AOK-Studie zeigt: Arbeitnehmer in Weiden und dem Landkreis Neustädt sind kränger als im ...
Älter und kränker

Symbolbild: dpa

In Weiden und dem Landkreis Neustadt sind AOK-versicherte Arbeitnehmer kränker als im bayernweiten Vergleich. Das teilt die hiesige Krankenkasse mit. Und sie spekuliert auf Basis ihrer Auswertung von 2015, woran das liegen könnte.

Das große Husten, das lästige Schniefen: Viele erinnern sich vielleicht gar nicht mehr. Aber von Januar bis März 2015 grassierte in der Region eine mächtige Grippewelle. Die Folgen spiegeln sich in den Zahlen der AOK zum Krankenstand in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN aus dem vergangenen Jahr wider. Er kletterte. Zwar nur um 0,1 Prozentpunkte. Das aber genügt, um mit einem Krankenstand von 5,2 Prozent im Jahr 2015 weit über dem Bayernwert von 4,7 Prozent zu rangieren.

"Auffällig ist die Zunahme der Atemwegserkrankungen", heißt es in einer Pressemitteilung der AOK-Direktion Weiden, die in der Stadt und im Landkreis Neustadt 52 000 Mitglieder zählt. Etwa 23 000 davon sind erwerbstätig. Auf deren Daten von 2015 gründet sich die Auswertung der Krankenkasse.

Demnach vermerkte der Arzt im vergangenen Jahr am häufigsten auf den gelben Zetteln der erwerbstätigen AOK-Versicherten in Weiden und dem Landkreis Neustadt die Krankheitsart "Atemwegserkrankung". 48,8 Krankmeldungen je 100 diagnostizierten das. Zum Vergleich: 2014 waren es nur 39 Krankmeldungen dieser Art. Am zweithäufigsten waren Muskel- oder Skeletterkrankungen ursächlich für eine Krankschreibung (33,9 Meldungen je 100 erwerbstätige AOK-Versicherte), gefolgt von Erkrankungen des Verdauungssystems wie Magen-Darm-Grippe (20,7) sowie Verletzungen (17,3).

Viele plagt der Rücken


Das schlug sich 2015 wie folgt auf die Fehlzeiten nieder: Statistisch gesehen fehlten die Arbeitnehmer wegen Atemwegserkrankungen durchschnittlich drei Tage. Knapp doppelt so lange, nämlich im Schnitt 5,8 Tage, dauerte die Genesung bei einer anderen Beschwerde: "Muskel- und Skeletterkrankungen verursachen von allen Krankheitsarten immer noch die meisten Ausfalltage", weiß Jürgen Spickenreuther, Direktor der AOK in Weiden. Sprich: Die Arbeitnehmer aus Weiden und dem Landkreis Neustadt haben Rücken - oder eben auch Schmerzen im Knie-, Schulter- und Nackenbereich.

Unterm Strich ergibt sich so, dass AOK-Versicherte aus Stadt und Land 2015 im Schnitt 19,1 Kalendertage arbeitsunfähig waren. Bayernweit waren es mit 17,1 Kalendertagen exakt zwei Fehltage weniger. Und auch hierfür liefert der AOK-Direktor eine Erklärung: das Nord-Süd-Gefälle. Demnach steige laut der Daten der AOK der Krankenstand in Bayern, je nördlicher die Arbeitsstelle im Freistaat angesiedelt ist. Ursächlich hierfür sei die Tatsache, dass nordbayerische Unternehmen deutlich ältere Belegschaften besäßen. "Oberbayerische Arbeitgeber dagegen profitieren von einem starken Zuzug jüngerer Arbeitnehmer."

Betriebe sensibilisieren


Vor dem Hintergrund dieses Wissens bliebe die Krankenkasse aber auch nicht untätig. "Um arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden, unterstützen wir Unternehmen aus unserer Region beim betrieblichen Gesundheitsmanagement", betont AOK-Direktor Spickenreuther. Rund 30 Unternehmen würden diesen Service bereits nutzen.

Überproportional häufig Fehltage wegen PsycheEin Mal pro Jahr schaut die AOK genauer hin: Sie wertet die Krankmeldungen ihrer Versicherten aus. Das ergibt einen stattlichen Zahlenwust. Was der aber nicht zeigt, ist, inwiefern psychische Belastungen bei Beschäftigten in Stadt und Landkreis zu Fehltagen führen. "Das kann aus dieser Arbeitsunfähigkeitsstatistik nicht herausgelesen werden", weiß AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther und erklärt: "Psychische Belastungen spielen bei tageweisen Erkrankungen kaum eine Rolle." Dazu müsse ein Blick in die Krankengeld-Statistik geworfen werden. Sie zeigt erschreckenderweise: Die Bürger Weidens und des Landkreises Neustadt/WN sind im Vergleich zu anderen Regionen überproportional häufig von psychischen Belastungen betroffen. "Sie machen ein Viertel der Krankengeld-Fälle aus." (mte)
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