießen gegen Italien jetzt auch wieder nicht. Trotzdem: Das enttäuschte "Oooohhh" der DFB-Fans hörten die Besucher Samstagnacht im "La Vita", lange bevor sie den bitteren Beweis auch auf dem Fernsehbild geliefert bekamen. Müller hatte verschossen. Und jeder wusste es zu früh. Ooooohhh!

Es ist alle zwei Jahre dasselbe Spielchen: Während die einen noch bangen, jubeln die anderen schon. Oder sie jammern eben lautstark. Grund ist, dass die Fernsehbilder nicht überall gleich schnell ankommen. Auch bei Live-Übertragungen. Auch wenn alle denselben Sender schauen. Das ärgert zu Hause, wenn Müller auf dem eigenen Fernseher noch nicht einmal Anlauf nimmt - während die Nachbarn im Garten schon die blumigsten Verwünschungen über ihn zetern. Noch krasser wirkt es sich natürlich in Weidens größtem Freiluftstadion aus, am Unteren Markt.

"Was ist denn hier los?"


"Was ist denn hier los", habe er zunächst gedacht, als Gäste anderswo schon schrieen, während bei ihm im Restaurant auf dem Bildschirm noch nichts Spektakuläres zu sehen war, erzählt "La Vita"-Chef Marcello De Vita. Er zeigte das Spiel per Kabelempfang in HD-Qualität - und hatte die Bilder etwas später auf dem Schirm. Wobei nicht nur das "La Vita" mit einer Verzögerung leben musste.

Auch im "Pallas" verfolgten die Leute "den Krimi", wie Inhaber Alexandros Smardenkas das Spiel nennt, mit vorzeitiger akustischer Auflösung. Während das "Pallas" ebenfalls mit Kabelempfang HD-Bilder servierte, verzichteten Gaststätten nebenan auf ein Spitzenbild, hatten dafür aber einen hauchdünnen Vorsprung, berichtet Smardenkas. Die Laune habe das aber nicht getrübt.

Gut war die Stimmung derweil auch im "Café Frieden". Und sie wurde gegen Ende der Partie immer besser. Denn zum Elfmeterschießen hielten es Besucher anderer Gaststätten nicht mehr aus und wanderten vorübergehen dorthin. Warum? "Ich bin eben die Beste und die Schnellste", sagt Chefin Lenka Dreythaller - und lacht. Aber im Ernst: Sie habe mal selbst gestoppt, wann die Live-Bilder bei ihr und wann bei anderen Leinwänden ankamen. Ergebnis: bis zu sieben Sekunden Vorsprung fürs "Frieden". Mit der Konsequenz, dass sie fürs nächste Deutschlandspiel "deswegen schon Reservierungen bekommen" hat. Geschwindigkeit als Standortvorteil. Wobei Dreythaller betont, dass sie sich gar nicht extra um die früheren Bilder bemüht hat. "Das war keine Absicht."

Schnelle Satelliten


Tatsächlich dürfte das schnöde Geheimnis einfach darin liegen, dass das "Frieden" Satellitenanschluss hat. Wie die Nachrichten-Website "Heise online" gemessen hat, ist die Art des Empfangs ausschlaggebend. Am schnellsten kommen demnach die Bilder per Satellit an (und über neue DVB-T-Standards): Die Signale wandern schließlich fast ohne Verzug vom Satelliten direkt zur Schüssel. Wer dagegen - wie das "Pallas" und das "La Vita" - Kabelempfang hat, muss mit 4 bis 8 Sekunden Verzögerung rechnen (HD-Übertragung ist dabei wohl ein wenig langsamer). Kabelsignale kommen erst zu Knotenpunkten und von dort zu den Endgeräten. Wobei hier die Entfernung von Knoten und Empfänger auch entscheidend für die Dauer der Verzögerung ist. Ein schwacher Trost ist da, dass das sonst so schnelle Internet noch um ein Vielfaches träger ist: Wer übers Netz schaut, sieht den Ball deutlich später im Netz.

Aber was heißt schon Trost? Thomas Müller brauchte ihn am Ende nicht. Noch nicht einmal alle Italiener hatten Aufmunterung nötig. Wirt De Vita zumindest sagt über das deutsche Team: "Die haben den Sieg verdient." Ohnehin sei für die meisten Gäste im "La Vita", aber auch im "Pallas" die Verzögerung zweitrangig gewesen. Smardenkas: "Das war ihnen wurst. Hauptsache, Deutschland hat gewonnen." Was sind schon ein paar Sekunden bei einem Spiel, über das die Leute noch in Jahren reden?
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