Anwohner befürchten mehr Lärm nach der Elektrifizierung
Harter Stahl und leise Sohlen

Wie laut ist ein Zug? Das Forum Bahnlärm misst selbst nach und vergleicht. Während Personenzüge noch erträglich sind, fürchten die Mitglieder die doppelt so lauten Güterzüge. Deren Zahl könnte bald deutlich ansteigen. Bild: räd
 
Personenzüge, wie links ein Regional-Express, sind bezüglich der Lärmbelastung kein Problem für die Anwohner. Sollten aber Bauzüge zur Elektrifizierung anrücken und in der Folge mehr laute Güterzüge zwischen Hof und Regensburg unterwegs sein, befürchten viele Menschen massive Einbußen bei der Lebensqualität. Bilder: Rädle (3)

Nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft bereitet Menschen entlang der Bahnstrecke Hof-Regensburg Unbehagen. Denn neue elektrische Lokomotiven ziehen nicht nur Güter durch die Oberpfalz, sondern bringen auch eine ganz andere Belastung mit.

Es ist vor allem der Lärm, den die Anwohner nach einer Elektrifizierung fürchten. Sollten künftig bis zu 80 Güterzüge pro Tag auf der Naabtal-Strecke fahren und kein ausreichender Lärmschutz gebaut werden, wird es unerträglich werden, sind sich Thomas Kraus und Erik Kuhr vom "Forum Bahnlärm" in Altenstadt/WN (Kreis Neustadt/WN) sicher. Beide wohnen direkt neben den Gleisen. Kraus und Kuhr zählten bereits heute 15 bis 20 Güterzüge pro Tag - mit steigender Tendenz. Noch vor rund zwei Jahren seien es sechs bis acht gewesen. Das Problem: Die ersten Züge passierten Altenstadt bereits um etwa 5:25 Uhr mit teils hoher Geschwindigkeit. "Die Vibrationen spürt man. Man ist wach, dämmert wieder ein. Dann kommt der nächste Zug", erzählt Kraus.

Genau im Tiefschlaf


Die Mitglieder des "Forums Bahnlärm" haben hochgerechnet, dass bei geplanten 80 Zügen etwa alle zehn Minuten ein Zug fahren müsste - nachts zwischen 0 und 5 Uhr. "Genau in den Stunden des Tiefschlafes", so Kraus. Besonders laut seien die PS-starken Diesellokomotiven der Baureihe 232 aus russischer Produktion mit ihrem charakteristischen Röhren. Bis zu 105/106 Dezibel hätten sie mit Lärmmess-Programmen auf ihren Smartphones schon gemessen. Zum Vergleich: Ein Regional-Triebwagen der Baureihe 612 erreicht beim Vor-Ort-Termin am Bahnsteig in Altenstadt/WN knapp 90 Dezibel. Eine Differenz von 15 Dezibel - sieht nach wenig aus, hört sich aber nach viel an. Denn 10 Dezibel bedeuten für das Gehör eine Verdoppelung der Lautstärke.

"Beruhigungspille"


Der Personenverkehr bereitet Kraus und Kuhr keine Probleme. "Darum geht es definitiv nicht." Auch gegen die von der Deutschen Bahn versprochenen InterCity-Züge hätten sie nichts einzuwenden, wenngleich sie an der Ernsthaftigkeit der Ankündigung zweifeln. "Eine Beruhigungspille", sagt Kraus. Er und Kuhr verlangen von der Politik eine klare Zusage für einen effektiven Lärmschutz. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. "Wenn wir Glück haben, kriegen wir Standard, wenn wir Pech haben gar nichts." Weder Politiker noch Behörden hätten bisher schriftlich erklärt, dass eine Elektrifizierung eine derart wesentliche Änderung der Strecke sei, dass ein Lärmschutz zwingend erforderlich sei. Seitens des Bundes gibt es sogar widersprüchliche Angaben. Während der Bundestag die Gleichstellung von Ausbau- mit Neubaustrecken fordert, womit ein Lärmschutz verbunden wäre, betrachtet das Eisenbahnbundesamt die Oberleitung samt Masten nur als Zubehör. Mit den so genannten "Leisen Sohlen" allein - lärmarmen Bremsklötzen bei Waggons - will sich das Forum nicht zufrieden geben. Bis 2020 sollen zwar alle Güterwagen umgerüstet sein, nicht betroffen seien allerdings Waggons ausländischer Gesellschaften, die ebenfalls in Deutschland unterwegs sind.

So gesehen wäre eine Elektrifizierung nicht einmal ein Ausbau. Der Bedeutung von Verkehrsverbindungen seien sie sich bewusst. "Wir wollen ein konstruktiver Gegenpol sein zu wirtschaftlichen Interessen", erklärt Kraus.

Weitere Links im Internet:
Internet-Seite des Forums Bahnlärm
Das Interview mit Professor Markus Hecht auf Eurailpress.de (Pdf-Datei)
Das Lärmschutz-Portal der Deutschen Bahn




VorschlägeDas "Forum Bahnlärm" hat eine Reihe von Vorschläge, mit denen Lärm reduziert werden könnte:

Regelmäßiges Schleifen von Schienen. Dadurch Ausgleich von Unebenheiten.

Neue Lärmschutzmaßnahmen, etwa Absorber auf Schienenhöhe.

Einhausungen, also Tunnel- oder Halbtunnelstrecken. Könnten sich Kraus und Kuhr für Nabburg und Altenstadt vorstellen.

"Lärm-Maut" für besonders laute Züge. Die Einnahmen sollen in den Lärmschutz fließen.

Variable Abstände der Schwellen, dadurch Kompensation von Schwingungen.

Pilotprojekte für neue Methoden des Lärmschutzes. (räd)
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