Am letzten Prozesstag nach Pressather Bluttat sind Zuhörerreihen noch einmal gut gefüllt
Über Urteil erleichtert

(Foto: Götz)

Weiden/Pressath. Ein letztes Mal füllen sich am Mittwoch die Zuschauerreihen im Schwurgerichtssaal. Unter den Zuhörern sind viele Pressather: Ersthelfer aus der Nachbarschaft, Spieler aus dem Basketballteam. Aber auch Beamte der Kripo Weiden wollen wissen, was aus ihrem Fall wird. Gegen Mittag verlassen sie das Gericht mit leiser Genugtuung: Den Angeklagten trifft die volle Härte des Gesetzes. Im Fall der Bluttat von Pressath scheint dies der Tat angemessen.

Gericht und Staatsanwaltschaft versuchen am Mittwoch, Antworten auf die letzten offenen Fragen zu geben. Hatte Ted T. einen Schlüssel? "Davon ist auszugehen", meint Oberstaatsanwalt Rainer Lehner. Und zwar aus der Zeit, als er eine Beziehung zur Vormieterin pflegte. Der Angeklagte streitet das auch am Mittwoch ab. Die Tür sei offen gestanden. Für unglaubwürdig hält das die Staatsanwaltschaft. Die Frau war die einzige Mieterin und gewissenhaft. Die Kripo hat es 30 Mal selbst probiert: Die Tür fiel immer ins Schloss, außer, sie wurde stark abgebremst. "Warum hätte sie das tun sollen?"

Glaubte der Amerikaner, dass das Wohn- und Geschäftshaus menschenleer war? Das behauptet er jedenfalls. Niemals, sagen Staatsanwalt und Gericht. Im ersten Stock brannte Licht, das auch dem Zeitungszusteller auffiel. Der Fernseher lief laut. Am Türschild stand ein Name.

Mit Bewohnern gerechnet


Der Angeklagte stieg erst in die leere Wohnung im zweiten Stock hinauf, dann brach er in die Metzgerei im Erdgeschoss ein. Gegen 3.30 Uhr trat er schließlich - mit einem Fleischermesser in der Hand - die Wohnungstür im ersten Stock ein. Für Staatsanwalt Lehner eine klare "Risikoeinschätzung": "Er hat sich für die bewohnte Wohnung gewappnet und rechnete damit, dass er auf Bewohner treffen könnte." Ted T. selbst hat geschildert, wie er zunächst ins Wohnzimmer geguckt habe, wo die Frau mit ihrem schlafenden Hund auf dem Sofa döste. Er ging weiter ins Bad, wo sie ihn schließlich erwischte, als er auf der Ablage kramte.

Was wollte er in dem Haus? Geld oder Sex? Vermutlich beides. Das Gericht geht davon aus, dass Ted T. nach Stehlenswertem suchte. Gleichzeitig hatte er aber im Vorfeld unerfreulichen SMS-Verkehr mit seiner Frau, die ihn anwies, in dieser Nacht auf dem Sofa zu schlafen. Wenig später googelte der 29-Jährige nach "Women for Male" rund um Grafenwöhr. Lehner: "Es war ihm latent an außerehelichen Sexualkontakten gelegen."

Die mehrfach betrogene Ehefrau ersparte sich keinen einzigen Verhandlungstag. Am ersten Tag hatte sie noch ein paar Worte mit dem Vater ihrer Kinder gewechselt. Seither hielt sie Abstand. Ted T. entschuldigt sich am Mittwoch beim Opfer und allen möglichen "Geschädigten" ("the nice village of Pressath", dem Basketballteam). Bei ihr entschuldigt er sich nicht. Er erklärt nur wortreich, dass ihn seine Frau in der Tatnacht nur deshalb auf die Couch verwiesen hätte, weil er wegen seines Hustens das Baby geweckt hätte.

Terrier versteckte sich


Sichtlich erleichtert reagiert das Opfer, eine Altenpflegerin, auf den Urteilsspruch wegen versuchten Mordes, versuchter besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Sie hatte zur Urteilsverkündung neben ihrem Anwalt Dr. Heiko Übler Platz genommen, begleitet von Angehörigen. Die junge Frau bleibt durch ihre außergewöhnlich tapfere Aussage in Erinnerung. Ihren Hund - einen kleinen Yorkshire-Terrier - hat sie übrigens immer noch, auch wenn er ihr keine große Hilfe war: "Ich bin froh, dass er sich damals versteckt hat." (Seite 3)
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