Andreas Duschner weiß, Technisches Hilfswerk ist nicht mehr wegzudenken
Starkregen und Cyberangriff

"Man hat in Simbach gesehen, zu was die Natur in der Lage ist." Zitat: Andreas Duschner, Ortsbeauftrager für das THW

Totgesagte leben länger. Nach der Wende stand das gesamte Technische Hilfswerk, gegründet im Kalten Krieg zum Zivilschutz im Verteidigungsfall, zur Diskussion. Ob bei Starkregen oder in der Flüchtlingskrise: Heute kann man sich die Republik ohne die "blauen Engel" nicht vorstellen. Auch in Weiden nicht.

Andreas Duschner ist seit fünf Jahren Ortsbeauftragter für das THW Weiden. Zum 1. Juni hat ihn Landesbeauftragter Dr. Fritz-Helge Voß erneut berufen. Zudem ist Duschner Sprecher aller neun Ortsverbände des Bereichs Hof im Landesausschuss Bayern. Die Aufgaben des THW haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert: "Wir sind froh, dass es uns noch gibt und, dass es uns in dieser Form gibt."

Aktuell überdenkt das THW erneut sein Rahmenkonzept. Die zwei großen Themen sind zum einen Unwetter aufgrund des Klimawandels: "Wir müssen davon ausgehen, dass solche Ereignisse zunehmen." Zum anderen werde auf Bundesebene die Sicherheitslage neu bewertet. Das THW spielt dabei eine große Rolle in der Sicherung kritischer Infrastrukturen, auch im Hinblick auf Cyberangriffe auf das Stromnetz, wie Ende 2015 in der Ukraine geschehen. Das THW hat 2005 wichtige Erfahrungen gesammelt, als im Münsterland nach einem Schneesturm flächendeckend mehrere Tage der Strom ausfiel. "Da hat man gemerkt, wie eng das wird. Wie viel Kapazität an Stromversorgung man für so eine eng begrenzte Region braucht."

Das technische Know-how und Equipment des Technischen Hilfswerks waren jüngst in Simbach gefragt, wo auch Weidener Helfer Dienst taten. In Simbach kamen erstmals die neuen Trinkwasseraufbereitungsanlagen des THW zum Einsatz. Deren Anschaffung hatte im Vorfeld in der Kritik gestanden. "Man hatte die Frage stellt: Braucht es das überhaupt in einem so gut versorgten Land wie Deutschland?", erinnert Duschner. "Es hat sich jetzt gezeigt, dass das tatsächlich erforderlich ist. Man hat in Simbach gesehen, zu was die Natur in der Lage ist."

Freiwillige vor


Einen Wunsch hätte der neue und alte Ortsbeauftragte zum Fünfjährigen: mehr aktive Mitglieder. Seit Abschaffung der Wehrpflicht - und damit der Wehrersatzdienstleistenden - rekrutiert sich das THW auf Ortsebene ausschließlich aus Freiwilligen. Auch der 29-jährige Bankbetriebswirt Duschner arbeitet ehrenamtlich - und ist dankbar für seinen toleranten Arbeitgeber. "Der Zulauf lässt zu wünschen übrig." 50 Aktive sind aktuell dabei, davon 35 "voll durchqualifiziert". Duschner wirbt mit Qualifikationen, wie dem Staplerschein, die beim THW erworben werden können und auch im Berufsleben dienlich sein können. Er selbst hat im bundesweiten Dienst auch schon viele gute Bekanntschaften geschlossen. Nur: "Man sieht sich immer nur im Katastrophenfall."

Man hat in Simbach gesehen, zu was die Natur in der Lage ist.Andreas Duschner, Ortsbeauftrager für das THW


So läuft's in KrisenWie sich die Aufgaben des THW verändert haben, wann Andreas Duschner zuletzt Schlips und Kragen gegen Sicherheitsschuhe im Katastrophengebiet getauscht hat und warum die Ausbildung so wichtig ist: Das verrät der 30-Jährige in einem Interview in der Dienstagausgabe .
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