Apotheker fürchten weitere Schließungen in Bayern
Unerwünschte Nebenwirkung

Behandlungsbedarf bei der Gesetzgebung sahen die Apotheker Martin Wolf und Andreas Biebl (rechts) im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht (links) und Jutta Rewitzer von der Landesapothekerkammer. Bild: hfz

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Wir alle sind mit diesem Satz groß geworden - bald könnte er der Vergangenheit angehören. Dies zumindest fürchten die Apotheker aus Weiden und Umgebung.

In den letzten Jahren schlossen in Bayern im Schnitt 33 Apotheken pro Jahr. Die Apotheker Andreas Biebl (Mohren-Apotheke, Weiden) und Martin Wolf (Rosen-Apotheke, Vohenstrauß) hatten den Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht daher zum Krisengespräch eingeladen. Dazu kam Jutta Rewitzer aus Furth im Wald, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer. Die Apotheker machten die bisherigen Spargesetze und Auflagen für den Rückgang der Apothekenzahl verantwortlich. "Es ist unter diesen Umständen einfach nicht mehr attraktiv, eine Apotheke zu führen", sagte Wolf. Gleichzeitig warnte er vor zahlreichen weiteren Schließungen, sollte das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs umgesetzt werden. Es besagt, dass verschreibungspflichtige Medikamente ausländischer Versandhändler nicht mehr an die festen Preise in Deutschland gebunden sind. So entstehe ein Wettbewerb um das günstigste Medikament. "Damit schaffen wir hier in Deutschland amerikanische Verhältnisse und riskieren für die Zukunft große Versorgungslücken. Verlierer ist dann der Patient", warnte Wolf.

"Wir wollen keinen Preiskampf auf Kosten der Patienten", betonte Rupprecht. Gerade für ländliche Regionen sei die flächendeckende Versorgung mit Apotheken unerlässlich. Weder Qualität noch Verfügbarkeit, auch in der Nacht, dürften nachlassen. Er versprach, sich für eine schnelle Gesetzesänderung einzusetzen, damit das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Deutschland keine Anwendung fände. Jutta Rewitzer, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer, formulierte noch ein weiteres Anliegen: "Unser Ziel ist, den Internet-Versandhandel auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu beschränken."
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