Amtsgericht verurteilt Studiendirektor a. D. wegen Sachbeschädigung am Auto eines Polizisten
Kratzer im Ruf eines Lehrers

Symbolbild: dpa

"Der Angeklagte ist der Meinung, er kann uns hier zum Narren halten", meint am Ende Richter Hubert Windisch. Er verurteilt am Mittwoch einen Studiendirektor a. D. zu 180 Tagessätzen. Das entspricht einem halben Jahreseinkommen des Pensionärs. Windisch hat keinen Zweifel, dass der 67-Jährige das Auto eines Polizisten verkratzt hat.

Innerhalb von vier Monaten hatte der Polizeibeamte sechs Kratzer in seinem weißen Ford, geparkt vor dem Haus in einem Weidener Wohngebiet. Der 67-Jährige bestreitet bis zur letzten Minute, damit etwas zu tun zu haben. "Ich war das nicht. Ich habe dieses Auto nicht berührt." Dabei sind die Beweise erdrückend: Nach dem fünften Vorfall hatte die Kripo eine Kamera installiert. Keine Stunde später prangte ein 75-Zentimeter-Kratzer im Auto. Das Video ergab nach Auskunft des Sachbearbeiters nur einen möglichen Täter: den 67-Jährigen, der mit dem Rad ganz nah am Auto vorbeifuhr und sich just auf Höhe des Wagens hinunterbeugte. "Er war definitiv die einzige Person zu dieser Zeit."

Die Polizei hielt ihn einige Tage später auf. Der 67-Jährige wohnt 500 Meter entfernt. Nach eigenen Angaben radelte er 2015 zwei Mal die Woche am Haus des Polizisten vorbei zu einem Nebenjob. Bei der Kontrolle steckte im Rahmentäschchen ein Schraubenzieher mit weißem Lack an der Spitze. Ein Gutachten des Landeskriminalamts ergab Parallelen zum Autolack des Ford. Das Gericht holte noch ein zweites Gutachten ein, weil der ehemalige Lehrer behauptete, die Farbe sei bei Renovierungsarbeiten in seinem Elternhaus auf den Schraubendreher gekommen. Sein Vater habe die Badezimmertür seinerzeit mit Autolack gestrichen, den er abkratze. Ergebnis des Vergleichs: Die Story passt nicht. Die Farben stimmen nicht überein.

Erdrückende Beweise? Nicht für den 67-Jährigen. Blumig führt er aus, warum er sich im Video nach unten beugt. Er sei an dem Morgen schwer gestürzt, hatte eine "Fleischwunde" am Knie. Als Zeugin fährt er seine Lebenspartnerin auf, die Gefahr läuft, wegen ihrer Aussagen in Haft zu gehen. Die 71-Jährige gibt dem Lebensgefährten ein Alibi für fast alle Tatzeiten. "Der geht nie allein fort. Wenn wir was unternehmen, dann machen wir das gemeinsam." Darauf Richter Windisch: "Aber das Grundstück darf er schon ohne Erlaubnis verlassen?"

Am Mittwoch behauptet der Pensionär nun, die Lackspur am Schraubenzieher könnte auch von der Reparatur des Autos seiner Tochter herrühren. Anwalt Werner Buckenleib beantragt ein weiteres Gutachten, das der Richter ablehnt: "Wenn ich noch ein Gutachten einholen würde, dann eines von Dr. Rieder." Rieder ist der Psychiater des Landgerichts.

Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf fordert 140 Tagessätze à 70 Euro: "Ein Lehrer, der Vorbild sein soll für die Gesellschaft, tritt hier in Erscheinung wie ein psychopathischer Spinner." Der Verteidiger will den Freispruch: "Ihm konnte nichts nachgewiesen werden." Der Richter legt sogar noch was drauf: Für sechsfache Sachbeschädigung gibt er 140 Tagessätze à 80 Euro, berechnet auf Basis der monatlichen Pension von 3700 Euro. "Für mich bleibt nicht der Ansatz eines Zweifels."

Auslöser bleibt unbekannt


Der Polizist weiß bis heute nicht, warum ausgerechnet sein Auto ins Visier gelangte. An früheren Ermittlungen gegen den Studiendirektor wegen des Überschüttens von Fahrzeugen mit Altöl war er nicht beteiligt. Ganz beruhigt ist der 38-Jährige noch nicht. Zuletzt wurde der Pensionär beobachtet, wie er das Haus der Familie fotografierte. Der zweifache Vater: "Weshalb, wieso? Komisch." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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