Applaus für Weidener Helfer im Kanzleramt
Koordinator der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer der Stadt stellt sein Konzept in Berlin vor

Einen schönen Gruß von der Familie Hess bestellte Manfred Weiß im Kanzleramt der Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz (Mitte). Sie war bereits zu Gast beim AK Asyl in Weiden und machte Weiß mit Familienministerin Manuela Schwesig bekannt. Beiden schenkte er einen Button des Netzwerks Asyl, finanziert aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben". Bild: hfz

Er ist ein Macher, der hauptamtliche Koordinator der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Weiden. Am vergangenen Freitag packte Manfred Weiß auch im Berliner Kanzleramt in Sachen Flüchtlingshilfe an. "Ich war als Mann der Praxis geladen", sagt der 58-Jährige. Fünf Minuten Redezeit bekam er bei der Veranstaltung "Kommunen stärken - rechte Hetze verhindern". "Ich hab' aber gleich gesagt: Das schaffe ich nicht in der Zeit." Als "die Stimme der Ehrenamtlichen in Weiden" hat er schließlich auf dem Podium, fünf Stockwerke unter dem Büro der Kanzlerin, 15 Minuten geredet. Ein Blatt vor den Mund nahm er nicht. Und alle hörten sie ihm zu.

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz etwa. "Sie hat sich fleißig Notizen gemacht." Oder auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Dazwischen applaudierten rund 130 hauptamtliche Bürgermeister und Landräte Deutschlands. Zusammen setzten sie wie der Einladende Thomas Heppener, Leiter des Referats "Demokratie und Vielfalt" im Familienministerium, große Hoffnung in Weiß und seine Anregungen aus Weiden, wie Willkommenskultur gelingen kann (wir berichteten). "Im Anschluss wollten einige gar mein Konzeptpapier haben."

Darin beschreibt Weiß etwa, wie wichtig ein nachhaltiges Hilfsangebot ist. "Ehrenamtliche brauchen auch mal Pausen." Mehr hauptamtliche Koordinatoren wie Weiß von der Diakonie seien unabdingbar. Sie brächten Struktur in die Hilfsangebote. Apropos: Eine flächendeckende Struktur sei zudem nötig. "Aber bitte stülpen Sie uns die nicht einfach von oben über, habe ich gesagt." Die Helfer vor Ort müssten gefragt werden. Sie würden sich am besten auskennen. Auch Geld forderte Weiß: "Es kann doch nicht sein, dass die Kommunen die Arbeit machen und dafür nicht zu 100 Prozent finanziert werden." Es bräuchte obendrein Wohnungen: "Flüchtlinge Tür an Tür mit den Bürgern unterzubringen, das ist gelebte Integration."

Widerspruch habe es an keiner Stelle bei den Zuhörern gegeben. "Nur Zustimmung und Beifall ohne Ende. Ich hatte den Eindruck, alle dachten, endlich sagt's mal einer."

Entsprechend hofft Weiß, "zum Nachdenken auf höchster Ebene angeregt zu haben". Nun würden wohl Taten folgen. "Wenn nicht, gehe ich wieder nach Berlin. Ich kenn' mich ja jetzt aus", witzelt der 58-Jährige.
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