Amerikaner vor dem Landgericht Weiden [Aktualisierung]
Vorwurf: Im Vollrausch missbraucht

Symbolbild: dpa

Ein Amerikaner (45) aus Michigan steht seit Mittwoch vor der Strafkammer des Landgerichts Weiden. Er soll seine Tochter (24), die mit ihrem Mann nahe des Army-Stützpunkts Grafenwöhr lebt, bei einem Besuch im März missbraucht haben. Er streitet das ab. Sie erinnert sich nicht. Zur Tatzeit hatte die Frau fast drei Promille.

Die Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen stützt sich auf ein Gutachten des Landeskriminalamtes. Dieses weist auf DNA-Spuren seinerseits in ihrem Intimbereich und umgekehrt hin.

Für diese gute Verteilung von Spuren hat der 45-jährige Fertigungsleiter gleich einige Erklärungen parat. Unter Tränen schildert der Amerikaner die Nacht im März, als ihm seine Tochter auf der Wohnzimmercouch nahegekommen sei, ihn geküsst und an der Hose berührt habe. Er habe ihr ihrerseits in die "pantys" gegriffen. Aber Verkehr hatte man nicht: "Meine Hose war nie herunten." Zwischendurch war er austreten. Als er zurückkam, sei die Tochter halbnackt auf der Couch gelegen und er habe versucht, sie anzukleiden. Das war um 5 Uhr morgens.

Die Tochter wiederum hat keinerlei Erinnerung an die Stunden vor 5 Uhr. "Ein Blackout", sagt die junge Mutter eines damals Neugeborenen. Ab dem frühen Abend habe sie Weißwein aus dem 5-Liter-Tetrapack getrunken, der Vater trank Whisky und Bier. Ihr Erinnerungsvermögen setzt erst ein, als sie erwachte und der Vater gerade versuchte, ihr die Shorts wieder hochzuziehen. Sie habe sofort nach ihrem Mann geschrien, der im Obergeschoss schlief. Dieser warf den Schwiegervater hinaus auf die Terrasse.

Kopf schon in Schlinge


Der Angeklagte fand ein Kabel im Schuppen und versuchte sich, am Baum zu erhängen, während die Tochter die Military-Police anrief. Der Angeklagte sagt: "Ich wusste von dem Moment an, dass mein Leben nie wieder so werden würde. Dass ich meine Kinder, meine Enkel, meine Ehefrau verlieren würde." Seit einem halben Jahr ist er in deutscher U-Haft, wohin auch die Scheidungspapiere zugesandt wurden.

Der Missbrauchsverdacht und der Suizidversuch lösten einen Rieseneinsatz aus, auch wenn der Angeklagte vom Schwiegersohn schon vom Baum abgeknüpft hatte. Es wimmelte von MPs. Streifen der Polizeiinspektion Eschenbach trafen in der US-Wohnsiedlung ein. Die Kripo. Die Spurensicherung. Das Rote Kreuz und am Ende sogar die Feuerwehr.

Ein 25-jähriger US-Militärpolizist ist inzwischen auf Hawaii stationiert und reiste für seine Aussage mit einem 36-Stunden-Flug. Ticketkosten: 2900 Euro. Seine Aussage dauert zehn Minuten, ist aber unverzichtbar. Er sprach als erster mit dem Angeklagten, der einen rastlosen, aufgewühlten Eindruck und resigniert sagte: "Macht einfach. Verhaftet mich." Man habe dem Mann ein Glas Wasser eingeschenkt, um ihn zu beruhigen. Danach setzten die MPs den Tatverdächtigen in Handschellen in ein Polizeiauto und warteten auf die deutschen Kollegen.

Der Angeklagte wusste, dass man ihm die Geschichte vom freiwilligen Techtelmechtel mit der Tochter nicht so leicht abnehmen würde. Er sieht sich nicht zum ersten Mal solchen Vorwürfen ausgesetzt: Im Sommer 2015 hatte ihm die Tochter schon einmal vorgeworfen, sie bei einem Spaziergang unsittlich berührt zu haben. In den USA liefen zudem seit Januar 2016 Ermittlungen wegen des angeblichen Missbrauchs der jüngeren Tochter (15). Auch diese Anzeige hatte das jetzige Opfer, die große Tochter aus Deutschland, erstattet. Das Verfahren wurde eingestellt. Auch wenn der Detective vermerkte, dass er persönlich glaube, dass an den Vorwürfen schon etwas dran sei.

Der Angeklagte sieht sich als Opfer einer Art Verschwörung seiner Noch-Ehefrau und der großen Tochter. "Mein Eindruck ist, dass man mir etwas anhängen will."

Den Richtern Markus Fillinger und Matthias Bauer sind die Familienbeziehungen rätselhaft. Zwei Mal sei der Angeklagte von seiner Tochter des Missbrauchs bezichtigt wurden: "Und dann sitzt man im Haus der Tochter und bechert zusammen? Dann nähert sich Ihnen die Tochter und Sie machen mit? Was ist das: selbsterfüllende Prophezeiung?" Gleiche Fragen gelten der Tochter: "Warum haben Sie nach all diesen Vorfällen zugestimmt, dass Ihr Vater Sie besucht?" Der 24-Jährige begründet das mit ihrer damaligen Situation: Sie hatte das Baby bekommen, nach einem Beinbruch einen Gips. Hilfe war willkommen. "Und er ist mein Vater, ich habe ihn vermisst."

Mehrjährige Haft möglich


Im Fall einer Verurteilung droht dem Amerikaner eine mehrjährige Haftstrafe. Die Verhandlung wird am 6. Oktober fortgesetzt. Als Zeuge geladen: Der Gutachter des Landeskriminalamts.
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