Altersdepressionen sind weit verbreitet
Es gibt Hilfe für taube Herzen

Alfons Heidingsfelder, Seniorenbeauftragter der Stadt Weiden (links), begrüßte Sonja Dobmeier, Fachberaterin des Caritas-Sozialpsychiatrischen Dienstes. Bild: sbü

Depressionen haben keinen Platz in der Welt des oberflächlichen Optimismus. In der Werbung für Anti-Aging-Produkte etwa sind stets fröhliche und vitale Senioren zu sehen. Tatsächlich aber sind Altersdepressionen weit verbreitet, weiß eine Sozialpädagogin.

"Ich habe seit Jahren schon vieles versucht, aber die Depression kommt immer wieder ", sagt eine Betroffene beim Vortrag im Maria-Seltmann-Haus. Und Sozialpädagogin Sonja Dobmeier, Referentin des Nachmittags, bestätigt diese Feststellung. Zugleich stellt die Fachberaterin aber auch fest: "Es gibt zahlreiche Hilfen, um mit dieser Krankheit leben zu lernen." In ihrem Vortrag "Depressionen im Alter" erläutert sie diese ausführlich.

Zunächst zitiert Dobmeier jedoch aus Statistiken. Fünf Prozent der Bevölkerung würden an Depressionen leiden, Frauen seien doppelt so oft betroffen wie Männer. Möglicherweise würden aber viele Männer sich nicht dazu bekennen, weil die Krankheit nicht in ihr Rollenbild passe. Keinesfalls würden nur ältere Menschen unter Depressionen leiden. Doch bei älteren sei diese eher chronisch und schwerer beeinflussbar.

Ein Alarmzeichen sei, dass psychische Gründe bei 70- bis 90-Jährigen die häufigste Ursache für Suizid ist. Ab dem 70. Lebensjahr steige die Häufigkeit von Suiziden extrem stark an. Dobmeier stellt auch fest: "Depressionen werden häufig nicht richtig behandelt und oftmals nur als Befindlichkeitsstörungen abgetan."

Depressionen und Demenz seien zu unterscheiden, denn "der Depressive ist zur Kooperation fähig". Ausführlich erörtert die Referentin die Erscheinungsbilder von Depressionen wie Verlust von Lebensfreude, Gefühle der Wertlosigkeit, Energiemangel und Müdigkeit. Genetische Faktoren, körperliche Erkrankungen, Dauerstress oder fehlende soziale Unterstützung könnten sie auslösen. Präventiv wirke ausgewogene Ernährung, Stressvermeidung, Bewegung und positives Denken.

Ältere Menschen sollten soziale Netzwerke pflegen, "Pläne machen und dem Tag eine Struktur geben", empfiehlt die Referentin. Zahlreiche Tipps hat sie auch für die Angehörigen von Erkrankten. Sie sollten niemals sagen: "Reiß dich zusammen." Symptome dürften nicht verdrängt und verharmlost werden. "Versuchen Sie die Ressourcen der Betroffenen zu erschließen und ergreifen Sie die Initiative." Die Erkrankung zu akzeptieren, oft zu loben, unterstützen und Geduld üben, sind weitere Empfehlungen.

Als Behandlungsmethoden beschreibt Dobmeier die Psychotherapie und Antidepressiva. Zudem rät sie zu "viel Bewegung". Oftmals könne jedoch nicht so lange gewartet werden, bis ein Termin beim Psychotherapeuten möglich sei. Ein niederschwelliges und kostenloses Angebot biete zum Beispiel der Sozialpsychiatrische oder Geronto-psychiatrische Dienst der Caritas. Dort gebe es unter anderem Einzelberatung (Schweigepflicht) von jeweils 50 Minuten Dauer oder - in Weiden immer dienstags - offene Gesprächsrunden. Auch Haus- und Klinikbesuche würden durchgeführt. Angesprochen wurden auch die bestehenden Selbsthilfegruppen oder Telefonseelsorge.

Positives Denken aber sei zentral. "Vergesse, was dich traurig gemacht hat und erinnere dich, was dich gefreut hat", sagt Dobmeier.

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Ein Flyer mit allen Hilfsangeboten unter:

www.gesundheitsamt-neustadt.de
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